Fallout 3 fand ich deswegen auch am besten. Das hatte eine richtig schön postapokalyptische Stimmung. New Vegas und 4 waren dann schon etwas abgedrehter.
Vor allem New Vegas macht das sogar richtig scheiße. Ich liebe die IP, das Universum, die Lore, das Art-Design, absolut alles, und gäbe es Dragon's Dogma nicht wäre F3 sogar mein all-time favourite game, weswegen ich selbst New Vegas dutzende Male auf PC und Konsole durchgespielt habe, aber dieser Punkt alleine zieht New Vegas immer noch hinter 3 UND 4 in der Spielerfahrung selbst.
Noch vor Storytelling, Entscheidungsmöglichkeiten, Skills und dem ganzen RPG Quatsch ist die Atmosphäre DAS wichtigste imo in einem Fallout. Und der ursprüngliche New Vegas Trailer ist wohl der Trailer, den ich mir in meinem Leben am häufigsten angesehen hatte, so gehyped war ich. Ich liebe Western, ich liebe Wüsten-Settings, und das ganze jetzt noch in Fallout, wo Teil 3 schon so geil war, in dieser dystopischen, weitläufigen Atmosphäre? Hatte mich damals so dermaßen drauf gefreut, aber scheiße was.
Die gesamte Spielwelt ist so dermaßen unbedrohlich in NV. Ein großer Punkt, woran ich sowas in solchen Spielwelten messe, ist tatsächlich auch der Horizont.
Es gibt keinen einzigen Punkt in der Spielwelt von NV, wo ich nicht am Horizont visuell irgendeinen Ort mit freundlich gesinnter Zivilisation erspähen kann. Dadurch fühle ich mich nie bedroht. Bei Fallout 3 (und 4) ist das anders, da kann man an abgelegenen Orten nicht einen Funken Zivilisation sehen. Und grade in einem Setting mit Schusswaffen, wo schon aus technischen Gründen ohne Mods Draw-Distances und derartiges massivst reduziert sind, obwohl man problemlos in echt mit vergleichbaren Waffen an Map-Randorten noch Gegner treffen könnte, irgendwann wird die Suspension of Disbelief einfach zu viel.
Ich kaufe es den Charakteren in NV nicht ab, das ihr Leben scheiße ist, sie in Lebensgefahr stecken oder sonst was. Du kannst zu Fuß in wenigen Minuten Laufzeit in dem nächsten sicheren Städtchen sein, da, guck doch mal, da hinten siehst du doch schon die rettende Zivilisation nur 50m von hier mit einem Posten der Followers of the Apocalypse, die dich sogar noch aus Herzensgüte verarzten, also jammer mich mal nicht so an, dass ich dir helfen soll.
Dazu kommt vor allem auch, dass die Spielwelt in NV massivst künstlich eingegrenzt ist mit etlichen künstlichen Mauern um Black Mountain, Jacobstown, etc., auch etwas das man mit Mods beheben muss (gut, dafür sind Bethesda Spiele ja bekannt).
Und postapokalpytisches RPG ist nun mal tatsächlich das eine Setting, wo man wirklich zumindest eine gewisse Größe der Spielwelt braucht um das Setting der Spielwelt glaubwürdig zu verkaufen.
NV hat ne Menge gute Neuerungen gebracht (die meisten davon Mods aus Fallout 3) und es ist trotzalledem in meinen persönlichen Top 25, aber die Fähigkeit von Leuten komplett das Setting zu ignorieren und einfach "Ja, aber die Texte sind doch toll geschrieben, guck mal, ich kann durch Save Scumming mich nicht mehr durch die Speechchecks schummeln, sondern muss wirklich ein gewisses Mindestmaß an Sprache haben, es gibt sogar 5 Main Questline-Routen, von denen nur 2 voneinander kopiert, einer nur zur Hälfte ausgeschrieben und nur einer verlangt, dass man sich mit buchstäblichen Wasteland Nazis verbündet", dass alles reicht um es über alle anderen Fallouts zu stellen, kann ich einfach nicht nachvollziehen, sorry...
War jetzt eigentlich unnötig langer Rant, aber ist wirklich nen Franchise, wo die emotionale Involvierung hoch ist und mich das echt jedes Mal ein wenig auf die Palme bringt, so etwas zu lesen...