So, bin nun auch durch.
Nach anfänglicher Skepsis bin ich am Ende dann doch ganz zufrieden. Der riesen Kracher ist es dann aber leider doch nicht geworden - für mich zumindest nicht. Remedy typisch wieder ein starker Fokus auf Story bzw. Singleplayer, was auch mal wieder ganz schön ist. Die Serie, von der ich überhaupt nichts erwartet habe, hat mich später richtig überzeugt. Viele Hintergrundinformationen und erstklassige Qualität, wie man es in Videospielen eigentlich nicht gewohnt ist. Auch der Übergang zum eigentlichen Spiel verläuft dank der extrem starken Zwischensequenzen super. Das Streamen hat ebenfalls keine Probleme gemacht.
Die Stärke des Spiels liegt eindeutig in der Story, Erzählweise und der Zeitthematik. Die Charaktere sind grafisch richtig gut umgesetzt. Die Gesichtsanimationen etc. gehen schon ein wenig in Richtung UC4 (soweit ich das beurteilen kann). Leider sieht es bei den Animationen hier etwas anders aus. Sehen einige Bewegungen richtig klasse aus (Schlag-Animationen), so sind andere weniger stark gelungen (bspw. Springen), wodurch dem Spiel ein wenig der Glanz genommen wird. Solche Kleinigkeiten runden ein Spiel einfach immer enorm ab (s. UC4). Die grafische Darstellung ist ebenfalls nicht 100% stimmig. Die Zeitlupeneffekte sehen durchgehend einfach nur bombastisch aus (absolute Referenz), während das Bild an sich immer etwas milchig und verwaschen rüberkommt (s. Kritik von
@Muuhh). Man sieht dem Spiel auf jeden Fall an, dass etwas Schärfe fehlt, zumindest auf 60". Als ich auf meinem 13" Notebook gespielt habe (Xbox Stream) war davon nichts mehr zu sehen, die Schärfe war top. Trotzdem leidet das Spiel wieder an dieser Helligkeitsproblematik, wie es mir auch schon bei anderen One Spielen aufgefallen ist. Es fehlt neben der Schärfe einfach an Kontrast - das Bild wirkt etwas milchig und verwaschen. Den Körnungsfilter (Stichwort
@Zimtzicke) fand ich hingegen nicht störend, habe diesen auch nicht stark wahrgenommen. Dennoch haben die milchigen Farben auch etwas Gutes: Das Bild wirkt insgesamt realistischer und weniger videospielhaft. Wahrscheinlich war das auch Remedys Absicht. Nochmal zu den Effekten: Schon beeindruckend, was Remedy hier umgesetzt hat. Die Effekte sehen einfach nur klasse aus (s. Bild). Auch schön, dass der Ton sich bei der Aktivierung der Zeiteffekte ebenfalls verändert. Hingegen gefielen mir die Waffensounds überhaupt nicht - viel zu dünn ohne großes Krachen. Auch dies hat etwas von der Wirkung genommen. Dafür sind die Synchronsprecher durch die Bank ordentlich.
Zum Gameplay allgemein. Die Zeiteffekte machen schon ordentlich Spaß, dennoch ist die Abfolge der Kämpfe in meinen Augen etwas zu dünn geraten. Meist besiegt man eine Welle und dann kommt schon die nächste Cutscene. Ich hätte mir hier schon etwas mehr Kämpfe gewünscht. Das Trefferfeedback bzw. die Animationen gefallen mir auch nicht so richtig. Die Gegner fliegen entweder absolut imposant in Zeitlupe durch den Raum oder hölzernd auf den Boden. Auch hier fehlt der Feinschliff.
Weiter Anmerkungen:
- Schönes Menü
- Ladezeiten und Savepoints aus der Hölle - sowas muss 2016 nicht mehr sein
- SP hätte etwas länger sein können
- Endboss hätte man auch anders gestaltet können (vor allem auf "hard" eine Qual)
- Sammelobjekte hätte man auch anders gestaltet können, passt zwar irgendwie zum Setting, aber die Umsetzung in Alan Wake fande ich besser
- Tolle Kamerafahrten
Insgesamt bleibt somit ein gutes, aber halt nicht perfektes Spiel. An Max Payne 2 kommt es imo nicht ran, an Alan Wake dafür schon relativ nah, wenn auch nicht ganz. Ich werde es auf jeden Fall nochmal ein zweites Mal durchspielen. Auf jeden Fall ist es Spiel mit einem schönes Singleplayer / Story, was man heutzutage ja nicht mehr so oft geboten bekommt.