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Ultras! Das Geschwür der Vereine

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Als wenn der weiß, wie ein Stadion aussieht. Tiefgarage, Nebeneingang und VIP-Loge sind da kaum repräsentativ. Okay, Ironie off... aber mal im Ernst: Wie kleingeistig er selbst denkt, sieht man ja schon deutlich daran, dass er zwar selbst von "manchen Fans" spricht, sich aber als Konsequenz auf die gesamte Ultraszene einschießt. Populistischer Müll.

Und solang die Fans nicht beim Spiel komplett die Klappe halten, wie beim Massentanz in Pjöngjang ihre Positionen wechseln um variierende Sponsorenlogos für die TV-Übertragung nachzubilden und dafür auch noch bereitwillig dankbar 250,- € pro Ticket zahlen werden wir von diesem Geseier leider nicht verschont bleiben.
 
Weil dann alle glücklich sind.
Je weniger sex man hat, desto aggressiver wird man.
Sex ist anstrengend, je mehr man hat, desto müder und lustloser wird man.
Dann hat man keinen bock mehr sich zu streiten.
Sex gegen Ultras oder abgekürzt "Ultrasex"
So kann man Sport noch retten.
 
Das Thema ist aber auch wirklich nicht einfach. Es wird in der Regel jeweils immer nur in schwarz und weiß argumentiert. Lösungen werden so nie gefunden.

Zur Stimmung: Obwohl ich mittlerweile nicht mehr so begeistert Fußball gucke, erlebe ich trotzdem immer ein Phänomen. Wenn ich ins Stadion gehe und es mir tatsächlich völlig egal ist wie das jetzt ausgeht, werde ich immer angesteckt und bin total begeistert wenn da 15000 Leute gleichzeitig schreien und Irgendeine Tribüne Wechselgesänge mit einer anderen Tribüne anstimmt. Das ist schon verdammt cool und es wirkt auch, wenn man sich ansieht wie da eine ganze Wand in den Vereinsfarben Radau macht. Gleichzeitig würde ich nie wieder ein Kind mit auf eine Stehtribüne sehen. Das letzte Spiel das ich mir gegönnt habe war das Lotte - BVB DFB Pokal Spiel (was ne Anreise in die Pampa...). Die Stimmung war total gut. Da gab es keine Pöbeleien zwischen den Fans im Vorfeld. Als dann die ersten Liter Bier getrunken waren, haben sich die jeweiligen Fans fast gegenseitig auf die Schnauze gehauen, weil irgendjemand nicht zum Klo oder zur Bierstelle durchkam. Das war früher alles viel weniger aggressiv.

Verhalten der Ultras: Das kann man ja so pauschal auch nicht festmachen. So eine Gruppe besteht ja aus vielen. Da sind verdammt viele dabei, die einfach gerne Basteln, Singen, Saufen und den Fußballclub und das Geschehen echt leben. Wenn man sich aber dann anschaut was teilweise abgeht (Adlerfront in Franktfurt, Wilde Horde in Köln, Desperados in Dortmund) dann ist das Verhalten tatsächlich ein riesen Problem. Übergriffe auf völlig Unbeteiligte, Sachschäden in 5 oder 6 stelliger Höhe, jedes Wochenende. Ich finde es auch nicht richtig, wegen ein paar Idioten die ganze Gruppierung zu dämonisieren. Das greift zu kurz. Man könnte auch sagen: "Da muss die Gruppe doch intern dafür Sorgen, dass die Chaoten nicht über die Strenge schlagen." Ich kann jedoch verstehen wenn der Ultra, der mit seinen 3 Nachbarn seit 20 Jahren Mitglied ist und jedes Wochenende bastelt und durch die Republik reisst, keinen Bock darauf hat dem Steroidbomber auf Speed aus seiner Gruppe zu sagen: "Alter lass den Scheiß mal sein." Im Zweifel kassiert er dann auch eine. Die Folge ist dann natürlich die Sichtweise der Bevölkerung von Außen, denn medial berichtet wird ja nicht über die Tage an denen die Gruppe ein farbenfrohes 30m großes Banner gebastelt hat.

