Die Unfassbaren
Was für ein feuchter Hirnfurz. Nach den MTV-Hipster-Trailern habe ich ja beileibe kein
The Prestige erwartet, aber das war einfach nur pseudo-intelligenter Magier-Gangster-Klamauk, der versucht mit seiner locker-lässigen Musikvideo-Optik und Coolness über den hirnrissigen Inhalt hinweg zu täuschen. Da ist das Motto (
'Magie [hier: Kinomagie] ist nichts anderes als Täuschung') tatsächlich Programm.
Dabei ist die Ausgangssituation doch gar nicht so übel: Ein ganzer Haufen begnadeter Schauspieler, eine, wie gesagt, moderne Hochglanzinszenierung und eine vielversprechende Geschichte über vier Magier, die nicht nur ihr Publikum ver-, sondern auch enorme Geldbeträge aus Banken heraus zaubern. Was folgt ist jedoch eine an den Haaren herbeigezogene, unglaubwürdige und eindeutig über seine Substanz gestylte Schnitzeljagd. Während beispielsweise ein
The Prestige die tatsächliche Illusion in den Mittelpunkt der Erzählung stellt und darum ein cleveres, wendungsreiches und trotzdem immerzu nachvollziehbares Storygerüst aufbaut, macht
Die Unfassbaren diesbezüglich nahezu alles falsch: Das fängt schon bei den absurden Zaubershows an. Anstatt auf realitätsnahe, aber überraschende Tricks zu setzen, werden hier überdimensionierte Effektshows aufgezogen, die völlig und sichtbar an der realen Magierwelt vorbei schießen und dem Film damit bereits zu Beginn seiner Glaubwürdigkeit berauben. Kein Wunder, dass es genau so dämlich weiter geht und eine auf
"Tada!" zwangs-gebürstete Entwicklung der nächsten folgt. So stehen etwa das Ziel der Magier und der Aufwand, den sie betreiben, um selbiges zu erreichen, in keinerlei Relation. Zudem scheinen alle Charaktere in diesem Film andauern über alles Bescheid zu wissen und sind sich gegenseitig immer einen Schritt voraus. Da weiß der eine eben schon, was der andere macht, der aber natürlich bereits eingeplant hat wie sein Gegenüber reagiert, was wiederum der erste natürlich wusste. Ziemlich ausgeprägte Erwartungserwartungen, die sie da haben müssen. Dazu kommt noch, dass jeder halbwegs logisch denkende Mensch jede (un)überraschende Wendung kommen sehen dürfte. Die eine früher als die andere, spätestens aber kurz vor dem Eintreten, was der Geschichte nahezu jegliche erzählerische Spannung nimmt.
Zu gute halten muss man
Die Unfassbaren aber seine kurzweilige Aufmachung, die ordentlich nach Vorne treibt und das grandiose Schauspielerensemble, was jedoch schon so umfangreich ist, dass sich kaum ein Charakter wirklich entfalten kann. Nach den sehr guten Kritiken und seinen überwiegend gelungenen Genre-Brüdern, war meine Erwartungshaltung durchaus hoch. Ein
Prestige-Light im modernen Gewand wäre wünschenswert gewesen. Geworden ist es leider eher ein
Magier of Duty: Inszenatorisch hui, inhaltlich aber ein dämlich konstruierter, künstlich aufgeblasener und pseudo-cleverer Raubzug, der auf biegen und brechen originell sein will, im Endeffekt aber nur ein harmloser, zwanghaft überraschender Thriller ist. Und damit sind
die Unfassbaren eine unfassbar große Enttäuschung. Die Blu-ray habe ich sofort wieder zurück nach Amazon gezaubert.
5/10 Seifenblasen