Kölner Aufruf brandmarkt Spielebranche als "Killer-Industrie"
In ungewohnter Schärfe wird die Spieleindustrie im "Kölner Aufruf" attackiert. Die Unterzeichner, zu denen u.a. der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Prof. Dr. Christian Pfeiffer, gehört, brandmarken die Spielebranche als "Killer-Industrie" und als Teil des "militärisch-industriellen-medialen Komplexes". Systematisch würden Kinder und Jugendliche mit Spiele wie etwa "Call Of Duty", "Doom" oder "Halo" "exzessives Töten mit Waffen vom Maschinengewehr bis zur Kettensäge" üben. So züchteten Computer- und Videospiele die Soldaten der Zukunft heran, "um Akzeptanz für die derzeitigen und künftigen Kriege zu schaffen. Diese Spiele sind somit massive Angriffe auf Menschenrechte, Völkerrecht und Grundgesetz", heißt es im "Kölner Aufruf".
Grundlage dieser Ansichten bildet u.a. das inzwischen sechs Jahre alte, von der US-Armee produzierte "America's Army". Das 2002 veröffentlichte Actionspiel ist das bislang einzige kommerziell ausgewertete Spiel, das ausdrücklich zu Rekrutierungszwecken entwickelt wurde. Zudem spricht der Aufruf von 3500 empirischen Untersuchungen, die angeblich einen Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Gewaltbereitschaft herstellten.
Doch nicht nur die Angriffe auf die Spielebranche fallen schärfer aus als bislang, auch die geforderten Konsequenzen gehen weiter als bisher. Der Forderungskatalog enthält neben einem totalen Herstellungs- und Vertriebsverbot von "kriegsverherrlichenden und gewaltfördernden Computerspielen für Kinder und Erwachsene" auch ein Verbot staatlicher Förderung für die Spieleindustrie sowie radikale Umstellungen in der medienpolitischen Arbeit. In ihren Forderungen lassen die Unterzeichner keinerlei Differenzierung zu: So werden die Parteien zum Rückzug der Beschlussanträge zur Anerkennung von Computer- und Videospielen als Kulturgut aufgefordert und der Rücktritt von Politikern, Wissenschaftlern und Medienvertretern verlangt, die nicht "ihrem Auftrag gerecht werden, dem Frieden zu dienen, wie es Grundgesetz, Menschenrechte und Völkerrecht verlangen".
Er versteht es Gott sei Dank besser !
"Kölner Aufruf" ist "Propaganda der Spielegegner"
Gerald Jörns, Medienpädagoge an der FH Hannover und seit 1995 USK-Gutachter
Keinerlei Verständnis bringt der Medienpädagoge Gerald Jörns von der Fachhochschule Hannover für die Ausführungen und Forderungen des "Kölner Aufrufs" entgegen. "Mit dem Pamphlet 'Kölner Aufruf gegen Computergewalt' zeigen Pfeiffer, Spitzer & Co ihre wirkliche Absicht eines moralisierenden Weltbildes. In einem gewaltigen Rundumschlag lösen sie sich nun endgültig aus dem wissenschaftlichen Diskurs und verunglimpfen alle Medienpädagogen und Spieler der sogenannten Killerspiele", so Jörns.
Jörns, der seit 1995 auch als USK-Gutachter tätig ist, zieht schon die Grundlagen infrage. Viele der angeblichen Studien - der "Kölner Aufruf" spricht von 3500 empirischen Untersuchungen - böten demzufolge keinerlei Vergleichsmöglichkeiten. "Deutsche Kinder und Jugendliche sind von ihren Eltern in einer friedensbejahenden Umgebung erzogen worden und haben gänzlich andere Distanzmöglichkeiten im Rahmen ihrer Medienerfahrung entwickelt. Die angeblichen Spielexperten wie Pfeiffer & Co. werden immer unglaubwürdiger, je weiter sie sich in Rundumschlägen durch Stigmatisierungen, Verallgemeinerungen oder Mitteln der Propaganda von einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung entfernen", meint Jörns. Wissenschaft sei nicht einseitig und könne im Rahmen der Wirkungsforschung auch kaum eindeutige Erklärungen liefern. Jörns: "Auch durch ständige Wiederholung von falschen Ergebnissen wird eine wissenschaftliche Behauptung nicht wahrer. Ohne eine sachliche Aufklärung tragen solche Aufrufe erheblich zur Verunsicherung von Eltern und Pädagogen bei und verhindern letztlich medienpädagogische Bildungskonzepte."