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Warum gibt es das Böse? Wissenschaftl. und religiöser Standpunkt

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Man könnte jetzt mit der

"Meinst du nicht, es ist etwas überheblich, deiner Existenz mehr Bedeutung beizumessen als der einer Ameise, hmmmm?"

Nummer ankommen, aber ich kann´s ja nachvollziehen. Mal davon ab: Ob der Mensch eine sinnvolle Existenz hat oder nicht...bestimmt allein der Mensch, denn er ist der einzige (bekannte) Organismus der mit diesem Konzept etwas anfangen kann.
 
Ich habe mir auch mal ein paar Gedanken zum Thema gemacht und kann in den meisten Punkten Glod gut folgen. Ich würde aber etwas radikaler argumentieren.

Ich sehe zwei Möglichkeiten: 1) Man glaubt an eine Seele, einen Geist oder etwas ähnliches Metaphysisches oder 2) Man muss davon ausgehen, dass menschliches Handeln Gesetzmäßigkeiten folgt, es somit vorbestimmt ist und es keinen freien Willen gibt. (Edit: Möglicherweise ist es nicht nur vorbestimmt, sondern auch zufällig. Bei Zufall würde ich aber nicht von freiem Willen sprechen.)

Ich glaube nicht an eine Seele. Ich gehe davon aus, dass die Gedanken, die wir haben, Prozesse sind, wie wir sie etwa durch die Chemie oder Physik zu beschreiben versuchen. Die Hirnforschung liefert Indizien, die darauf hindeuten. Dies würde bedeuten, dass sich theoretisch menschliches Handeln vorhersagen ließe.

Der "freie Wille" ist in meinen Augen trotzdem ein wichtiges Konzept. Aus zwei Gründen:
1) Lässt sich menschliches Handeln praktisch nicht vorhersagen, selbst wenn wir annehmen dass es determiniert ist. Das Problem ist einfach zu komplex. Um unsere Umwelt zu verstehen und in ihr handeln zu können, ist es deshalb unerlässlich solche Konzepte zu entwerfen.
2) Sind das Überlegungen, die das Sein an sich in Frage stellen.
 
Ich stimme mit dir überein, möchte allerdings noch etwas ergänzen:


Nasreddin schrieb:
Der "freie Wille" ist in meinen Augen trotzdem ein wichtiges Konzept. Aus zwei Gründen:
1) Lässt sich menschliches Handeln praktisch nicht vorhersagen, selbst wenn wir annehmen dass es determiniert ist. Das Problem ist einfach zu komplex. Um unsere Umwelt zu verstehen und in ihr handeln zu können, ist es deshalb unerlässlich solche Konzepte zu entwerfen.

Ja, die Idee, dass wir uns entscheiden können, ist ein wichtiges Konzept.
Aber wie schon im Rahmen dieses Threads besprochen, gibt es einen Unterschied zwischen der landläufigen Definition von "Entscheidungsfreiheit" (also dem "freien Willen" wie ihn SirN versteht wenn er meint, er diskutiere nicht mehr mit jemandem und das sei sein "freier Wille") und dem in einer solchen Religionsdiskussion wirklich wichtigen "absolut freien Willen" (um mal die Bezeichung zu verwenden, die ich zur Unterscheidung nutze) der uns, wie von Glod beschrieben, unabhängig von allen äußeren Einflüssen befähigen müsste in jeder Lage eine ethisch richtige/"gottgesgefällige" Entscheidung zu treffen.


Es ist in meinen Augen durchaus möglich eine Philosopie zu finden, die davon ausgeht, dass es den "absolut freien Willen" höchtswahrscheinlich nicht gibt, aber trotzdem das Konzept der "Verantwortung" und "Entscheidungsfreiheit" aufrecht erhält.

Nasreddin schrieb:
2) Sind das Überlegungen, die das Sein an sich in Frage stellen.

Hier kann ich nicht wirklich zustimmen.

Denn "Ich" existiere, also mein "Ich-Bewusstsein" existiert ja tatsächlich.
Oder um mal ein Zitat zu verwenden: "Ich denke, also bin ich." ;)

Nur weil ich möglicherweise keine "absolute Willensfreiheit" habe und mein "Ich" sich nach äußeren Einflüssen richten muss, vielleicht vom "Schicksal" und/oder "Zufall" gelenkt und getrieben ist, stellt das nicht mein "Sein" in Frage.

Es stellt eben nur gewisse Ideologien in Frage, wie viele der bekannten Religionen und Glaubensrichtungen. Denn immer mehr Argumente dieser Leute werden durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse hinfällig, diese Behauptung mit dem "freien Willen, der uns von Gott gegeben wurde" ist vielleicht die nächste große Bastion die fallen wird.
 
Sie wird keineswegs fallen und welche Bastion ist denn bisher gefallen? Meinst du die Theorie, dass die Erde eine Scheibe ist?
 
Sir N schrieb:
Sie wird keineswegs fallen und welche Bastion ist denn bisher gefallen?

Dass das nicht passiert, darauf würde ich an deiner Stelle keine Wette eingehen. :grins:

Wie gesagt, in Erklärungsnotstand sind nicht diejenigen, die in die Richtung denken, dass es keinen absolut freien Willen gäbe, denn alle Hinweise deuten in diese Richtung.