Kosten: Ich bin aber auch nicht mehr bereit jedes Wochenende Steuergelder zu verschwenden. An jedem Fußballspieltag ist jede Großstadt voller Hundertschaften. Das kostet so viel Geld und da muss dringend eine Lösung her. Mit dem Geld sollen sie Kindergärten bauen, aufhören die Kliniken privatisieren zu müssen, das Rentenloch stopfen oder wenigstens die Bundesstraße zu sanieren, über die ich jeden morgen rüber muss. Den Bremer Ansatz, den Verein zu beteiligen, fand ich richtig super. Das ist auch kostenrechtlich konsequent weitergedacht. Wenn ich meine Geburtstagsparty aus Versehen auf Facebook öffentlich mache und dann 5000 Leute bei mir auftauchen und die Nachbarschaft verwüsten, zahle ich im Zweifel als Störer auch den Einsatz. Wenn der Fußballverein, der verdammt viel Geld damit einnimmt, jedes zweite Wochenende die Hälfte der Polizeibeamten der Bundesrepublik auf die Straße holt, dann ist es nur konsequent dass der Veranlasser (Verein) hier beteiligt wird an den Kosten. Falls etwas passiert stehen die Vereine ja mittlerweile auch nicht mehr auf verlorenem Posten. Vor ein paar Wochen hat der BGH entschieden, dass der Verein Strafen (bspw die vom DFB an den FC Köln) an die (die Straftaten begehenden) Fans weiterreichen darf. Lediglich hinsichtlich des Schlüssels zur Berechnung der Höhe des Schadensersatzes ging das zurück an das Instanzgericht.

Tatsächliches Problem: Das man die Gruppen und erst recht deren Mitglieder nicht alle über einen Kamm scheren darf, habe ich ja oben schon ausgeführt. Dennoch ist es nicht verwunderlich wenn sich ein bestimmtes Bild einer Gruppe in der Öffentlichkeit manifestiert. Die Schäden die angerichtet werden, stellen tatsächlich ein riesen Problem dar. Autoscheiben, die auf dem Weg nach Hause kaputt gemacht werden. Übergriffe auf völlig Unbeteiligte etc. pp. Was diese Situationen angeht muss man immer auch noch im Auge haben, dass sich die Ultras da in der Minderheit befinden, gegenüber den Bürgern die einfach kein Interesse am Fußball haben, oder einfach zum Rewe einkaufen wollen, während der Tross die Straße unsicher macht. Das Selbstverständnis vieler Ultras scheint da aber ein anderes zu sein. Das wirkt eher als würden sie für sich in Anspruch zu nehmen, dass ihre Interessen erstmal grundsätzlich Vorrang haben, dann alle anderen. Des Weiteren wird regelmäßig provoziert. Ich kann die Beiträge oben nachvollziehen, dass man sich von den USK Beamten provoziert fühlt wenn man da einfach nur nach Hause fährt und zufällig im ungünstigen Zug sitzt. Diese Maßnahmen sind aber die Konsequenz des Verhaltens aus der Vergangenheit. Wäre ein Adrian Malaika nicht totgeschlagen worden, hätten die Beamten vermutlich nie auf berittene oder gepanzerte Einheiten gesetzt. Das ist die Reaktion, auf Verhaltensweisen die in der Vergangenheit dazu geführt haben. Wenn sich nun zwei Gruppen streiten und auffe Omme hauen und eine Mutter mit Kinderwagen durch die Straße muss und die Rangelei (ohne das die Mutter wahrgenommen wird / gruppendynamik) sich plötzlich dahin verlagert wo die Mutter nun gerade steht, dann wird keiner von den zugedröhnten Halbstarken auf die Idee kommen mal eben Pause zu machen. Da sind 5 ungepanzerte Streifenpolizisiten auch nicht in der Lage die Mutter samt Kind aus der Situation rauszuziehen.
Nächster Aspekt in Bezug auf die Provokationen durch Ultras. Ich kann nachvollziehen dass das Verhältnis zwischen Staat und Ultras angespannt ist. Was ich aber nicht nachvollziehen kann ist, dass die Ultras dann von sich aus provozieren. Auf sovielen schwarzen Hoodies prangern vier Buchstaben. "ACAB". Die Meinung darf ja meinetwegen jeder vertreten. Aber warum muss man sowas auf der Straße tragen und dem Bullen den Mittelfinger zeigen? Im Zweifel will der Cop da in dem Moment auch gar nicht stehen, sondern lieber den Stoppelmarkt in Vechta "sichern". (Ich kenne die Problematik um die jungen Cops, die völlig drüber sind und unter dem Deckmantel der Staatsgewalt gezielt in diese Einheiten wollen um sich prügeln zu dürfen. Die Diskussion möchte ich jetzt aber nicht auch noch aufmachen). Man kann nun auch sagen, dass der Polizist sich ja nicht beleidigt fühlen muss und drüber stehen kann oder in seiner Position sogar muss. Aber genauso wie von uns jeder das Recht hat nicht beleidigt zu werden, gilt das für den Polizisten auch. Man stelle sich vor es wäre üblich und völlig normal wenn da bei Aldi an der Kasse die Kassiererin mich jedes als "Lauch" oder "Lappen" beschimpfen würde, wenn ich mit der ECKarte zahlen will. Selbst wenn er drüber steht, wird subjektiv auch bei der Polizei eine ablehnende Haltung hervorgerufen, die sich später evtl entlädt. Genauso wie bei den Ultras völlig friedliche Fans dabei sind, gibt es unter den Beamten ja auch Menschen, die nicht korrupt sind und gar keinen Bock auf den Stress haben und tatsächlich den Beruf ernst nehmen.

