Meine Erwartungen an das neue Splinter Cell: Keine. Wie auch, scheint UbiSoft selbst nicht so genau zu wissen, wo die Serie eigentlich hin gehen sollte. Nach dem Highlight Chaos Theory verlor die Serie ein wenig den Faden, nachdem Splinter Cell anno 2002 dafür gesagt hatte, dass jedes Spiel eine Stealtheinlage haben musste, bis dann Conviction nach etlichen Neuausrichtungen letztlich als halbherziger Stealth-Shooter-Hybrid daher kam und Storywendungen brachte, die selbst J.J. Abrams zu dämlich wären. Ok, das ist unfair, Abrams ist offenkundig nichts zu dämlich, aber Sarahs Wiederauferstehung war schon reichlich behämmert.
Aus alt mach Sam
Wie geht es Sam heute? Ganz gut, er ist Leiter seiner eigenen übergesetzlichen Killertruppe und von der Präsidentin persönlich beauftragt, eine Terrorgruppe namens Blacklist (oder The Engineers? Es ist alles so kompliziert...) zu bekämpfen (nach Obama ist der schwarze Präsident out, Frauen müssen es jetzt sein, damit man modern wirkt. Wieso nicht, haben doch Merkel, von der Laien und Konsorten bewiesen, dass Inkompetenz geschlechtslos ist).
Mit von der Partie sind Anna „Grim“ Grimsdottier, üppiger gebaut denn je, der Quoten-Schwarze, der Nerd und ein Krimineller, der scheinbar eine Rolle in Conviction gespielt hat. Ok, sorry, es ist ein Tom Clancy Spiel einer Tom Clancy Reihe. Ich kenne Sam, Grim, aus alter Verbundenheit noch Lambert, aber der ist nur ein Rauschen. Ich finde es etwas mutig, Charaktere aus einem 3 Jahre alten Spiel aufleben zu lassen im Glauben, irgendwer wüsste noch wer das ist. Auch Blacklist ist nur eine Aneinanderreihung zugegebenermaßen dramatischer Ereignisse, aber ohne Überraschungen oder besondere Vorkommnisse. Amerika ist bedroht, unsere Agenten retten es... funktional, aber nichts besonderes. Gut gefallen kann allerdings der Antagonist, dargestellt von Carlo Rota (Morris O'Brian, Chloes Mann aus 24). Stark gespielt erreicht er eine Klasse, die ihm eigentlich nicht zusteht. Der Story tut dies aber nur gut, auch wenn die Dialoge mehr als einmal in die Mottenkiste greifen (Preisfrage: Was folgt auf „It's over!“?)
Drop your Weapon! I'm a federal agent!
Wo ich 24 schon erwähnte, näher als Splinter Cell wird man wohl an ein echtes (gutes!) 24 Spiel nicht heran kommen. Mehr noch als in Conviction hechtet Blacklist von Ereignis zu Ereignis, gespickt mit Bomben, Anschlägen und Patriotismus. Es fehlen lediglich einige Plottwists und für ein echtes 24 Erlebnis überleben zu viele, aber um fair zu sein, letzteres kann Sam in verschiedenen Szenen beeinflussen. Dem Anschein nach gibt es auch mindestens zwei verschiedene Endsequenzen, je nachdem, wen Sam so alles leben lässt. Die lächerlichen Folterszenen aus Conviction sind durch Cutszenes ersetzt worden, wobei bemerkenswert ist, wie schnell die Terroristen bei leichtestem Schmerz aufgeben. Dies steht im krassen Gegensatz zum Verteidigungsminister.
Aber wer einen Clancy der Story wegen spielt, der hat nie eines seiner Bücher versucht zu lesen (spannend wie die Bedienungsanleitung einer Waschmaschine). Als Leiter der 4thEchelon kommandiert Sam das Flugzeug Paladin, welches als Zentrale dient. In stylischer Manier fungieren alle dortigen Terminale und Bildschirme, um Spielstatistiken anzugeben. Ihr könnt mit eurer Crew reden, das Flugzeug upgraden, was sich direkt im Spiel auswirkt (in Form von Radaranzeigen oder Zugang zu neuen Waffen), ihr könnt aber auch an der taktischen Karte zwischen Haupt- und Nebenmissionen auswählen.
Die Nebenmissionen sind in drei Kategorien eingeteilt, die den drei Spielstilen entsprechen. Für Grim macht ihr eine Reihe von Infiltratiosmissionen. Werdet ihr einmal entdeckt, war es das. Wie ein Geist (daher der Name dieses Stils) müsst ihr drei Ziele ansteuern und dann den Weg zum Ausgang finden. Ihr dürft unterwegs alle Beteiligten ausschalten, tödlich oder auch nicht, nur gesehen werden dürft ihr nicht. Leider sind diese teils recht langen und langsamen Missionen ohne Checkpoints, was den Frustfaktor etwas erhöht. Tip: Sniperrifle! Hilft ungemein.