In Erklärungsnotstand sind viel mehr diejenigen, die für die Existenz eines absolut freien Willens plädieren und von deren Seite keine Argumente kommen die sich nicht auf "Ich glaube aber entgegen des naturwissenschaftlichen Anscheins daran!" oder auf "Wenn ich mir die Zähne putze ist das mein freier Wille, also gibt es ihn!" (Verwechslung der "bedingten Willensfreiheit" mit der "unbedingten Willensfreiheit" oder "absoluten Willensfreiheit" bzw. der Versuch etwas als Beweis für die Existenz der unbedingten Willensfreiheit zu benutzen, was kein Beweis dafür ist) reduzieren lassen.

Sir N schrieb:
Meinst du die Theorie, dass die Erde eine Scheibe ist?

Japp, z.B. diese Theorie. Aber es gibt genug andere Beispiele. Man nehme mal "Adam und Eva", die "Erschaffung der Welt" und so weiter.

Immer mehr Argumente mit denen das Gedankenkonstrukt eines Gottes, der angeblich bestimmte Handlungen und Denkweisen von uns verlangt, verteidigt wird, brechen unter der erdrückenden Last wissenschaftlicher Beweise zusammen.
 
Na ja, die Erschaffung der Welt konnte von der empirischen Wissenschaft auch noch nicht erklärt werden und das wird wohl auch nicht passieren, genau so mit der Existenz bzw. Nichtexistenz des freien Willens.

Und wieso jetzt überhaupt irgendjemand in Erklärungsnotstand sein sollte, versteh ich nicht so ganz. Ich erwarte das ja auch nicht von irgendjemandem, vielleicht gibt es ja Dinge auf der Welt, die eben empirisch nicht nachweisbar sind. Ich weiß zwar, dass Leute wie du das nicht glauben und diesen Aspekt daher ignorieren, aber das macht mir ja nichts aus. Ich will niemanden von meinem Glauben überzeugen ...
 
Sir N schrieb:
Das sagt mir meine Intuition, beweisen kann ich das natürlich nicht ...

Welchen Sinn, den wir ihr nicht geben, könnte unsere Existenz noch haben? Ich meine, das hier ist nur ein winziger Ausschnitt von allem und selbst der ist weitaus größer als wir uns es vorstellen können. Welchen Sinn soll da deine, meine oder irgendeine andere Existenz auf diesem Planeten haben?

Klick

Sir N schrieb:
Na ja, die Erschaffung der Welt konnte von der empirischen Wissenschaft auch noch nicht erklärt werden

Ähm...doch.

http://de.wikipedia.org/wiki/Entstehung_der_Erde
 
Die Frage ist weniger "wie" sondern eher "wozu das ganze".

Ich könnt mich hier "theoretisch" zum Herrscher des Planeten aufschwingen, dennoch wär das dem Universum als solches (welches vermutlich auch nur ein Sandkorn im Ozean ist) vermutlich ziemlich Latte.
 
1) Was bei Wikipedia steht, ist nicht automatisch Schwachsinn. Das ist nicht BILD-Online sondern eine Enzyklopädie. Wikipedia zeichnet sich eher durch nicht allzu große Tiefgründigkeit aus (ist ja ein Lexikon und keine Fachliteratur) und weniger durch komplette Fehlinformationen. Am Ende des Artikels stehen übrigens Links, die zu weiteren Seiten führen.

2) Natürlich ist das eine Theorie. Denn schließlich war keiner dabei und es gibt im Grunde auch keine Möglichkeit, dergleichen live zu verfolgen, weil die Zeitdauer zu lang ist. Nichtsdestotrotz haftet wissenschaftlichen Theorien etwas an, was sie von Aussagen der Marke "Ich glaube, dass..." unterscheidet: Nachvollziehbarkeit. Die haben sich das nicht aus den Fingern gelutscht. Die haben das anhand der physikalischen Gesetzmäßigkeiten hergeleitet und nebenbei über die Radiocarbon-Methode noch die Zeitangaben von 4.6 Mrd Jahren ermittelt. Wer von euch den Fehler in den Herleitungen erkennt, der möge sich bitte bei mir melden. Bis dahin bevorzuge ich diese Theorie gegenüber der Heimwerker-These. Denn sie bietet Fakten, die sich nachrechnen lassen und auch solche zum Anfassen.
 
Alles schön und gut, Glod, aber du solltest nicht den Fehler machen, das nun als bewiesene Tatsache darzustellen, das wäre nämlich falsch. Manchmal muss man sich eben damit abfinden, dass gewisse Dinge nicht zu 100% beweisbar sind und deshalb steckt eben auch ein wenig Glauben dahinter.

Welche Theorie du glaubst, sei dir selbst überlassen, aber dir sollte klar sein, dass auch die Radiocarbon-Methode nicht fehlerfrei ist ...
 
Wenn wir schon dabei sind...NICHTS ist 100%ig beweisbar, wenn man so will, nicht mal mein Post hier. Der Mensch kann rein gar nichts beweisen, weil er nicht imstande ist, mehr als einen fitzelig-futzelig kleinen Auschnitt wahrzunehmen. Innerhalb dieses Ausschnitts kann er plausible Experimente durchführen und vollkommen nachvollziehbare Theorien aufstellen, aber ob das alles wirklich so stimmt, weiss man trotzdem nicht.

Was man nach oben wirft,kommt auch wieder runter. Was man ZU weit nach oben wirft, kommt nie wieder runter. Wenn man woanders was nach oben wirft, kriegt man vielleicht einen Jingle zu hören. Man weiss es nicht.
 
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