Oxblood schrieb:
Beispiel. Wenn du willst, daß ich in die linke Straße einbiege, weil da deine Werbung ist, die ich sehen soll, kann du rechts ein tiefes Loch buddeln. 50% der Leute werden links rum gehen. 20% springen über das Loch, 20% drehen um und gehen zurück und 4% klettern in das Loch um zu sehen, was sich dort befindet und 1% bekommt einfach nur einen Schreikrampf und fällt mit Schaum vorm Mund zu Boden.
Genau das meine ich: Jeder einzelne Mensch, der an diese Situation gerät, hat die von dir aufgeführten Möglichkeiten. Und für jeden einzelnen Menschen, der mit dieser Situation konfrontiert wird, ließe sich exakt vorhersagen, was er tun wird, wenn man ihn studiert hat. Der eine folgt Regeln, der nächste macht sich aus solchen Situationen einen Jux bzw. denkt sportlich, wieder ein anderer kriegt bei unvorhersehbaren Situationen einen Anfall. Und nicht jeder der links herum geht, macht das aus den gleichen Motiven heraus.
Der Mensch versucht meist automatisch mit dem Fluss zu agieren, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, sofern ihm etwas gerade nicht wirklich wichtig ist. Aber das muss er nicht, nur weil er es fast immer tut.
Natürlich muss er nicht. Er hat immer die Option, anders zu handeln. Aber diese Option ist erstmal nur in der Theorie da. Was dann daraus wird, liegt nicht im Willen des Menschen.
Und du kannst einen Menschen nicht automatisch dazu bringen, daß zu tun, was du willst.
Genau das wird doch täglich mit uns praktiziert. Werbung, Wahlkampfversprechen, Lügen, um einen Krieg zu rechtfertigen usw. usw. Natürlich erwischt man damit immer nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Aber das liegt daran, dass man eben auch nur eine Schrotladung in den Baum feuert und dann hofft, dass was runterfällt. DAS etwas herunterfallen wird, ist klar. Die Frage lautet deswegen auch: Wie viel davon?
Und um diese Menge zu vergrößern bemüht man sich eben, immer individueller auf die Menschen einzugehen, indem man ihre Daten sammelt und sie dann gezielt mit Werbung zu bombt.
Bananenmüslibus fährt lecker um die Ecke und erschießt einen Gorilla mit seinem Neid!
Damit hätte jetzt keiner gerechnet, passt nicht wirklich in die Diskussion, fließt nicht mit und hat auch absolut keinen Bezug zu irgendwas. Dennoch wollte ich das einfach mal sagen und so tat ich es. Ob das jetzt als tolles Beispiel dient, sei dahingestellt.
Ähm...nein, ist es eigentlich nicht.

Ich könnte jetzt irgendwo in einem Thread gewisse User beleidigen und wüsste, dass eine entsprechende Reaktion kommen würde, weil sie dergleichen einfach nicht auf sich sitzen lassen können. Wenn ich die Beleidigung aber ankündige, dann ändert sich für den Betroffenen ein Parameter, der in seine Entscheidung einfließt, was dann sehr wahrscheinlich zu einer ganz anderen Antwort, oder einem Ausbleiben derselben führt. Wenn ich das oft genug mache und mir die Resultate anschaue, meine Beleidungen entsprechend anpasse etc., dann kann ich den betreffenden User in dieser Hinsicht klar manipulieren.
Hey, man kann MICH ganz klar manipulieren, in dem man irgendwo schreibt, dass DoA4 ein BEU der Güteklasse A ist. Sollst mal sehen, wie ich dann im Viereck springe.
Aber nicht alle Menschen verhalten sich immer vorhersehbar, weil sie sich dessen bewusst sind.
Genau das meine ich. Darauf beruhen ja viele wissenschaftliche Experimente. Wenn da z.B. das Sexual-/Flirtverhalten erforscht wird, dann bestellt man die Probanden unter der Ankündigung, dass man einen Geschmackstest durchführt, in ein Institut und platziert sie dort in einem Warteraum. Anschließend beobachtet man heimlich, wie sich der Kerl an die Sexbmbe ranmacht. Wenn man denen vorher sagt, dass man ihr Verhalten diesbezüglich studiert, dann kriegt man ganz andere Ergebnisse, weil die Leute jetzt mehr Informationen haben, die letztendlich in ihr Verhalten einfließen. Die einen werden sich zurückziehen, die anderen legen einen extra peinlichen Auftritt hin und wieder andere verhalten sich völlig normal, weil denen die Beobachtung total egal ist. Wie auch immer - genau dieses Szenario könnte man auch verwenden, um das Verhalten der Leute zu beobachten. Wenn man das oft genug macht, dann wird man in der Lage sein, im Voraus zu bestimmen, wie jemand agieren wird, wenn er weiß, dass er zu einem bestimmten Zweck unter Beobachtung zieht.
Ich muss vielleicht noch mal zusammenfassen, worauf ich hinaus will, weil die Diskussion inzwischen viele Bereiche umfasst und mitunter zu sehr ins Detail abgleitet:
Ich behaupte, dass es keinen freien Willen gibt, weil jeder Mensch unbewusst, diversen Eindrücken und seiner genetischen Veranlagung folgt. Auf dem Papier sind immer alle möglichen Optionen vorhanden. Tatsächlich wird die finale Entscheidung aber auf eine vorhersehbare und reproduzierbare Art getroffen - wenn man einen Menschen entsprechend studiert hat.
Natürlich ist die Liste dieser Eindrücke und genetischer Faktoren ewig lang. Kaum eine Entscheidung läuft da auf eine simple A oder B - Geschichte raus, wo A aus einer nackten Frau und B aus einem alten Kothaufen besteht. Insofern ist es natürlich schwierig, einen Menschen im normalen Alltag entsprechend zu analysieren bzw. zu kontrollieren. Aber wie ich schon weiter vorn schrieb, ist der normale Alltag nur eine extrem aufgeblähte Version eines Forschungsinstitutes. Und in diesen Instituten wird bereits kontrolliert, dass die Schwarte kracht und das nicht nur mit Zurückgebliebenen sondern mit ganz normalen Leuten, die sich was dazu verdienen wollen. Genauso würde das im Alltag funktionieren. Nur hat dort - und dafür muss man dankbar sein - (noch) niemand auch nur ansatzweise die Möglichkeit dergleichen zu tun.