Der nächste Schritt sind Korbins Kill'em all Missionen. Ihr startet in einem Areal und steht vor er Aufgabe, eine Gruppe von Söldnern auszuschalten. Entgegen der Missionsbeschreibung müsst ihr sie nicht töten, wohl aber niederstrecken. Unentdeckt zu bleiben ist kein Muss, aber doch dringend angeraten, wenn ihr euch nicht grad mit einem Dutzend gepanzerter Helghast anlegen wollt.
Als letztes gibt es was für die Actionfreunde: Für Charlie macht ihr eine Reihe von Survival-Horde Missionen, in denen ihr mindestens fünf Wellen aufmarschierender Feinde ausschalten sollt. Ja, ich war auch geschockt.
Wenigstens sind die Maps gut designt. Camping funktioniert in keinem Fall, stattdessen wird viel Bewegung belohnt. Die drei Missionsarten lassen sich alleine oder kooperativ spielen. Wer alleine spielt, hat leider den Nachteil, dass ihm ein Teil der Optionen verwehrt wird. Bestimmte Routen sind Menschen mit Freunden vorbehalten, sodass man solo ein leichtes Handicap mit sich trägt.
Briggs' Missionen sind sogar Coop-only. Logischerweise kann ich zu diesen keine Stellung nehmen. Das Gleiche gilt für die Spy vs. Merc Geschichten.
Worldtour
Die Hauptmissionen sind so abwechslungsreich wie in kaum einem Teil der Reihe zuvor und bieten von den üblichen Irak, Iran, La Schurkistan auch Gebiete wie London und Städte der USA. Innen- und Außenareale wechseln sich fließend ab und eingestreute Setpieces wirken nicht nur wie Trailermaterial, sondern lockern das Spiel auf und geben der Story etwas Gewicht. Einer der beeindruckendsten Ort ist Guantanamo Bay, auch wenn die eigentliche Mission nicht viel her macht. Sehr geil ist eine Mission im letzten Drittel an Bord der Paladin. Zur weiteren Abwechslung kommen ebenfalls recht kurze Dronenmissionen im Stile von Call of Duty zum Einsatz, diese nehmen aber nur wenige Minuten ein und passen sich besser ins Spiel ein als man glauben könnte. Ein großer Teil der Missionen fühlt sich an wie das Splinter Cell der letzten Generation. Ihr spielt im Dunkel, schießt Lampen aus und schleicht um Gegner herum. Es gibt auch die Missionen bei Tageslicht im Freien, die etwas weniger Spaß machen, aber immer noch besser sind als im direkten Vorgänger.
Sams Ausrüstung ist nur noch als massiv zu bezeichnen. Vor den Missionen könnt ihr Sam nach euren Vorlieben ausrüsten, freilich gegen Entgelt, welches ihr für das Erfüllen der Missionen und kleinerer Nebenziele erhaltet. Wer lieber unbemerkt bleibt (und ernsthaft, alle anderen haben hier eh nix verlore, investiert in leisere Anzüge, bei wem ohnehin alles im Kugelhagel endet, der kann auch in Panzerung investieren. Sniper mit Schalldämpfer oder doch lieber die Shotgun? Granaten oder mobile Kamera? Stungun oder Armbrust? Die Liste ist extrem umfangreich und wem das nicht reicht, der klaut einem Insurgent einfach seine AK47. Einige der Upgrades verstecken sich hinter Aufgaben wie dem Beenden aller Missionen für Grim. Weitere allerdings nötigen mich dazu, den Entwicklern bei UbiSoft mal zu zeigen, was ich von ihnen halte. So versteckt sich ein Teil der Ausrüstung hinter Uplay, externen Websites und Apps für Mobiltelefone. Man kann nur froh sein, dass Epic nicht hinter dem Spiel steckt. Ansonsten hätte man womöglich für Schalldämpfer bezahlen müssen.
So viele Möglichkeiten: Ich töte dich, dich, dich auch...
