Foren Aktuelles Erstellen Mitglieder Anmelden

Der Boulevardpresse Thread

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

ah, ein fachmann für zerstörte kirchen, restauration und wiederaufbau. das wurde aber auch zeit, dass sich da mal einer meldet!

wir haben wirklich für jede lebenslage jemandem im KT. ich bin jedes mal aufs neue begeistert.

edit: und übrigens: ja, ich glaube, dass die dachkonstruktion 800 jahre alt war

Zuerst waren die Flammen im mittleren Bereich des Kirchenschiffs sichtbar, über der Vierung, dem Bereich, in dem Haupt- und Querschiff sich kreuzen. Die Dachkonstruktion der Kathedrale stammt aus dem 13. Jahrhundert und bestand komplett aus Holzbalken. Diese jahrhundertealten und sehr trockenen Eichenbalken fingen sofort Feuer. Der 110 Meter lange, 13 Meter breite und zehn Meter hohe Dachstuhl diente dem Feuer als Hauptnahrung.
https://www.zeit.de/gesellschaft/ze...re-dame-brandursache-feuer-ermittlungen-paris
 
Der französische Innenminister Castaner behauptet zumindest auch, es würde "Tage und Monate" dauern bis man die Kirche wieder rekonstruiert hat.
https://edition.cnn.com/world/live-news/notre-dame-fire/index.html

Aktuell gibt es auch Spenden von über 600 Millionen Euro um die Kirche zu restaurieren. Es klingt bisher ziemlich machbar. (EDIT: 600 Millionen ohne staatliche Gelder)

Ist übrigens deswegen auch immer besser, eine Aussage in Frage zu stellen und nicht den Verfasser.
 
Von mir aus auch das...

Ich bin mir aber relativ sicher, dass die Reaktionen in einem französischen Board aktuell anders aussehen.

Ich habe heute Vormittag einen sehr klugen französischen Kommentar gelesen, der in die Richtung 'Ja, es ist schade und danke für die Solidarität aus aller Welt, aber chillt mal ein wenig und solidarisiert euch lieber in punkto humanitärer Katastrophen, die in Europa und unserem Land passieren'. Also natürlich gibt es auch diese Stimmen in Frankreich (leider finde ich den Tweet nicht wieder).

Woran ich mich massiv störe ist übrigens weniger die Tatsache, dass Menschen ganz grundsätzlich im Zusammenhang mit der Zerstörung eines (historischen) Gebäudes Traurigkeit empfinden, sondern viel mehr warum hier Trauer empfunden wird. Und wie diese begründet wird.
Wenn ich lese, wie viele Menschen den Brand als kulturellen Verlust für die Menschheit beklagen, dann lese ich darin eine ganz, ganz große Portion Eurozentrismus und viel, viel Kulturkampf.
Ich will gar nicht widersprechen, dass man es als kulturellen Verlust sehen kann. Aber es wird als europäischer Verlust empfunden. Es schmerzt die Leute, weil "ihrer" Kultur ein Symbol genommen wird. Es wird hochstilisiert zu einem Verlust für die Menschheit, dabei spiegelt sich in den allermeisten Empfindungen doch ein persönlicher Verlust, der aus der subjektiven Überschätzung europäischer und weißer Kultur gespeist wird, mit der man sich selbst identifiziert.
Der eine kulturelle Verlust wiegt persönlich schwerer als der andere.
Warum ist das so? Warum hat der Brand im brasilianischen Nationalmuseum im Vorjahr nicht so viel Betroffenheit verursacht? Ist es nicht ein ebenso großer kultureller Verlust für die Menschheit, wenn man zwischen verschiedenen Kulturen nicht hierarchisiert? Warum wird die Zerstörung Timbuktus nicht als mindestens genauso traurig empfunden?
Und weiter gedacht, wenn wir doch erkennen, wie sehr wir uns selbst mit "unserer" Kultur identifizieren, warum ruft es in uns keine Empörung hervor, dass es gang und gäbe ist in europäischen Museen afrikanische (und weitere) Raubkunst auszustellen? Warum wird nicht ebenso laut gefordert diese Kulturgüter den Menschen zurückzugeben, denen sie gestohlen wurde?

Ich empfinde nichts bei der (teilweisen) Zerstörung Notre Dames, weil ich den Kulturkampf nicht in mir weitertragen will.
 
Muss natürlich noch alles genau untersucht werden. Und noch kann man es sicherlich nicht genau einschätzen, aber auf der verlinkten Seite ist auch ein kurzer Artikel zu einem ähnlichen Fall in England. Dort hatte eine ähnliche Kathedrale einen ähnlichen Feuerschaden, der vermutlich sogar größer war, und dort hat die vollständige Restauration vier Jahre gedauert in den 80ern. Die Notre Dame ist weitaus bedeutender und es fließen viel mehr Gelder in die Reparatur, also wäre auch ein kürzerer Zeitrahmen realistisch. (Bin kein Experte, habe nur recherchiert.)

_91926735_hi005285515.jpg


(Hier die Kathedrale in England. Ist sogar noch etwas größer und hat eine Holzstruktur, während die Notre Dame hauptsächlich aus Stein besteht.)
 
