Dow Jones
ASCEND TO ULTRA
Vorschau
Meine Herrn, dieser Titel hat im KT einen unglaublichen Wandel erfahren. Im Jahr 2010 noch freudig erwartet, wird der Titel seit der E3 2012 im Thread verissen ohne Ende. Uncharted-Klon, Shooter, QTE-Kontamination und der schlimmste Vorwurf: Tomb Raider ist eigentlich gar kein Tomb Raider mehr! Deshalb reicht es für mich nicht, einfach nur den Titel zu bewerten. Ich meine, was soll ich dazu schon groß sagen, wie es aussieht kann jeder selbst angucken, wie es klingt, kann sich jeder selbst anhören. Aber es wäre vielleicht ganz interessant auf diese im Vorfeld geäußerten Kritikpunkte einzugehen, um zu gucken, was da eigentlich dran ist. Denn, und da sind wir aktuell gelandet, wird Tomb Raider im KT gehyped ohne Ende und ist für nicht wenige User das Action-Adventure dieser Generation oder gar Spiel der Generation. Die Reviews selber hat ihr ja auch aufm Schirm, was soll ich das selbe noch mal hinschreiben?
Die neue Lara
Vorbei sind die Zeiten, in denen eine selbstsichere und kurz angebundene Lara Croft, quasi durch nichts wirklich verwundbar, durch die Gräber dieser Welt stampft. Lara ist im Reboot 21 Jahre alt und hat noch nichts von der Welt gesehen. Entsprechend unsicher und verletzlich wollten sie die Entwickler auch gestalten. Und zumindest am Anfang ist die kleine Lara noch ein unschuldiges Blatt. Viele kritisieren, dass dieser Wandel -vom schwächlichen 21 jährigen Mädchen zu Lara Croft- nicht glaubwürdig genug inszeniert wird. Vor allem der Unterschied zwischen dem Gameplay und den Sequenzen wird kritisiert. Das ist im ersten Moment auch nachvollziehbar, schließlich hat Lara am Anfang die größten Hemmungen ein Reh zu erschießen, entschuldigt sich dafür noch 3 mal bei sich selbst und 5 Spielstunden später jagt sie zörnig über die Insel, bewaffnet bis aufs Messer und sprengt rachsüchtig um sich. Doch, wie so oft, empfinde ich persönlich (!!) diesen Wechsel nicht so schlimm. Aus zwei Gründen: Einmal wird mir in den Sequenzen genug angedeutet, um Lara in diese Richtung zu entwickeln. Es gibt klare Punkte, an denen Miss Croft eine andere Richtung einschlägt: Von "Oh mein Gott, wir werden alle sterben und was mache ich hier nur?" über "Okay, wenns dann sein muss, gehe ich mal los" hin zu "Lets do it! Und wenn nötig, nehme ich so viele wie möglich mit mir!" Mir hat das eigentlich ganz gut gefallen. Auf der anderen Seite bin ich auch nicht mit der geladenen Pumpgun in die Menge gestürmt, wenn es sich angeboten hat. Das Spiel lässt das zweifelsohne zu. Man kann Rambo-Lara zocken. Mit Granaten um sich werfen und alles elegant exekutieren, wenn man will. Aber man muss nicht. Auf schwer hat es sich sogar öfter angeboten die Umgebung, vorrangig Fässer, zu benutzen, um Gegner auszuschalten. Oder man hat einen kleinen Spähtrupp mit einem Pfeil abgelenkt und dann heimlich nach einander ausgeschaltet. Es gibt sogar 2-3 Passagen im Spiel, die eher an Metal Gear erinnern, als an Gears of War. Vielleicht kam ich den Entwicklern im Storytelling mit meiner Spielweise entgegen.
Allgemein ist die neue Lara mit viel mehr Tiefe ausgestattet, als die alte. Denn die hatte ja keine. Deshalb ist auch hier nicht jede Verbesserung ein Wunder. Trotzdem leidet der Spieler, in dem Fall ich, unglaublich mit der Protagonistin mit. Was dann des öfteren wirklich so aussieht:
Davon mal ab, dass es mit Lara oft und schnell zu Ende geht, muss sie durch die Story viele Verluste einstecken und ich habe richtig gemerkt, wie das diese junge Ding geprägt hat. Man fühlt mit. Und so ähnlich wie bei TWD, bei der man Lee und Clementine alles gute wünscht und auf das Beste hofft, hofft man mit Lara mit. Das Spiel nimmt sich viel Zeit, um diese Aspekte auszuleuchten. Das ist also auf jeden Fall ein Highlight!
Uncharted-Klon?
Gehen wir mal strickt weiter zum nächsten Punkt. Ist Tomb Raider nur ein Uncharted?
