Captain Phillips
Puh, das war der mit Abstand intensivste Thriller, den ich in den letzten Monaten gesehen habe. Ein auf wahren Begebenheiten basierendes Spannungsbrett, grandios bebildert und brillant gespielt. Zur Handlung genügt es zu sagen, dass hier der, im Jahr 2009 tatsächlich passierte, Übergriff somalischer Piraten auf ein amerikanisches Containerschiff verfilmt wurde. Was im ersten Moment in einer Dokumentation besser aufgehoben scheint, entpuppt sich als mit- und nervenzerreißender Überlebenskampf eines Captains und seiner Besatzung.
Hollywood-Spannungsmacher Paul Greengrass inszeniert die wahre Geschichte in seinen gewohnt wackelig-glaubwürdigen Bildern, verzichtet bewusst auf unnötigen Storyballast, wie belanglose Rahmenhandlungen oder überzeichnetes Kino-Drama, und schmeißt des Zuschauer umgehend ins Geschehen. Bereits nach einer viertel Stunde befinden wir uns auf hoher See und keine fünf Minuten später steht der erste Piratenangriff bevor. Das Ergebnis ist vom rasanten Anfang bis zum ergreifenden Ende hochintensives und temporeiches Spannungskino, das, trotz seiner realen Ursprünge und glaubwürdigen Umsetzung, keine Zeit zum Durchatmen lässt.
"Schuld" an diesem Geniestreich sind natürlich auch die unglaublichen Schauspieler, welche ihren realen Vorbildern nicht nur erstaunlich ähnlich sehen, sondern sie auch überzeugend verkörpern. Vor allem Tom Hanks und Barkhad Abdi, der den anführenden Piraten mimt, spielen hier nicht nur eine simple Rolle. Sie verkörpern ihre Figuren mit jedem ausgesprochenen Satz, mit jedem Gesichtsausdruck und jeder Bewegung, so als hätten sie in ihrem Leben nie etwas anders gemacht als Containerschiffe gesteuert bzw. selbige überfallen. Das ist Schauspielkunst auf höchstem Niveau, das mich in Hanks finaler Szene sogar zu Tränen gerührt hat.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass ich von diesem Film, obwohl ich Regisseur und Darsteller sehr zu schätzen weiß, verhältnismäßig wenig erwartet habe. Mehr als einen grundsoliden, amerikanisierten Hochseethriller haben die Trailer meiner Meinung nach nämlich nie versprochen. Das Endergebnis ist jedoch ein nachhaltiger, packender und hervorragend inszenierter Nervenzerreißer, getragen von brillanten Schauspielern und, trotz der Tatsache, dass diese Geschichte genau so passiert ist, temporeicher als so mancher fiktiver Actionthriller. Wobei es vielleicht sogar genau daran liegt, also an den realen Ereignissen, dass dieser Film so intensiv erscheint und sich die Charaktere ausnahmsweise mal nicht wie hirnlose Zombies verhalten, sondern intelligent und nachvollziehbar handeln. Großartig! 8/10 für den Film, plus einen verdienten Bonuspunkt für einen unglaublichen Tom Hanks.
9/10 Rettungsboote