Ich schere ja auch nicht alle über einen Kamm, aber wenn Ultras gezielt andere Fanbusse aufhalten oder gegnerischen Ultras auflauern (wie eben z.B. in der Vergangenheit bei den Club-Ultras geschehen), dann gehört das für mich eben nicht "halt dazu" - und selbst wenn das immer nur eine kleine Teilgruppe ist, muss man sich als Ultra bewusst sein, dass man das durch seine Zugehörigkeit eben mitträgt. Ich hab zumindest noch nicht erlebt, dass sich die friedliche Mehrheit der Ultras danach davon distanzieren. Kann aber auch sein, dass ich das einfach nicht mitbekommen habe.
Und es ist auch klar, dass die Ultras schon auch viel geben und gerade beim FCN viele Choreos (die ja auch Geld kosten) ohne die Ultras nicht da wären. Aber momentan überwiegen in Nürnberg eher die schlechten Punkte. Und wenn Fußball den Ultras mehr bedeutet als den normalen Fans, dann verstehe ich erst Recht nicht, wieso man dann wissentlich dem Verein und dem Ansehen des Fußballs schadet. Oder wie siehst du das?
Dass es genügend Idioten auch innerhalb der Gruppierungen gibt, bestreitet auch keiner.
Und wenn sie unter dem Deckmantel der Ultra-Bewegung stattfinden, ist es noch blöder.
Das Problem dabei ist, dass du dir deine Mitglieder nicht aussuchen kannst, gerade bei den Ultras nicht.
Es gibt keine direkte Mitgliedschaft, kein geschriebenes Regelwerk, teilweise unklare Hierarchien bzw. werden sie unterschiedlich interpretiert.
Im Regelfall wird solches Verhalten klar abgelehnt, nur bekommt es keiner außerhalb der Szene so richtig mit.
Wie auch? Sowas wird intern diskutiert, die Flyer, Ya Basta! (Fanzine der Ultras Nürnberg) etc. bekommst du normalerweise auch nur in der Nordkurve und jemand anderes berichtet natürlich nicht darüber.
Oder eben nur so, wie die Berichterstattung eben aussehen soll (klar gibt es auch Ausnahmen, 11 Freunde und ab und an der Kicker schauen schon differenzierter auf die Dinge, auch aus der Fansicht aus).
Ich erinnere mich an einen Marsch durch Fürth zum Auswärtsspiel am Ronhof. Gut 3000 bis 4000 Leute liefen stundenlang durch die Nürnberger und Fürther Stadt, natürlich waren Idioten dabei, die an Häuser urinierten, Heil Hitler riefen und Anwohner den Hitlergruß zeigten. Die wurden sofort von der Gruppe separiert und ausgeschlossen, gänzlich ohne Gewalt.
Was steht in der Zeitung? Brauner Naziaufmarsch der Nürnberger Ultras.
Oder als die Debatte mit der DFL lief, Pyrotechnik zu legalisieren und es ein Abkommen gab, in der Zeit der Gespräche auf Pyrotechnik zu verzichten. Wir spielten Relegation gegen Cottbus, gewannen und im Block (wo nicht nur die Ultras Nürnberg stehen, sondern auch andere wie Banda di Amici, die Adelsdorfer, Psychopathen Nürnberg etc.) brannten drei Bengalos der Adelsdorfer, die eigenständig handelten.
Als Kenner des Blocks weißt du sofort, dass die Ultras damit nichts zu tun haben, sofort rannten Leute hin und haben versucht, die Bengalos auszumachen und pfiffen die Adelsdorfer richtig zusammen. Gab dann auch für sie Konsequenzen, der Bereich wurde weiter von den Ultras weg verlegt.
Doch was bleibt hängen? Ultras Nürnberg halten sich nicht an Abmachung.
Zu deiner letzten Frage: So einfach lässt sich das nicht beantworten. Ja, man weiß, dass man eventuell dem Verein schadet und dem Ansehen des Fußballs.
Aber: So, wie der kommerzielle Fußball gestrickt ist, will ihn eh kein Ultra haben, von daher pflegt man eben auch Dinge, die anderen missfallen (derbe Spruchbänder, Stimmungsboykott, ab und zu mal Pyrotechnik).
Und ob die Zeit vor der Ultra-Bewegung friedlicher oder besser war, kann ich persönlich nicht sagen, dafür bin ich zu jung.
Aber mein Opa war seit 1956 bis in die 70er Jahre fast bei jedem Heimspiel und von seinen Erzählungen weiß ich, dass heutzutage alles viel friedlicher, gesitteter und anständiger ist.
Da gab es Gruppen wie die Seerose 68 oder Red Devils Nürnberg, die ständig randaliert haben und auf offener Straße sich mit anderen Hooligan-Gruppen geprügelt haben, die Stimmung war Allgemein hitziger. Deswegen nahm er auch nie meinen Vater mit, mit meinem Bruder und mir ist mein Opa dann aber immer mit ruhigen Gewissens hingegangen und wir durften auch schon recht früh alleine gehen.
tl;dr
Ich kann verstehen, wenn man Ultras und deren tun nicht gut findet (Gewalt etc. steht außer Frage, das lehnen auch Ultras meistens ab), aber ich erwarte einfach mehr Verständnis und einen faireren Umgang mit der Bewegung und dass sie essentieller Bestandteil der Fußballkultur ist und bleiben wird.