In gewissen Aspekten ist es das. Die Charaktere und die Story werden absolut filmreif inszeniert. Und es gibt Momente, wo es derart knallt, dass das Level regelrecht lebendig wird. Da stürzen Brücken ein, Mauern bröckeln, Häuser werden verweht, da stürzen Dinge ab und dann gibts noch diese tollen Action Action Action Passagen, die einen gar nicht mehr zur Ruhe kommen lassen wollen. Das hat Uncharted vorgemacht und das hat Tomb Raider übernommen. Aber der Fokus in der Präsentation liegt halt auf Lara. Lara ist genau das, was einem Uncharted so bitterlich fehlt. Eine Hauptfigur, mit der man mitfühlt. Währen Nathan Drake der coole Sunnyboy ist, der mit lockerem Spruch von einem Schlamassel ins nächste stürzt und dabei noch ein wenig "stress" mit seinen Begleiterinnen hat, ist Tomb Raider hier meilenweit vorne. Hier geht es nicht darum, ob sonderlich viel auf dem Bildschirm los ist, hier geht es darum, ob Lara das überlebt, was da auf dem Bildschirm los ist. Und für mich hat sich das dadurch immens intensiviert. Auch hier weise ich darauf hin, dass es eine Sache des Geschmacks ist. Ich kann mit Nathan Drake überhaupt nichts anfangen und für mich ist diese Figur einfach nur überflüssig. Wer gerne den Fokus auf Charaktere liegt, muss sich Tomb Raider kaufen.
Auch im Gamplay gibt es Gemeinsamkeiten: Beide klettern, und beide können schießen. Das wars dann auch schon. Während man in Uncharted Gegnerwelle, um Gegnerwelle in zähen Deckungsgefechten niederringen muss, ist TR hier eindeutlich besser im Gunplay. Es kommen zwar Gegner vor, manchmal auch ein paar mehr, aber wenn die einmal erledigt sind, dann sind die auch erledigt. In Deckung geht Lara übrigens von alleine, dadurch wirkt das alles viel lebendiger und kurzweiliger. Das funktioniert auch ganz hervorragend. Zudem wird auch weniger gekämpft als in Uncharted. Wer sich also schon voreilig auf einen Shooter gefreut hat, wird leider enttäuscht. Ein Shooter ist es nun wirklich nicht.
Ist Tomb Raider noch ein Tomb Raider?
Bisher gibt es keine großen Dispute, ob TR ein tolles Spiel ist. Sehr wohl aber darüber, ob es noch ein TR ist. Denn es hat, unzweifelbar viele Gameplayelemte aufgegeben, die in früheren Teilen nicht wegzudenken waren: Schalterrätsel, Schlauchlevel und große Gräber. Die Hauptänderung in diesem Spiel liegt wohl darin, dass man selten ein Rätsel lösen muss, um in der Story voranzukommen. Das war in alten Teilen undenkbar. Die meisten Rätsel finden in optionalen kleinen Gräbern statt, die ruhig üppiger hätten ausfallen können. Rätseln, wird das also optional? Zum großen Teil schon. Wer gerne Schalterrätsel gelöst hat, wird vom neuen Tomb Raider enttäuscht sein. Die Insel, auf der das neue TR spielt ist sehr groß und zusammenhängend, aber es ist in diesem Sinne kein Level mehr. Deshalb auch die Bezeichung HUB, oder in Deutsch: Areale. Diese sind frei begehbar, zeichnen sich durch viele Ebenen aus und sind vollgestopft mit Zeug, welches man Entdecken kann. Dokumente, Relikte, Geocaches und diverse Herausforderungen gilt es zu suchen. Im Gegensatz zu alten TR-Teilen bringen die einem auch etwas. Entweder etwas über Story oder Charaktere oder aber Erfahrungspunkte oder Güter zum Leveln der Figur oder Waffen. Und hier haben wir schon das Problem entdeckt: Während in den alten Teilen es absolut notwendig Dinge zu suchen (Also Schalter) muss man das hier auch nicht bis ins Detail auskosten. Wer das nicht macht, verzichtet also freiwillig darauf, die Level zu erkunden. Und dabei gehen so einige schöne Kletterpassagen und vor allem TR-Atmo verloren. Wer allerdings gerne Zeug einsammelt, der kommt hier voll auf seine Kosten. Mit all dem, was Tomb Raider ausgemacht hat: Zeug suchen, Weg überlegen und dann irgendwie auch dahin kommen. Wenn das Tomb Raider ausmacht, dann ist das neue Tomb Raider eines der besten Tomb Raider überhaupt. Wer das fallen lässt, die Gräber nicht besucht, keine Dokumente finden will, der ist nicht nur schnell durch mit dem Spiel, sondern hat auch nicht alles von den Leveln gesehen. Es bleibt so jedem selbst überlassen, was er sammeln mag und was nicht. So ähnlich wie beim ersten Problem, ob die Darstellung von Lara glaubwürdig ist, so entscheidet sich für mich auch die Frage, ob dieses TR ein TR ist. Ich habe gerne alles gesammelt und damit auch 25-30h rumgekriegt, kenne jedes Hub in und auswendig und würde diesem Spiel also keinen Mangel in dieser Hinsicht andichten. Denn, die Zeiten an denen ich 500m nach Links für einen Schalter und dann wieder 800m nach Rechts für die entsprechende Tür laufe, sind für mich vorbei. Jetzt überlege ich lieber, wie ich an das dumme Dokument komme.
