Ich warte ja eigentlich gespannt auf Octopath Traveler, weshalb ich jetzt nix Größeres mehr anfangen wollte.
Neben "Inquisitor - Martyr" und "Forza Horizon 3", habe ich deshalb in den letzten Tagen immer wieder mal ein bisschen "Kleinkram" gespielt, der seit einiger Zeit die Festplatte zumüllt:
Slay the Spire (Steam)
Eine Roguelike-Dungeoncrawler mit einem Kartenspiel als Kampfsystem. Ist eigentlich ganz cool. Man startet mit einem kleinen Kartendeck, bestehend aus ein paar Basisaktionen (Angriff und Block) und muss sich auf der Map eines Dungeons von Raum zu Raum vorarbeiten, bis man schließlich dem Endboss gegenüber steht. Die Räume können entweder Kämpfe beinhalten, Händler, Schätze, Lagerfeuer (zum Rasten oder Aufwerten einer Karte) oder sonstige kleine Ereignisse (Präsentiert als Textadventure mit diversen Handlungsmöglichkeiten im Multiple-Choice-Verfahren).
Nach jedem Kampf, beim Händler oder aus Schatzkisten erhält man neue Karten, die man dann eben in den Kämpfen ausspielen kann. Zu Beginn jeder Kampfrunde zieht man 5 Karten aus seinem Deck und muss damit auf die anstehenden Aktionen des Gegners reagieren (Man sieht grob, ob der Gegner als nächstes angreift, Abwehrhaltung einnimmt oder eine sonstige Aktion ausführt).
Man kann pro Runde aber nicht unendlich viele Karten ausspielen, da das Ausspielen eine gewisse Anzahl von Aktionspunkten kostet. Von denen hat man pro Runde grundsätzlich 3 zur Verfügung und das Ausspielen von mächtige Karten kosten 2 AP, normale Karten kosten 1 AP und manche sind sogar "kostenlos". Einige Karten können nur einmal pro Kampf ausgespielt werden, während andere immer wieder neu ins Deck gemischt werden. Einige Karten bringen auch negative Effekte. Je größer das Deck wird und je tiefer man in den Dungeon vordringt, desto komplexer wird das Spielsystem und desto komplizierter wird die Wechselwirkung zwischen den einzelnen Karten. Karten mit negativen Effekten, oder Karten, die nicht zur eigenen Taktik passen, kann man an diversen Stellen auch wieder aus dem Deck entfernen lassen (Kostet aber Gold).
Neben den Karten gibt es auch noch konsumierbare Items, von denen man jeweils 3 Stück mitführen kann und diverse Trinkets, die das Spielerlebnis teils massiv verändern können. Ich hatte z.B. einen Ring , der mir pro Runde einen zusätzlichen AP beschert hat (= massiver Vorteil), dafür konnte ich kein Gold mehr verdienen (= massiver Nachteil).
Das Spiel befindet sich derzeit noch im Early Access, hat aber meiner Meinung nach schon einen so großen Umfang, dass man es ruhigen Gewissens empfehlen kann.
Dead Cells (Steam)
Ebenfalls ein Roguelike... oder besser ein Rogue
LITE, also ein Spiel, bei dem man zwar wieder und wieder von vorne anfangen muss, bei dem man aber zumindest gewisse Fortschritte dauerhaft freischalten kann. Das Spiel ist ein Plattformer, der vom Spielgefühl und vom Kampfsystem her ein bisschen an "Castlevania - Symphony of the Night erinnert". In jedem Run findet man diverse Waffen und Gerätschaften, von denen man jeweils 2 Stück mitnehmen kann. Waffen sind jederzeit einsatzbereit - die Geräte haben hingegen einen Cooldown. Ob man dabei auf Bögen, Schwerter, Dolche, Peitschen, Schilde, Falle, Granaten, Selbstschussanlagen, was auch immer setzt, bleibt einem dabei selbst überlassen... bzw. auch ein bisschen dem Zufall. Das Spiel ist nämlich "random generated". Man arbeitet die Locations zwar immer in der gleichen Reihenfolge ab, das jeweilige Levelkonstrukt, sowie auch die Art und die Fundorte der Items, werden bei jedem Run neu ausgewürfelt.
Von besiegten Gegnern erhält man die namensgebenden "Dead Cells", welche man dann zwischen den Locations bei einem speziellen Händler ausgeben kann, um den o.g. permanenten Fortschritt zu bewirken. Für einen gewissen Betrag, kann man z.B. die Fähigkeit erwerben, sich einmal komplett zu heilen. Etwas mehr kostet es, wenn man sich von nun an zweimal pro Run heilen möchte. Dann gibt es z.B. noch das Perk, welches einem erlaubt, nach dem virtuellen Ableben einen gewissen Geldbetrag mit in den nächsten Run zu nehmen. Wenn einem die Move-Sets der anfangs zur Verfügung stehenden Waffen nicht liegen oder die Wirkung nicht wuchtig genug ist, kann man auch diesbezüglich neuen Kram ohne Ende freischalten, der dann eventuell beim nächsten Run dropped, bzw. im Angebot eines Händlers erscheint.
Besonderheit des Spiels ist sicherlich die schicke Optik. Die Lichteffekte, die liebevolle Pixelgrafik und die butterweichen Animationen erinnern wohlig an die guten alten 16bit-Zeiten (natürlich nur durch die rosarote Nostalgie-Brille - in Wahrheit haben Spiele für SNES oder Mega Drive nie so gut ausgesehen).
Das Spiel versteht es auch, geschickt eine sehr rätselhafte Stimmung aufzubauen, die fast ein bisschen an die Atmosphäre von (man verzeihe den überstrapazierten Vergleich) "Dark Souls" erinnert. Da erscheint plötzlich ein NPC an einer Stelle, an der man schon zig mal gewesen ist, gibt etwas unverständliches von sich und verschwindet wieder. Dann ist da plötzlich eine Tür, an der man zwar rütteln kann, die aber nicht aufgeht. Überall stehen rätselhafte Apparaturen, mit denen man zwar interagieren kann, ohne das aber etwas passiert. Das macht das Spiel echt gut.
Vom Schwierigkeitsgrad her scheint das Spiel ein echter Brocken zu sein. Keine Ahnung, wie viele Locations es insgesamt gibt... in meinen 4 bis 5 Stunden Spielzeit bin ich jedenfalls über die dritte nicht hinaus gekommen. Immer wieder beim Urschleim anfangen zu müssen, bewirkt bei mir eigentlich relativ schnell, dass das ein Spiel von der Platte fliegt. Die Möglichkeit, sich durch die o.g. Freischalt-Mechanik, permanente Vorteile für den nächsten Run zu verschaffen, hat mich dann bisher aber doch immer wieder neu anfangen lassen. Das Spiel bewirkt bei mir eine Mischung aus Frustration und Motivation.
Auch zu "Dead Cells" sei gesagt, dass es sich um einen Early Access Titel handelt. Allerdings einer, der kurz vor der finalen Version steht. Release (dann auch für die Konsolen) soll meines Wissens nach Anfang August sein. Das ist auch der Grund, warum ich es nun doch nicht weiterspiele. Ich will das Ding unbedingt auf der Switch haben. Sicher zahle ich dann mal wieder doppelt, aber das Spiel sticht aus dem breiten Angebot der Roguelikes echt positiv heraus. Ich will das definitiv weiterspielen... und zwar im Handheldmodus.