In der Mission ist Sam noch vielfältiger. Er kann sich an Gegnern vorbei schleichen, indem einen der vielen Schleichwege nimmt, Lichter ausschalten, um im Schatten ungesehen zu bleiben und sich mit Hilfe des ikonischen Nachtsichtgerätes einen Vorteil zu verschaffen. Er kann mit seinem Messer Raum für Raum, Feind für Feind leeren oder die Gegner auch nur mit bloßen Händen k.o schlagen. Erlegte Feinde können vor Ort belassen oder versteckt werden. Er kann sich auch eine erhöhte Position suchen und mit einer Sniper die Umgebung im Vorfeld säubern. Wer es mag, kann auch einfach mit Shotgun und Granate sich den Weg frei schießen. Aber nochmal, wer das mag, ist hier im Grunde falsch. Zu beachten ist, dass nur betäubte Gegner wieder belebt werden können. Bei getöteten funktioniert das nicht so gut. Nebenbei: Das schnelle Ausschalten mittels Kampfmesser ist einfach cooler als der gute alte Sleeperhold. Das Mark and Execute Feature aus Conviction ist ebenfalls zurück (auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad nicht verfügbar). Schaltet das Feature frei durch einen Takedown oder eine Reihe guter Schüsse und ihr könnt bis zu drei Gegner markieren und in einem stylischem Kameraschwenk per Knopfdruck zeitgleich ausschalten. Ich habe es bei weitem nicht so oft benutzt wie in Conviction, aber manchmal ist es schon befriedigend.
Bei so vielen Optionen wundert es nicht, wenn die Steuerung ein wenig überladen wirkt. Die Entwickler haben bereits versucht, die Steuerung so einfach wie möglich zu halten, aber ohne Erfolg. Schnelles Wechseln der Waffen funktioniert über das Steuerkreuz, das Durchschalten über Halten des Kreuzes und Auswählen mit den Sticks. In diesem Menü könnt ihr auch das Messer an- und ablegen. Aktionen wie das Öffnen und Schließen von Türen, Ausschalten von Lichtern, Benutzen von Gegenständen und Klettern liegen alle kontextsensitiv auf einer Taste, was zu erheblichen Problemen führen kann, wenn mehrere Optionen nahe bei einander sind. Sam kann auch in Deckung gehen und (wie in Conviction) per Tastendruck von Deckung zu Deckung hechten. Erneut kann das Interface an seine Grenzen stoßen, wenn viel auf engem Raum zusammen kommt.
Falsches Spiel, Jungs!
Die Gegner verlangen auch durchaus verschiedene Strategien. Lassen sich normale Soldaten noch recht einfach ausschalten, erwarten Gegner mit Kopfbedeckung schon etwas mehr als einen einfachen Headshot. Die Helghast lassen sich nur von hinten oder oben ausschalten, mit viel Glück reicht ein Kopftreffer aus einer aufgelevelten Sniper, ansonsten sind die Gesellen kaum klein zu kriegen. Am widerlichsten sind wieder Mal die Hunde, die Sam aus 100 Metern Entfernung riechen können.
Abgesehen von diesen generellen Problemen in Details steuert sich Sam wie zu guten alten Zeiten. Killing in Motion erlaubt flinken Spielern sogar das Ausschalten mehrerer Gegner in Folge. Mit all diesen Optionen macht Blacklist auch bei einem zweiten Versuch noch Spaß, da man nun ganz andere Wege gehen kann, buchstäblich und im übertragenen Sinn. Checkpoints könnten etwas häufiger gesetzt werden, aber generell hält sich Frust in der eigentlichen Kampagne in Grenzen.
Wenn alles zusammen kommt, ist Blacklist fantastisch. Die Mischung aus Thriller, abwechslungsreichen Settings und vielfältigem Gameplay bei gleichzeitiger Annäherung an die klassischen Games trifft genau die Mitte zwischen modernem Actionspiel und klassischem Stealth. Zum Glück passt es auch meistens. Nur gelegentlich kämpfen Steuerung und überladene Level gegen den Spieler.
Stealthspiele sind für Geduldige. Nirgends wird dies deutlicher als in der Vorbereitung der 360 Version. Nach dem Installieren des HD Packs und der Installation der beiden (!) DVDs wartet noch ein DayOne Patch darauf geladen zu werden. Der gesamte Vorgang dauert knapp eine Stunde. Plug and Play war gestern. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn Charaktere zwischen realistisch und gruselig schwanken. Sams Animationen sind wie immer grandios und die Lichteffekte wie immer die Highlights. Wer allerdings empfindlich auf Screentearing reagiert, sollte dieses Spiel meiden wie die Pest. Was in den Cutszenes hier geboten wird, grenzt an Körperverletzung.
Stark ist auch der Soundtrack, der mit absolut filmreifer Musik den Puls höher schnellen lässt. Auf Kritik hingegen ist Sams Sprecher gestoßen, der erstmalig nicht von Michael Ironside gesprochen wird. Zwar war ich nie sein größter Fan, muss aber andererseits zugeben, dass seine Performance mehr Persönlichkeit hatte als der jetzige Sam. Nicht, dass dieser schlecht wäre, aber nach über 10 Jahren grundlos den Sprecher wechseln, kann nur in Kritik enden. Für alle, die das Spiel auf deutsch spielen, gibt es die gute Nachricht, dass Martin Kessler erneut Sams Rolle übernimmt. Carlo Rotas toller Antagonist wurde ja bereits erwähnt.
