Ich war kurz davor ein richtiges Review zu schreiben, aber ich belasse es doch bei einem etwas kürzeren Bericht inkl. etlichen Uncharted-Vergleichen und etwas zu viel Hate.
Ich liebe die Atmosphäre des Reboots. Obwohl ich den Vorgänger drei Mal durchgespielt habe, erinnere ich mich gar nicht an die Story, kaum an die Locations, an keine Dialoge oder auch nur an die Auflösung der Geschichte. Ich erinnere mich an eine harte Lara, die von Wölfen zerfleischt wird, die sich Pfeile aus dem Körper reißt, die gefesselt neben hunderten Leichen baumelt, die durch blutdurchtränkte Flüsse taucht. Dieses brutale Survival-Feeling macht für mich das Reboot aus.
Und Rise of the Tomb Raider fängt ähnlich erbarmungslos an. Die ganzen Flucht- und Sturzpassagen, die Schussgefechte, wenn Taschenlampenlicht und Ziellaser über den Boden wandern, die bedrohliche Soundkulisse mit Wolfsgeheuel, Hubschrauberrattern und einem Soundtrack, der stilsicher zwischen Mystery, Abenteuer und Epicness wandert, das kickt alles so richtig. Das ist viel dichter als ein Uncharted, das sich sehr lockerflockig, sehr harmlos spielt, weil alles halt letztendlich ganz witzig ist.
Und während mich der Anfang richtig gepackt hat und mich die Technik zusammen mit dem grandiosen, absolut Uncharted-würdigem Art Design mit unglaublichen Bildern geflasht hat, kamen immer wieder einige Zweifel an der Qualität des Titels hoch. Die Cutscenes sind cheesy und dümmlich. Pseudocooler B-Movie-Trash. Die ganzen Beziehungen zwischen den Figuren sind so unglaubwürdig, die Wendungen so dämlich. Es hat mich genervt. Dazu noch dieses schlechte Widerstandsflair mit den Einheimischen. Hat mich schon alles etwas aufgeregt. Nicht weil es schlecht war, sondern weil es überhaupt drin war. Lasst Lara einfach einsam und alleine Sibiriens Mysterien erkunden. Das hat für mich im Vorgänger besser geklappt.
Die Story des Vorgängers hatte ich ja komplett vergessen. Erinnern konnte ich mich wieder als ich angefangen habe die Notizen im Nachfolger zu lesen. Die wirken nämlich komplett austauschbar. Viele Völker reisten in das Gebiet und schlachteten sich ab und irgendwas mit einem Kult und einer Gottheit. Habe dann irgendwann aufgehört zu lesen, obwohl die Dinger angenehm geschrieben sind und nicht zu oft vorkommen. Sie wirken nur gähnen redundant.
Und wo wir bei Wiederholungen sind. Es fühlt sich alles zu sehr nach dem Reboot an. Ich habe kein Problem damit, wenn sich eine Serie wenig weiterentwickelt. Das Gameplay des Reboots ist sehr gelungen und ich kann auch mit einer klischeebeladenen Abenteuergeschichte leben, aber warum gibt es so wenig kreative Szenen? Man hat diese wunderschönen Bilder und hämmert pausenlos auf der Share-Taste, aber diese Bilder werden nicht mit Leben gefüllt. Mir fehlen die besonderen Momente. Sowohl im Kleinen als auch im Großen. Wie eben die Szene mit dem Pfeil im Vorgänger oder der Blutfluss. Uncharted hat es mit seiner Weltenbummler-Story etwas einfacher. Da hat man eben diese sympathischen und frischen Szenen wie die Auktion oder die Jeep-Fahrt mit dem Einsatz des Seils im vierten Teil. Tomb Raider hat leider nur verlassene russische Basen und einstürzende verlorene Städte. Geil, aber mich macht das nicht so an. So wie ich auch auf einstürzende verlorene Städte, Hotels und Höhlen, explodierende Schiffe, Convoys und Züge bei Uncharted mehr oder weniger verzichten kann. Gebt mir diese vorhersehbaren, generischen Epic Moments, aber bitte garniert sie doch zwischendurch mit etwas Eigenständigkeit. Rise of the Tomb Raider tut das zu keiner Zeit, während Uncharted gerade im viertel Teil eine schöne Komposition gefunden hat.
Kommen wir zu einem Punkt, der für mich beim Tomb Raider Reboot immer deutlich besser war als bei der Uncharted-Serie. Dem Gameplay. Uncharted (zumindest 1-3) ist im Kampf ein ziemlich traditioneller Shooter. Tomb Raider bietet mehr Möglichkeiten, hat Fähigkeiten und viel Umgebungsinteraktion, sich stark unterscheidende Waffen und Gegner, mehr Vertikalität, Gadgets und Mechaniken. Und ich genieße das Gameplay des Reboots sehr. Es hat nur ein Problem. Es bietet dem Spieler zu wenig Raum zur Gefechtsgestaltung. Der Großteil der Gegnerauseinandersetzungen findet recht linear, auf eingeenten Gebieten statt. Da schleicht man sich mit übermächtigen Skills durch oder ballert sich strikt nach vorne durch. Uncharted bietet kein ausgefeiltes, komplexes Gameplay, aber die Mechaniken, die einem das Spiel bietet, erhalten genug Platz zur Entfaltung. Gerade der vierte Teil bietet auch wirklich schöne, dynamische Schussgefechte auf breitem Raum, wo Stealth, Waffenwahl, Melee und Greifhaken alle ihre Daseinsberechtigung haben. Bei Rise of the Tomb Raider wird das weitaus größere Potenzial viel zu selten und auf dem standardmäßigen Schwierigkeitsgrad nie genutzt. Da war auch der Vorgänger besser, obwohl limitierter.
Die Klettereinlagen sind bei beiden Serien leider anspruchslos. Tomb Raider bietet immerhin mehr Abwechslung, wobei Uncharted mit dem Turm einen schönen Höhepunkt im Platforming hat. Dafür fand ich die Umgebungsrätsel bei Tomb Raider ziemlich cool. Bei Uncharted sind das ja eher Smartphonerätsel oder Professor Layton Puzzles #76, #145, #435, während Tomb Raider da ziemlich kreativ rangeht. An größere Problemstellungen traut man sich zwar nicht, die Rätsel sind kompakt, aber gelungen. Sollten die Entwickler unbedingt ausbauen und mehr in die Hauptstory einbauen.
Zurückrudern muss ich aber bei den Sammelsachen und dem HUD und der Eagle Vision. War anfangs zu viel und zu undiskret, aber später hat sich bei mir ein angenehmer Flow eingestellt. Obwohl ich dafür sehr anfällig bin, wurde ich nicht zum Farmen und Grinden animiert und habe die Survivalsicht nur punktuell eingesetzt.
tl;dr/Fazit: B-Movie-Flair, geile Szenenbilder, fette Action, aber zu wenig Ideen. Potenzial des durchdachten Kampfsystems wird kaum genutzt, glatt polierte Mischung aus Shootouts, Traversing und Puzzles. Ich will mehr brutales Survival und weniger Story. 8/10. U1/TR>U4>RotTR>U3/2.
Disclaimer: Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich kritisiere nur, um euch zu nerven. Den Spielspaß lasse ich mir doch nicht von mir selbst nehmen. #lol