Diese Staffel fühlt sich definitiv etwas anders an, als noch die erste. Das Trio wird nach ein paar Episoden für dir restliche Staffel getrennt. Holden & Tench kümmern sich um die Atlanta Child Murders, während Wendy zurückbleibt und mit Gregg weiter Serienmörder interviewt. Das führt leider zu einem eher unausbalancierten Verhältnis zwischen den dreien, was Screentime und Relevanz für die übergreifende Geschichte angeht. Wendy zieht diesbezüglich den kürzeren und muss praktisch Zuhause bleiben, während Holden & Tench die "richtige" Arbeit machen.
Das ist insoweit ein bisschen enttäuschend, da Wendy deutlich weniger Präsenz in der Staffel hat, dafür konnte Sie sich durch die Interviews, die Sie mit Gregg geführt hat, "on the field" beweisen, was sehr wahrscheinlich Türen dafür öffnet, dass Sie in späteren Staffeln deutlich aktiver mit Holden und Tench zusammenarbeiten wird, was ich deutlich spannender finde, als Sie nur am Schreibtisch zu sehen. Das könnte sich aber als schwerer herausstellen, als gedacht, da Gunn, der neue Boss, Sie wissen lassen hat, dass Sie am Schreibtisch besser aufgehoben wäre, als auf dem Feld. Yikes.
Die Storyline in Atlanta gefällt mir da deutlich besser, auch wenn das Ende das komplette Gegenteil von befriedigend ist. Das kann man der Serie aber auch nicht wirklich zum Vorwurf machen. Ich fand es aber sehr gut, dass Holden und Tench nicht plötzlich zu irgendwelchen Super-Ermittlern geschrieben worden sind, weil sie Serienkiller interviewt haben. Sie sind die meiste Zeit genauso ratlos, wie die anderen und Holden's Besessenheit nach dem von ihm erstellten Profil des Mörders hat der Ermittlung vielleicht sogar ein bisschen geschadet.
Die polarisierenden Teile der Staffel sind aber die Storylines rundum Tench's Familie und Wendy's Freundin. Ich habe recht häufig gelesen, wie diese Teile als "Filler" abgeschrieben wurden, was ich tatsächlich schade finde. Ich finde nämlich, dass beide Storylines essenziell dafür sind, um Tench und Wendy's Charakter besser zu kontextualisieren.
Die Storyline um Brian führt zu einem inneren Konflikt in Tench, welcher dafür sorgt, dass er bestimmte Aspekte seines Jobs hinterfragt, was er vorher nie getan hat. Jetzt ist sein Privatleben aber gerade dabei, teil seines Jobs zu werden, was er definitiv nicht akzeptieren will, was man gut in seinem Dialog mit Charles Manson sieht. Er versucht seinen Sohn von Leuten, wie Manson und Kemper zu trennen, was für ihn im Verlauf der Staffel immer schwerer wird. Der "Breakingpoint" von Tench ist schließlich, als er das erste mal mit Brian alleine ist. Er möchte mit Brian über den Vorfall sprechen und sagt ihm anschließend: "I need to know if you're okay, because this scares the shit out of me, Brian."
Tench's Frau kommt mit der Situation als praktisch alleinerziehende Mutter nicht klar und zieht mit Brian aus, ohne Tench Bescheid zu sagen.
Wendy's Storyline will nochmal verdeutlichen, was für soziale und persöhnliche Probleme Sie hat. Sie trifft eine Freundin und sie gehen eine Beziehung ein. Diese Freundin, Kay, ist aber praktisch das komplette Gegenteil von ihr. Die Beziehung endet am Ende jedoch aufgrund von Komplikationen zwischen Kay und ihrem früheren Liebhaber durch ihren gemeinsamen Sohn und Wendy's soziale Unfähigkeit, diese Komplikationen zu verstehen.
Beide Storylines werden sehr wahrscheinlich eine deutlich größere Rolle in den darauffolgenden Staffeln spielen, so wie Holden's Panik-Attacken, die nach der zweiten Episode irgendwie keine Rolle mehr gespielt haben. Hoffentlich zumindest.