Also weder meine Hiwi-Stelle, noch meine spätere Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter war ausgeschrieben. Ehrlich gesagt hat sich von meinen Kommilitonen, die heute in der Wissenschaft sind, niemand auf eine ausgeschriebene Stelle beworben. Zumindest was den Einstieg anbelangt, der lief immer nur über die direkte Beziehung.
Ja, das ist ja auch nichts ungewöhnliches. Das machen die auch alle so, weil der Weg nach Vorschrift einfach zu lange dauert. Zeigt aber auch ganz deutlich, dass dann weder der Personalrat, noch die Frauenbeauftragte oder sonst wer in der Verwaltung irgendwie arbeiten oder sich einen Scheiß um etwas kümmern. Nicht, dass du oder deine Kollegen die Einstellung nicht verdient hättet, aber alle Verwaltungsinstanzen, die sich auch im Zweifelsfall für dich einsetzen müssen, sind wohl nicht existent, machtlos oder Mitläufer.
Der akademische Betrieb ist eben ein korrupter Haufen, der sich das eben auch leisten kann, da die Hochschule sich laut Gesetz eben selbst verwalten muss. Niemand hat darauf sonst Bock. Ist ja auch verständlich. Von daher, gut für jeden, der jemanden kennt, der einen kennt, oder der irgendwie eine Fuß in die Türe eines Netzwerkes kriegt, aber wer das nicht schafft oder einfach in einem ungünstigen Klima aufwächst, hat es da sehr schwer.
Ich meine, bei uns und mir ist das nicht anders gelaufen. Ich kenne die Mitarbeiter der Universität sehr gut, ich liefere auch ausgezeichnete Leistung ab und als mein Bafög auslief, habe ich auch mal unverbindlich eine Wissenschaftliche Mitarbeiterin gefragt, ob sie einen Job für mich hat. Die ging zu ihrem Chef, dem Oberhaupt des Instituts, der wurde zufällig vorher von einem Kollegen, den er aus der ETH Zürich kennt gefragt, ob er einen Studenten hat, dem man solche Aufgaben anvertrauen kann: Es fiel mein Name, ich ging zum Gespräch und wurde mit Begründung, weswegen eine ordentliche Ausschreibung zu dem Zeitpunkt nicht möglich war, eingestellt. Dummerweise hatte die HU aber gezickt, so dass es eben ein ziemlich hin und her wurde, die bestanden nämlich auf eine ordentliche Ausschreibung.
Thats Life, deal with it. Rechtmäßig ist da aber auch nichts. Sollte auch nur einer mal wirklich dagegen klagen, kann jede Uni wegen Verfahrensfragen gleich mal nen Jahr zumachen.
Das fängt auch ganz klein an, ohne das man es wirklich merkt. Bei meinem Prof bin ich in Telefon eingespeichert, wenn es um irgendeine Auswertung geht, oder irgendeine Leistung ruft er mich eben an, und ich ihn. Ich überbrücke also schon als Student im Lehrbetrieb alle Kontrollinstanzen, sei es das Prüfungsamt, die Studienordnung oder die Prüfungsordnung. Hab auch den Eindruck, dass das zum guten Ton gehört.