Dann noch ein letzter Gedanke. Die Berichterstattung ist sicherlich in beide Richtungen einseitig und auch häufig nicht vollständig. Bei vielen Vorfällen wird nicht richtig recherchiert oder reisserisch berichtet. Fakt ist aber auch, dass Bilder bei Youtube oder Artikel in Zeitungen eine andere Wirkung haben, als die Vorfälle selbst. Als ich damals bei der StA tätig war, musste ich einen Vorfall verhandeln, bei dem eine Ultra Gruppierung eine andere Gruppe im Stadion angreifen wollte. Im Ergebnis wurde nicht die andere Ultraguppe verletzt, sondern zahlreiche neutrale Fans, Physios, Ersatzspieler, Kinder. Teilweise haben Kinder ihr Gehör verloren, teilweise sind Menschen erblindet. Die Bilder im TV waren für alle zu sehen und die meisten Zuschauer waren entsetzt. In der Hauptverhandlung wurden aber nochmal ganz andere Videos gezeigt, die nicht für die Öffentlichkeit / Medien bestimmt waren zu dem Vorfall. Wer diese Bilder gesehen hat, wäre nicht auf die Idee gekommen das Verhalten auch nur in Ansätzen rechtfertigen zu wollen. Jedenfalls war der unmittelbare Eindruck dieser Bilder nochmal ein völlig anderer, als der den man durch die öffentlichen Medien gewinnen konnte.

Ich denke das Thema wird nicht gelöst werden, weil zu viele Partikularinteressen betroffen sind. Eine Lösung wäre aber für alle Beteiligten sehr wünschenswert und meiner Meinung nach sind diese symbolischen Akte in den Gefahrenabwehrgesetzen, wie etwa die Einführung von Rechtsgrundlagen für das Gefährderanschreiben, verfehlt. Damit wird das Problem nicht gelöst und die Betroffenen werden noch weiter provoziert. Wirkliche Lösungen werden durch wirtschaftliche Gründe oder Symbolpolitik nicht gefunden.
 
Mir gehen die Ultras in Nürnberg zur Zeit (wie vielen) auch auf den Sack. Sie schaden zur Zeit nur dem Verein, sonst nichts. Nicht nur die Strafzahlungen aufgrund der Pyros, sondern auch das Geschehen abseits des Platzes. Das führte dann z.B. zuletzt zur Sperrung zweier Fanblöcke und weil der FCN die Plätze rund um die gegnerische Fankurve für die Ultras nicht freigeben wollte (relativ verständlich wie ich finde), kommt dann Kindergartenverhalten:

Das Spiel davor standen dann alle stumm im Block - selbstauferlegter Fangesang-Maulkorb. Wie lächerlich das ist. Wem schadet das? Dem Verein und der Mannschaft. Ist es das, was die Ultras wollen? Offensichtlich. Für mir ist das das Haufen, dem es nur um Selbstdarstellung geht und der mit Fußball nichts zu tun hat.

