Der Marsianer
Eine der besten Romanverfilmungen, ein unterhaltsamer Sci-Fi Blockbuster und nach
Mad Max und
Kingsman eindeutig in meiner Top 3 der besten Kinofilme 2015.
Zunächst der Buchvergleich: Selten hat eine Verfilmung die Essenz der Vorlage so gekonnt eingefangen.
Der Marsianer sieht genau so aus wie ich es mir beim Lesen vorgestellt habe. Jedoch wurden auch viele der überschwänglichen Wissenschafts- und Technikbeschreibungen gekürzt bzw. komplett weggelassen. Als Beispiel: Die Wassergewinnung, deren chemischer Vorgang und Umsetzung im Buch viele Seiten einnimmt. Im Film wird diese Entwicklung auf einen kurzen Monolog, der den technischen Ablauf erklärt, verkürzt und der "Zwischenfall" sogar noch als Gag serviert. Andere Situationen, wie [kein Filmspoiler, weil es im Film nicht vorkommt] das Problem mit dem Rover am Kraterabhang wurden sogar komplett gestrichen. Das macht aber gar nichts, weil ein Film einfach anders funktioniert und ellenlange, ingenieurs-pornografische Detailbeschreibungen in einem visuellen Medium schlichtweg nicht funktioniert hätten. Und genau das schafft Ridley Scott sehr gut: Er fängt die Seele des Buches ein, der Film ist genau so technisch verspielt und "realistisch", verpackt sie aber in einem sehr unterhaltsamen, überraschend humorvollen und dadurch keine Sekunde langweiligen Blockbuster. Schön (für Kenner der Vorlage) auch, dass er Szenen teilweise 1:1 übernommen hat. So zum Beispiel wortwörtlich viele der Tagebucheinträge, die hier als Videobotschaften präsentiert werden und sich daher fantastisch einfügen ohne irgendwie unpassend zu wirken. Übrigens haben, anders als es einige Kritiken behaupten, NASA und Erde genau so viel bzw. wenig Screentime wie im Buch. Da wurde nichts ausführlicher gezeigt. Es ist einfach der Mars, der verhältnismäßig wenig zu sehen ist. Passt aber wie gesagt alles ganz hervorragend in das ausgewogene Gesamtbild. Ergänzt wurde die Vorlage schlussendlich noch durch einen kurzen Epilog im Film und einige, kleine Änderungen im Finale. Alles in allem kann ich nur sagen: Einwandfreie Verfilmung eines nicht unbedingt leicht zu verfilmenden, weil thematisch doch recht speziellen und naturwissenschaftlich ausufernden, Buches.
Dann noch einige Worte zum Film an sich: Handwerklich grandios. Tolle, authentische Aufnahmen, eine satter Sound, ein lässiger Soundtrack (der, jetzt wo man ihn tatsächlich hören kann

, sogar noch besser wirkt als im Buch) und ausnahmsweise noch mal sehr gutes 3D. Die Schauspieler sind auch durch die Bank weg spitze. Wobei Matt Damon natürlich besonders aufspielen darf und mit ordentlich Präsenz und gewitztem Charme überzeugt.
Sauberer, erstaunlich kurzweiliger Sci-Fi Blockbuster. Mehr muss ich eigentlich nicht sagen. Wenn Mark Watney zu ABBAs Waterloo den marsianischen MacGyver raushängen lässt, dabei treffsichere Sprüche klopft und einem die glaubhaften Bilder Lust auf Raumfahrt machen, dann hat der Film alles richtig gemacht. Im Vergleich zur Vorlage dann doch stark gerafft, jedoch mit Verstand und gekonnten Handgriffen - mal ehrlich, eine detailgetreue Nacherzählung wäre wahrscheinlich unendlich langweilig geworden. Besser hätte man das Buch in einem zeitlich begrenzten Film kaum umsetzen können; als ähnlich aufwändig produzierte Serie vielleicht, aber nicht als Film. Fans des Buches: Anschauen! Fans von Sci-Fi: Anschauen! Fans von guten Filmen: Anschauen!
9/10 Kartoffeln