Zimtzicke schrieb:
Nimm es mir nicht übel, aber mit solchen Statements kommst du zumindest mir gegenüber wie ein gefühlloses Arschloch rüber.
Siehste, das mein ich.
Jemand, der selbst schon sehr krank war, jemand der selbst ein Kind hat, jemand, der selbst eine Familie hat.
Alles richtig. Aber was soll's? Ich habe diese Krankheit überwunden - früher oder später wird mich eine andere kassieren. Oder es erwischt mich bei einem Unfall. Und selbst wenn alles glatt geht, wird früher oder später irgendein lebenswichtiges Bauteil einfach den Dienst quittieren und dann bin ich auch Geschichte. Bemitleidet mich deswegen einer? Wohl kaum. Wir sitzen ja alle im gleichen Boot. Seit ich gezeugt wurde, befinde ich mich geradewegs auf dem Weg nach Six Feet Under. Und nicht nur ich - jeder von uns.
Aber das wird verdrängt. Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Er ist geradezu verpönt und es wird alles getan, um ihn aus unseren Gedanken fernzuhalten. Umso härter trifft es uns dann, wenn wir mit ihm konfrontiert werden. Dann ist plötzlich das große Drama angesagt. Menschen brechen zusammen und kommen jahrelang nicht wieder auf die Beine, manche ziehen dann sogar selber die Reißleine, weil sie nicht in der Lage sind, den Kreislauf des Lebens anzuerkennen. Sicher ist der Verlust mitunter sehr schmerzvoll. Menschen, die man liebte, sind plötzlich nicht mehr da. Aber das ist der Lauf der Dinge. Die Welt hat sich noch immer weitergedreht. Und selbst wenn morgen in der Zeitung steht, dass alle Chinesen über Nacht tot umgefallen sind und die ganze Welt in Schockstarre verharrt, wird bei uns der Bio-Müll abgeholt werden. Das Leben geht immer weiter, bis man selber an der Reihe ist (und auch dann geht es weiter nur eben halt ohne einen selbst) und man kann das entweder akzeptieren, oder eben am Versuch, das Unabwendbare nicht wahrhaben zu wollen, kaputtgehen.
Und wenn wir mal wirklich ehrlich sind, dann ist das ganze (Mit)Leid doch immer sehr egoistisch. Erwischt es andere, ist man erleichtert, dass man es nicht selber war. Erwischt es jemanden aus dem eigenen Umfeld, ist man traurig, dass man selbst etwas verloren hat. Aber wer stellt sich ernsthaft hin und sagt "Die armen, armen Menschen sind tot. Sie tun mir so leid."? Wer das macht, der hat imo irgendwas Grundlegendes am Tod nicht verstanden.
Ich muss doch nicht jeden Menschen auf diesem Planeten persönlich kennen, um Mitgefühl, Mitleid oder auch Verantwortung zu spüren.
Ja, aber ich hebe mir sowas in der Regel für die Lebenden auf und nicht für die Toten. Ich habe nicht gesagt, dass mir das Schicksal anderer Menschen egal ist (ist es zu großen Teilen, denn ich kann 'eh nix ändern; aber das ist nur meine eigene Ansicht). Ich beziehe meine Aussagen auf den Tod. Wer ist schlimmer dran? Die Menschen, die in Darfur & Co. abgemetzelt werden, oder die, die in Flüchtlingslagern vor sich hinvegetieren müssen?
Und mit Kriegen ist es genauso. Ich bin ebenfalls gegen Kriege. Aber nicht wegen denen, die darin umkommen, sondern wegen denen, die sie er- und überleben und dann in den Umständen gefangen sind.
Wir spenden Geld in krisenzerrüttete Regionen. Nicht um Staaten zu helfen, sondern um Menschen in Not zu helfen. Damit sie NICHT STERBEN.
Ich weiß, dass ich jetzt wieder als kaltherziges Arschloch dastehen werde, aber imo wäre es in etlichen Regionen für die Menschen besser, wenn sie sterben würden. Ich habe teilweise den Eindruck, dass unsere Hilfsgüter die Exportversion von Beatmungsmaschinen und Magensonden sind. Es reicht nicht, um den Menschen wirklich zu helfen. Die leben nach wie vor im Dreck, schieben Kohldampf und trinken Dreckwasser. Aber dank unserer Reislieferungen (vereinfachte Darstellung) ist es eben auch genug, damit sie nicht sterben.
Ich sage damit nicht, dass man deshalb die Lieferungen einstellen und alle verrecken lassen sollte. Aber Boy, wir tun auch einiges dafür, um das Leiden dieser Menschen ziemlich gut zu verlängern. Und dabei fühlen wir uns dann human und moralisch einwandfrei. Denn sie sterben ja nicht...zumindest nicht gleich. Vielleicht werden sie ja von einer wild gewordenen Miliz abgeschlachtet. Da können wir ja dann nix für.
Wirkliche Hilfe lassen wir allerdings nicht zu, denn die Marktwirtschaft muss ja am Laufen gehalten werden und die Rendite muss stimmen. Sorry Jungs, wir geben euch gern was gegen den gröbsten Hunger, aber ansonsten müsst ihr schon sehen, wie ihr klar kommt.
Oder um es ganz kurz zu machen: Leben nur um des Lebens willen ist Blödsinn.