Zum Glück haben dafür dann die anderen Ränge wesentlich mehr Alarm gemacht, so dass das Kindergartenverhalten der Ultras überhaupt keine Auswirkung auf die Stimmung im Stadion hatte.
 
Als in Gladbach gegen Leipzig 19 Minuten Schweigeprotest von den ultras angekündigt wurde, haben im Oberrang auch viele fans Stimmung gemacht. Da ist ein Trupp von Ultras (ca 20 mann) in diesen Block hoch gelaufen und haben da den Fans mit Gewalt gedroht, wenn die nicht aufhören wollen zu singen. Die fühlen sich wirklich als Nabel der Welt. Aufgrund der nicht stattgefundenen Choreographie gg Frankfurt, wollen die Gladbacher Ultras ja jetzt auch in den Stimmungsboykott treten. Die machen sich so lächerlich, und merken es nicht mal. War ja glaube ich vorletzte Saison mal zu Hause gg Köln auch so. Weil man sich mit den Kölner Ultras gegen den dfb solidarisiert hatte. Da war die Stimmung trotzdem super.
 
Mir gehen die Ultras in Nürnberg zur Zeit (wie vielen) auch auf den Sack. Sie schaden zur Zeit nur dem Verein, sonst nichts. Nicht nur die Strafzahlungen aufgrund der Pyros, sondern auch das Geschehen abseits des Platzes. Das führte dann z.B. zuletzt zur Sperrung zweier Fanblöcke und weil der FCN die Plätze rund um die gegnerische Fankurve für die Ultras nicht freigeben wollte (relativ verständlich wie ich finde), kommt dann Kindergartenverhalten:

Das Spiel davor standen dann alle stumm im Block - selbstauferlegter Fangesang-Maulkorb. Wie lächerlich das ist. Wem schadet das? Dem Verein und der Mannschaft. Ist es das, was die Ultras wollen? Offensichtlich. Für mir ist das das Haufen, dem es nur um Selbstdarstellung geht und der mit Fußball nichts zu tun hat.

Zum Glück haben dafür dann die anderen Ränge wesentlich mehr Alarm gemacht, so dass das Kindergartenverhalten der Ultras überhaupt keine Auswirkung auf die Stimmung im Stadion hatte.
Und genau da liegt die Crux an der Sache, wenn man die Sichtweise und das Denken der Ultras nicht versteht.

Man liebt den Verein mehr als alles andere, man liebt aber auch die Gruppe und die Fan-/Ultra-Kultur.
Und dazu gehören Dinge, die im deutschen modernen Profifußball nicht gerne gesehen werden oder von anderen abgelehnt wird.
Natürlich ist das den Ultras "egal" und die Strafen, die sie oder der Verein zu tragen haben, sind sogesehen ein notwendiges Übel. Deswegen wird man sich aber nicht verstellen oder ändern.

Wie gesagt, dass mögen viele nicht verstehen und ablehnen. Dass es aber in jedem Stadion meist Tausende Personen gibt, die eben Anhänger dieser Kultur sind, ist Tatsache und muss anerkannt werden.

Und dieses polemische "das hat mit Fußball nichts zu tun" oder "die Mannschaft und der Verein ist ihnen egal" sollte man langsam mal überdenken, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Fußball bedeutet Ultras eben noch mehr, als es für den Durchschnittsfan tut. Wer das wirklich mal mitbekommt, wie der Verein 24/7 gelebt wird, das komplette Leben auf den Verein, die Gruppe und den Fußball hin ausgerichtet wird ist (für mich) einfach beeindruckend und toll.

Gerade weil du die Nürnberger Ultras ansprichst. Kennst du die Gruppe? Kennst du Mitglieder? Weißt du, was alles noch nebenher läuft (Rot-Schwarze Hilfe, Spendensammlungen für Kinderhilfen/Krebseinrichtungen, Aufarbeitung/Wiederbelebung der jüdischen Geschichte des Glubbs etc.) und sonst immer untergeht?