Artdesign
Das ist neben dem schönen Gameplay und der Figur Lara, mein Highlight. Diese Insel ist, für eine Insel, storybedingt recht abwechslungsreich und vor allem groß. Das alte Japan für mich als Setting noch recht unverbraucht und es sieht wunderbar aus. Schon alleine, wenn man das Intro gespielt hat, und dann auf diese Küste starrt mit den gestrandeten Schiffen, mag einen Ausblick geben, auf das, was noch kommt. Man merkt dem Spiel auch des Entwicklers Liebe zum Detail an. Und das nicht nur an Lara, sondern vor allem daran, wie voll und handgepickt die Level sind. Da will ich nicht zu viel verraten, das soll jeder selber entdecken.
Story
Tja, hier hat man sich auch keine Blöße gegeben. Aber mehr als solide kommt dabei nicht rum. Laras Crew standet auf einer Insel, und scheinbar kann diese niemand verlassen. Warum nur? Der Spieler hat eigentlich relativ schnell begriffen, wohin der Hase läuft und die Details kommen dann später. Für eine gute Story sind wohl auch die Nebencharaktere nicht tief genug. Irgendwie hat man hier alles schon mal gesehen und nickt dankend ab.
Was macht TR denn jetzt so besonders?
Ich hab mich bemüht kein Hype-Beitrag ala "Lara is so geil, kauft das Spiel" abzuliefern. Und genug gesehen hat eh jeder davon. Dennoch bringt dieses Spiel einfach alles zusammen. Die Grafik ist grandios. Der Sound echt satt. Das Gunplay geht leicht und locker von der Hand, die Waffen haben zudem noch richtig Wumms. Aber es gibt als Kontrast unglaublich viel zu entdecken und ich persönlich habe sicher zu 2/3 entdeckt und gesammelt und zu 1/3 die Gedärme aus den Körpern meiner Feinde entfernt, auf die ein oder andere Weise. Das finde ich okay, habe ich doch den Eindruck, dass es bei Uncharted, im besten Fall, genau andersherum war. Hier ist also für jeden etwas dabei. Zudem haben wir eine volle Insel, die einfach gut anzuschauen ist und einem viel bietet und zu guter letzt, hat TR einfach Lara. Ohne Lara und mit dem, was genau mit ihr passiert, wäre das Spiel nur halb so schockierend, halb so mitreißend, halb so hinreißend und vor allem ohne Kontakt zum Spieler. Wer Tomb Raider also noch nicht auf dem Schirm hatte, kann es sich angucken. Wer es sich überlegt zu kaufen, sollte das irgendwann tun und wer es gerade spielt, soll es genießen ohne Ende!
Ist da, wo viel Licht ist, auch viel Schatten?
Ein wenig gibt es schon. Ich persönlich hatte keine gravierenden Bugs im Spiel. Aber andere haben mit kleinen bis großen Bugs zu kämpfen. Da muss noch ein Patch kommen. Die Gegner sind nicht so abwechslungsreich und sorgen weder im Design noch mit ihrer KI für Aufsehen. Um an die DLC zu kommen, muss man sich umständlich bei Square eintragen. Lara kann, wie gesagt, gelevelt werden, aber man braucht eigentlich gar nicht alle Fähigkeiten fürs Spiel. Das war also RPG-Light und hätte mehr Gewicht haben können. So bleibt es ganz nett. Und dieser ausgestöbselte Multiplayer sollte gar keine Erwähnung finden. Aber das sind alles keine Dealbreaker, die einem den Spaß trüben können. Da haben wir schon ganz andere Dinge gesehen.
Für mich ist dieses Spiel das Spiel dieser Generation. Leicht vor RDR und Skyrim, die einfach keinen Larabonus haben. Am Ende eine Sache des Geschmacks und der Spielart, wie hoch die persönliche Wertung dieses Titels ist.

