Die Türkei erstellt schwarze Liste islamfeindlicher Videospiele
Wie der Vorsitzende des türkischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Forschung, Huzeyfe Yilmaz, gegenüber dem türkischen Parlament beanstandete, gebe es eine Reihe von Videospielen, die Islamfendlichkeit propagieren und demzufolge aus der Türkei verbannt werden müssten: „Das Ziel [vieler Spiele] ist es, den Menschen eine negative Wahrnehmung des Islams zu vermitteln. Digitale Spiele werden als Werkzeug genutzt, um Islamophobie zur verbreiten. Oftmals findet sich der Spieler in der Rolle eines Soldaten, der Muslime töten muss, die als Terroristen portraitiert werden. Das Hauptziel ist es, Feindseligkeit gegenüber dem Islam zu schüren.“
Pac-Man jagt verschleierte Frauen
Deshalb hat man nun eine schwarze Liste ausgearbeitet, die Spiele enthält, welche künftig nicht mehr in der Türkei erhältlich sein sollen. Es geht dabei vor allem um Titel, welche laut des Ministeriums für Jugend und Sport Hass gegen den Islam und Moslems schüren würden, oder die heiligen Symbole der Religion respektlos behandeln. Unter den 19 Spielen befinden sich Call of Duty: Modern Warfare 2 (hier gab es Inschriften, welche die Worte des Propheten Mohammed in einem Badezimmer abbildeten, jedoch 2012 von Activision entfernt wurden) und auch Guitar Hero III: Legends of Rock. In letzterem Titel, taucht der Name Allahs in einem Level auf, in dem der Charakter singt und tanzt, was als respektlos aufgefasst wird.
Während bei diesen und anderen Beispielen zumindest die Beweggründe für die harten Schritte erkennbar sind, scheint die Verbannung von Pac-Man komplett an den Haaren herbeigezogen zu sein. Diese wurde zwar inzwischen wieder rückgängig gemacht, doch ursprünglich hieß es, das Spiel sei eine subtile Metapher, in der man verschleierte muslimische Frauen einsammele.
Türkischer eSport übertrifft sogar den lokalen Fußball
Ob das Verbot sich auf die Bemühungen der türkischen Regierung auswirken könnte, die lokale Entwicklerszene und die Branche innerhalb des Landes zu stärken, wird zu beobachten sein. Huzeyfe Yilmaz ist Videospielen an sich jedoch nicht verschlossen. So weiß auch er um die Wichtigkeit und das Potenzial der Industrie für die türkische Wirtschaft. In einer Präsentation vor dem Parlament, gab er Ende Juni die Wichtigkeit von Videospielen für die Türkei zu bedenken.
„Der Sektor [digitale Spiele] hatte 2013 ein Volumen von 76,5 Milliarden Dollar und nun die Marke von 100 Milliarden übertroffen. MMO-Spiele wachsen mit einer Rate von 10 Prozent pro Jahr.“ Allein eSports weise dabei ein Geschäftsvolumen von 747 Millionen Dollar auf, wie Yilmaz bestätigte. „Es gibt ein Spiel, namens League of Legends, welches am 8. August 2015 in der Türkei veröffentlicht wurde. Die Tickets für die eSports-Liga waren schneller ausverkauft als ein Galatasaray-Derby!“
Der Vergleich war bewusst gewählt, unterstreicht er doch die enorme Bedeutung von eSports für die Region. Gerade die türkischen Fußballfans sind als leidenschaftlich und enthusiastisch bekannt. Yilmaz erwähnte auch, dass aktuell 20 Prozent der Videospieler in der Türkei Mehrspielerplattformen nutzen. 17 Prozent spielen auf Smartphones, 10 Prozent auf Computern und 37 Prozent auf Konsolen.
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