Aber bei dem Thema kommt man auf keinen Nenner. Viele Leute werden immer Abneigungen dagegen haben, aus welchen Gründen auch immer.
Das schlimme daran ist nur, die meisten Gründe sind einfach schlichtweg falsch oder völlig überzogen.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Viele sind doch auch froh auf irgendwas schimpfen zu können. Grad letztens mitbekommen als die HSV-Fans Topf geraucht haben. Obwohl selbst das wohl nur so 20 Leute waren, faseln die Leute irgendwas was einer "Sammelklage" gleichkommen würde und schreien nach Kollektivstrafen und Sippenhaft. Natürlich in Facebook-Kommentaren. Ohne Ahnung von auch nur irgendwas (dass sie juristisch null Ahnung haben verzeihe ich dann sogar nochmal).

Ich glaub ganz zu Anfang, als dieser Thread frisch war, hab ich schon mal geschrieben, dass es überall Idioten gibt und man nicht immer nur vor fremden Türen kehren sollte. Selbstkritik fällt nämlich immer dann schwer, wenn der Zeigefinger schon ausgestreckt ist.
 
Gerade die Gewaltdebatte stößt mir immer übel auf.

Wenn ich mit Gewalt im Fußball konfrontiert wurde, dann war es entweder am Wochenende in der Kreisliga oder eben gerade nicht im Stehblock oder dort, wo Ultras sind.
Und genau da stört mich die Differenzierung. In der Kreisliga sind es eben dann die Emotionen und die "Dorfmentalität", auf der Gegengerade der gestresste Vater, der halt ein Bier zu viel hatte. Alles nicht so wild, gehört halt dazu.

Aber lass irgendwas von oder zwischen Ultras sein (oder auch nicht Ultras, muss ja nur irgendwie in deren Peripherie passieren) und der Teufel ist los.
Damit muss man sich als Anhänger dieser Kultur wohl einfach abfinden.
 
Ich schere ja auch nicht alle über einen Kamm, aber wenn Ultras gezielt andere Fanbusse aufhalten oder gegnerischen Ultras auflauern (wie eben z.B. in der Vergangenheit bei den Club-Ultras geschehen), dann gehört das für mich eben nicht "halt dazu" - und selbst wenn das immer nur eine kleine Teilgruppe ist, muss man sich als Ultra bewusst sein, dass man das durch seine Zugehörigkeit eben mitträgt. Ich hab zumindest noch nicht erlebt, dass sich die friedliche Mehrheit der Ultras danach davon distanzieren. Kann aber auch sein, dass ich das einfach nicht mitbekommen habe.

Und es ist auch klar, dass die Ultras schon auch viel geben und gerade beim FCN viele Choreos (die ja auch Geld kosten) ohne die Ultras nicht da wären. Aber momentan überwiegen in Nürnberg eher die schlechten Punkte. Und wenn Fußball den Ultras mehr bedeutet als den normalen Fans, dann verstehe ich erst Recht nicht, wieso man dann wissentlich dem Verein und dem Ansehen des Fußballs schadet. Oder wie siehst du das?
 
Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man nicht alles auf die Vereine abwälzt. Es ist ja nicht so, als würden die Vereine die Leute produzieren. Wären die "Radikalen" und Gewaltbereiten keine Ultras, wären sie in einer anderen Jugendkultur unterwegs und würden scheiße bauen. Ich glaube, das steckt eher im Menschen drin als in der Vereinszugehörigkeit.
 
Ich schere ja auch nicht alle über einen Kamm, aber wenn Ultras gezielt andere Fanbusse aufhalten oder gegnerischen Ultras auflauern (wie eben z.B. in der Vergangenheit bei den Club-Ultras geschehen), dann gehört das für mich eben nicht "halt dazu" - und selbst wenn das immer nur eine kleine Teilgruppe ist, muss man sich als Ultra bewusst sein, dass man das durch seine Zugehörigkeit eben mitträgt. Ich hab zumindest noch nicht erlebt, dass sich die friedliche Mehrheit der Ultras danach davon distanzieren. Kann aber auch sein, dass ich das einfach nicht mitbekommen habe.

Und es ist auch klar, dass die Ultras schon auch viel geben und gerade beim FCN viele Choreos (die ja auch Geld kosten) ohne die Ultras nicht da wären. Aber momentan überwiegen in Nürnberg eher die schlechten Punkte. Und wenn Fußball den Ultras mehr bedeutet als den normalen Fans, dann verstehe ich erst Recht nicht, wieso man dann wissentlich dem Verein und dem Ansehen des Fußballs schadet. Oder wie siehst du das?
Dass es genügend Idioten auch innerhalb der Gruppierungen gibt, bestreitet auch keiner.
Und wenn sie unter dem Deckmantel der Ultra-Bewegung stattfinden, ist es noch blöder.