Ich finde ja viele deiner Ansichten durchaus richtig und lobenswert, aber hier schießt du in meinen Augen echt wieder mal übers Ziel hinaus und willst Probleme sehen wo gar keine sind. Bzw. strebst du Formen an die IMO absolut nicht erstrebenswert sind. Europa hat nunmal eine kulturell gesehen sehr vielfältige und teils monumentale Geschichte. Warum sollte man um diese Geschichten aus einem Gebiet/Land in dem man aufgewachsen ist und deren Geschichte man viel genauer gelernt hat nicht "trauern"? Warum muss mich als Mensch alles gleich stark oder gar nicht berühren? Dieses starke drängen auf absolute Gleichheit in alle Situationen ist für mich absolut nicht erstrebenswert...
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn ich lese, wie viele Menschen den Brand als kulturellen Verlust für die Menschheit beklagen, dann lese ich darin eine ganz, ganz große Portion Eurozentrismus und viel, viel Kulturkampf.

Du siehst das IMO etwas zu strange.

Für mich ist das kein Kulturkampf. Aber es ist ein Teil meiner Kultur. Und die ist mir nunmal näher als andere Kulturen. Nicht unbedingt besser, aber einfach näher. Ich verbinde damit Teile meines eigenen Lebens.

Ich verlange aber auch nicht, dass irgendein Brasilianer um Notre Dame trauert oder dafür spendet.
 
ich würde gerne mal lesen das jemand 600 millionen gegen den hunger auf dieser welt spendet, wird aber wohl nie passieren:traurig:

Die Deutschen spenden pro Jahr gute 5 Milliarden Euro, zugegeben in verschiedene Projekte. Dass da alleine aus unserem Land auch einiges in den weltweiten Hunger fliesst ist nicht unwahrscheinlich.

Aber ja, das soll und muss auch so sein, gerne auch noch (viel) mehr.
 
Und weiter gedacht, wenn wir doch erkennen, wie sehr wir uns selbst mit "unserer" Kultur identifizieren, warum ruft es in uns keine Empörung hervor, dass es gang und gäbe ist in europäischen Museen afrikanische (und weitere) Raubkunst auszustellen? Warum wird nicht ebenso laut gefordert diese Kulturgüter den Menschen zurückzugeben, denen sie gestohlen wurde?

Will jetzt nicht in die Diskussion einsteigen, aber das ist übrigens ein wichtiger Punkt, der mir erst letztes Jahr in Griechenland bewusst gemacht wurde. Ein großer Teil unseres Kulturguts in Museen, ob jetzt im British Museum in London, im Pergamonmuseum in Berlin oder im Louvre in Paris, gehört eigentlich anderen Ländern. Aber in Kriegen und während der Kolonialisierung wurden viele Kulturschätze den Ländern schlichtweg gestohlen und verkauft. Und jetzt prahlen wir hier mit den größten Schätzen anderer Kulturen, die ihren Monumenten und Kunstwerken nachtrauern, extra neue Museen mit modernsten Mitteln erbauen, aber ihre "Kultur" nicht zurückbekommen. Ist natürlich ein anderes Thema, aber hat mich richtig angewidert zu sehen, dass z.B. Deutschland während der Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg griechische Kunst nach Europa gebracht hat und die Ansprüche heutzutage einfach mit "Ja, okay, muss man gucken" abgewinkt werden, während z.B. die fucking halbe Akropolis in London steht, wo sie offensichtlich nicht hingehört.

Nur damit man sich da mal Gedanken macht, wenn man mal wieder ein Museum besucht.
 
Will jetzt nicht in die Diskussion einsteigen, aber das ist übrigens ein wichtiger Punkt, der mir erst letztes Jahr in Griechenland bewusst gemacht wurde. Ein großer Teil unseres Kulturguts in Museen, ob jetzt im British Museum in London, im Pergamonmuseum in Berlin oder im Louvre in Paris, gehört eigentlich anderen Ländern. Aber in Kriegen und während der Kolonialisierung wurden viele Kulturschätze den Ländern schlichtweg gestohlen und verkauft. Und jetzt prahlen wir hier mit den größten Schätzen anderer Kulturen, die ihren Monumenten und Kunstwerken nachtrauern, extra neue Museen mit modernsten Mitteln erbauen, aber ihre "Kultur" nicht zurückbekommen. Ist natürlich ein anderes Thema, aber hat mich richtig angewidert zu sehen, dass z.B. Deutschland während der Besetzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg griechische Kunst nach Europa gebracht hat und die Ansprüche heutzutage einfach mit "Ja, okay, muss man gucken" abgewinkt werden, während z.B. die fucking halbe Akropolis in London steht, wo sie offensichtlich nicht hingehört.

Nur damit man sich da mal Gedanken macht, wenn man mal wieder ein Museum besucht.

Komplett richtig, aber halt wirklich ein anderes Thema.

Man merkt ja auch hier, dass es den meisten Menschen um das Gebäude an sich geht und nicht um die Schätze im Inneren. Die werden wenn, dann höchstens am Rande genannt.
 
ich würde gerne mal lesen das jemand 600 millionen gegen den hunger auf dieser welt spendet, wird aber wohl nie passieren:traurig:

Spenden gegen den Hunger - jedenfalls die traditionelle Variante wo einfach kontinuierlich Essen in die entsprechende Region gekarrt wird, ist btw auf lange Sicht sogar kontraproduktiv. Dann lieber für Projekte spenden, die dem Land und den Menschen durch Hilfe zur Selbsthilfe angedacht sind...
 
Spenden gegen den Hunger - jedenfalls die traditionelle Variante wo einfach kontinuierlich Essen in die entsprechende Region gekarrt wird, ist btw auf lange Sicht sogar kontraproduktiv. Dann lieber für Projekte spenden, die dem Land und den Menschen durch Hilfe zur Selbsthilfe angedacht sind...
So ist es ! Das betrifft sämtliche „Eingriffe“.

Subsidiaritätsprinzip: 1. Semester VWL :deal:
 
Zurück
Oben