Die drei Punkte möchte ich ansprechen.
Eine wirklich europäische Lösung gibt es leider nicht. Das liegt halt an verschiedenen Interessen und halt auch Ländern wie Ungarn oder Polen. Dass die EU da nicht in die Pötte kommt ist tragisch, ändert an den Umständen aber halt auch nichts. Man stelle sich vor, wir hätten unsere Grenzen ebenso einfach dicht gemacht.
Ebenso muss man sagen, dass wir nicht alleine da stehen. Gemessen an der Bevölkerung und dem BIP leisten auch Österreich und Schweden Grosses. Andere Länder, gemessen daran, sicher auch. Ich meine, Griechenland und Italien sollte man da auch nicht aussen vor lassen, die kämpfen ja schon seit Jahren damit.
Deutschland muss auch kein kleines Licht bei der Bekämpfung der Fluchtursachen sein. Wir sind es, weil wir halt auch einfach nichts machen. Dabei darf man aber natürlich auch nicht vergessen, dass ein energisches Vorgehen z.B. in Syrien zwar grundsätzlich möglich ist, aber spätestens beim Namen Putin geht vielen Politikern wohl dann doch zu sehr die Muffe...
Türkei; tja. Man kann Erdogan nicht trauen, was seine Beweggründe angeht. Das sehe ich auch so. Fakt ist aber, dass in der Türkei schon mehr Flüchtlinge leben als in Deutschland, bedeutend mehr. Fakt ist auch, dass "wir" dem lieben Herrn Erdogan die Milliarden anbeiten, damit er uns "vor noch mehr Flüchtlingen" bewahrt. Ein sehr zynisches Vorgehen der EU, wie ich finde. Vor allem, da unsere Politiker genau wissen, wie erbärmlich und teils menschenunwürdig Flüchtlinge teilweise in der Türkei behandelt werden.
Es ist nicht alles schwarz oder weiss. Unser Land tut halt hier und jetzt das "Beste", um den Menschen wenigstens zu helfen.
Vorneweg: Merkels Politik kann meiner Meinung nur dann Sinn machen, wenn sie gleichzeitig mit einer Debatte um unser Selbstverständnis als Gesellschaft als solcher einhergehen würde: z. B: Sollen wir uns in eine Dienstleistungsgesellschaft transformieren? Inwiefern basiert unser Wohlstand und verschwenderische Lebensstil auf Ausbeutung anderer? Welche Verantwortung erwächst daraus und welche Folgen hat dies, Fragen der Globalisierung uvm. und dies verbunden mit einer Art Volksentscheid ob wir bereit sind, Hilfe als Maxime höher zu stellen als anderes.
Der verhängnisvolle POLITISCHE Fehler von Merkel ist folgender:
Sie hätte nachdem sie die Grenze zu Recht geöffnet hat, um in Ungarn eine Katastrophe zu verhindern, klar nach aussen signalisieren müssen, dass es sich nur um eine vorübergehende Ausnahmeregelung handelt, und gleichzeitig nach einer internationalen Lösung suchen.
Stattdessen hat sie die Einladung (und als solche wurde es verstanden) und das Versprechen ausgesendet, alle könnten in Deutschland Schutz mit Bleibeperspektive finden, sofern sie es nur irgendwie zu uns an die Grenze schaffen würden, was erst die Massenbewegungen von Flüchtlingen und Glücksrittern Richtung Deutschland (und Schweden) losgetreten hat. Und dies in einer historisch einmaligen Form unkontrolliert, unregistriert und unbegrenzt in einer eigenmächtigen, undemokratischen und rechtlich zumindest umstrittenen Weise ohne Vorbereitung oder Plan.
Was waren die Folgen?
Länder konnten sich sofort aus der Verantwortung stehlen und das Problem als ein Deutsches erklären. Man kann es bedauern oder nicht: Merkels Vorgehen wird im Ausland eigentlich überall als abschreckendes Beispiel betrachtet (Sind das alles Nazis und Menschenfeinde?). Sie sind froh, dass Merkel ihnen so manche Probleme vom Hals schafft, werden aber trotzdem oder gerade deshalb keine signifikante Anzahl an Flüchtlingen aufnehmen (und Ereignisse wie Sylvester oder Anschläge helfen dabei auch nicht); Schweden schottet sich mittlerweile auch ab.
Fazit: Merkel hat eine europäische/internationale Lösung erschwert, die Abschottung Europas wahrscheinlicher gemacht, den rechten Bewegungen im In-und Ausland Munition geliefert und gleichzeitig die Dynamik des Wiedererstarkens des Nationalismus verschärft, Europa und Deutschland gespalten
Überhaupt ist die Verteilung in Europa sowieso eine Scheindebatte. Man kann keine Flüchtlinge in Länder schicken, wo sie nicht erwünscht sind bzw. gar nicht leben wollen.
Ausserdem kann diese Politik sowieso nicht aufrechterhalten werden. Was ist mit den bis zu 10 Millionen die kurzfristig Richtung Europa streben; was mit den bis zu 900 Millionen in den nächsten 30 Jahren (Gunnar Heinsohn)
Auch der Satz, dass Deutschland dies schon schaffen wird, ist zumindest leichtfertig.Nur ein Beispiel: Ja, wir sind ein reiches Land. Genauso wahr ist aber auch, dass die Alters- und Kinderarmut zunimmt, der Niedriglohnsektor sich immer weiter aufbläht, die Arbeitslosenquote nicht die wahre Lage abspiegelt, die Verschuldung der Privathaushalte enorm ist usw. Eine Gesellschaft erodiert, wenn man Millionen Einheimischer aus der Unterschicht mit Millionen verzweifelter Importierten konkurrieren lässt und dies umso stärker, wenn die Einwanderer einer anderen Kultur angehören. (Und die Hauptlast der Integration im Alltag wird die Unterschicht leisten müssen; hab nirgends was gefunden, was dem widerspricht.). Dies geht solange gut wie die Wirtschaft floriert. Beginnt aber der Mittelstand echte oder auch eingebildete Deklassierungsängste zu entwickeln, wird es brandgefährlich. Und die Sündenböcke sind schon im Land.
Probleme wie innere Sicherheit, kulturelle Probleme,Vertrauensverlust in die Demokratie oder den Staat (man schaue nur die ganzen Subszenen auf Youtube an) kommen hinzu.
Aber vielleicht zeigt Deutschland ja der Welt tatsächlich wies geht, wer weiss....