Das Problem dabei ist, dass du dir deine Mitglieder nicht aussuchen kannst, gerade bei den Ultras nicht.
Es gibt keine direkte Mitgliedschaft, kein geschriebenes Regelwerk, teilweise unklare Hierarchien bzw. werden sie unterschiedlich interpretiert.

Im Regelfall wird solches Verhalten klar abgelehnt, nur bekommt es keiner außerhalb der Szene so richtig mit.
Wie auch? Sowas wird intern diskutiert, die Flyer, Ya Basta! (Fanzine der Ultras Nürnberg) etc. bekommst du normalerweise auch nur in der Nordkurve und jemand anderes berichtet natürlich nicht darüber.

Oder eben nur so, wie die Berichterstattung eben aussehen soll (klar gibt es auch Ausnahmen, 11 Freunde und ab und an der Kicker schauen schon differenzierter auf die Dinge, auch aus der Fansicht aus).
Ich erinnere mich an einen Marsch durch Fürth zum Auswärtsspiel am Ronhof. Gut 3000 bis 4000 Leute liefen stundenlang durch die Nürnberger und Fürther Stadt, natürlich waren Idioten dabei, die an Häuser urinierten, Heil Hitler riefen und Anwohner den Hitlergruß zeigten. Die wurden sofort von der Gruppe separiert und ausgeschlossen, gänzlich ohne Gewalt.
Was steht in der Zeitung? Brauner Naziaufmarsch der Nürnberger Ultras.

Oder als die Debatte mit der DFL lief, Pyrotechnik zu legalisieren und es ein Abkommen gab, in der Zeit der Gespräche auf Pyrotechnik zu verzichten. Wir spielten Relegation gegen Cottbus, gewannen und im Block (wo nicht nur die Ultras Nürnberg stehen, sondern auch andere wie Banda di Amici, die Adelsdorfer, Psychopathen Nürnberg etc.) brannten drei Bengalos der Adelsdorfer, die eigenständig handelten.
Als Kenner des Blocks weißt du sofort, dass die Ultras damit nichts zu tun haben, sofort rannten Leute hin und haben versucht, die Bengalos auszumachen und pfiffen die Adelsdorfer richtig zusammen. Gab dann auch für sie Konsequenzen, der Bereich wurde weiter von den Ultras weg verlegt.
Doch was bleibt hängen? Ultras Nürnberg halten sich nicht an Abmachung.

Zu deiner letzten Frage: So einfach lässt sich das nicht beantworten. Ja, man weiß, dass man eventuell dem Verein schadet und dem Ansehen des Fußballs.
Aber: So, wie der kommerzielle Fußball gestrickt ist, will ihn eh kein Ultra haben, von daher pflegt man eben auch Dinge, die anderen missfallen (derbe Spruchbänder, Stimmungsboykott, ab und zu mal Pyrotechnik).

Und ob die Zeit vor der Ultra-Bewegung friedlicher oder besser war, kann ich persönlich nicht sagen, dafür bin ich zu jung.
Aber mein Opa war seit 1956 bis in die 70er Jahre fast bei jedem Heimspiel und von seinen Erzählungen weiß ich, dass heutzutage alles viel friedlicher, gesitteter und anständiger ist.
Da gab es Gruppen wie die Seerose 68 oder Red Devils Nürnberg, die ständig randaliert haben und auf offener Straße sich mit anderen Hooligan-Gruppen geprügelt haben, die Stimmung war Allgemein hitziger. Deswegen nahm er auch nie meinen Vater mit, mit meinem Bruder und mir ist mein Opa dann aber immer mit ruhigen Gewissens hingegangen und wir durften auch schon recht früh alleine gehen.

tl;dr
Ich kann verstehen, wenn man Ultras und deren tun nicht gut findet (Gewalt etc. steht außer Frage, das lehnen auch Ultras meistens ab), aber ich erwarte einfach mehr Verständnis und einen faireren Umgang mit der Bewegung und dass sie essentieller Bestandteil der Fußballkultur ist und bleiben wird.
 
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