Die Lösung des Terrorismus: Schickt einfach einen Ninja mit einem Messer in den Irak!
Einige der besten Spielerlebnisse hat man, wenn man keine Erwartungen hat. Nach dem Wandel von reinem Stealthgame im Dunklen bis hin zum Shooter mit gelegentlichen Stealtheinlagen gelingt hier der Spagat zwischen Stealth und Action, Gameplay und Story, linearem Skript und freien Level erstaunlich gut. Die Kampagne ist lang und höchst abwechslungsreich, die verschiedene Stile, die damit verbundenen Punkte und die reichhaltige Vielfalt an Waffen und Gadgets erlauben vollkommen unterschiedliche Spielweisen und regen zu weiteren Durchgängen. Tolle Locations und ein Hauch von Teammanagement sind ebenfalls dabei. Die Story ist dramatisch, aber die Charaktere bleiben mit Ausnahmen von Briggs (und Grim, hehe) etwas flach.
Sei es drum, das Kerngameplay stimmt. Letztlich kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Splinter Cell zurück ist und Blacklist den besten Teil der Reihe seit Chaos Theory darstellt. Keinen Moment zu früh, denn wäre Blacklist nach Conviction wieder nur ein banaler Shooter geworden, hätte die Reihe womöglich nicht zuletzt angesichts des anstehenden Generationswechsels ihre Daseinsberechtigung verloren. So hingegen sehe ich mit Zuversicht und Freude auf ein NextGen Splinter Cell. Vielleicht reicht ja die Leistung der PS4 knapp aus, um Splinter Cell tearingfrei zu bekommen.
Aus alt mach Sam
Wie geht es Sam heute? Ganz gut, er ist Leiter seiner eigenen übergesetzlichen Killertruppe und von der Präsidentin persönlich beauftragt, eine Terrorgruppe namens Blacklist (oder The Engineers? Es ist alles so kompliziert...) zu bekämpfen (nach Obama ist der schwarze Präsident out, Frauen müssen es jetzt sein, damit man modern wirkt. Wieso nicht, haben doch Merkel, von der Laien und Konsorten bewiesen, dass Inkompetenz geschlechtslos ist).
Mit von der Partie sind Anna „Grim“ Grimsdottier, üppiger gebaut denn je, der Quoten-Schwarze, der Nerd und ein Krimineller, der scheinbar eine Rolle in Conviction gespielt hat. Ok, sorry, es ist ein Tom Clancy Spiel einer Tom Clancy Reihe. Ich kenne Sam, Grim, aus alter Verbundenheit noch Lambert, aber der ist nur ein Rauschen. Ich finde es etwas mutig, Charaktere aus einem 3 Jahre alten Spiel aufleben zu lassen im Glauben, irgendwer wüsste noch wer das ist. Auch Blacklist ist nur eine Aneinanderreihung zugegebenermaßen dramatischer Ereignisse, aber ohne Überraschungen oder besondere Vorkommnisse. Amerika ist bedroht, unsere Agenten retten es... funktional, aber nichts besonderes. Gut gefallen kann allerdings der Antagonist, dargestellt von Carlo Rota (Morris O'Brian, Chloes Mann aus 24). Stark gespielt erreicht er eine Klasse, die ihm eigentlich nicht zusteht. Der Story tut dies aber nur gut, auch wenn die Dialoge mehr als einmal in die Mottenkiste greifen (Preisfrage: Was folgt auf „It's over!“?)
Drop your Weapon! I'm a federal agent!
Wo ich 24 schon erwähnte, näher als Splinter Cell wird man wohl an ein echtes (gutes!) 24 Spiel nicht heran kommen. Mehr noch als in Conviction hechtet Blacklist von Ereignis zu Ereignis, gespickt mit Bomben, Anschlägen und Patriotismus. Es fehlen lediglich einige Plottwists und für ein echtes 24 Erlebnis überleben zu viele, aber um fair zu sein, letzteres kann Sam in verschiedenen Szenen beeinflussen. Dem Anschein nach gibt es auch mindestens zwei verschiedene Endsequenzen, je nachdem, wen Sam so alles leben lässt. Die lächerlichen Folterszenen aus Conviction sind durch Cutszenes ersetzt worden, wobei bemerkenswert ist, wie schnell die Terroristen bei leichtestem Schmerz aufgeben. Dies steht im krassen Gegensatz zum Verteidigungsminister.
Aber wer einen Clancy der Story wegen spielt, der hat nie eines seiner Bücher versucht zu lesen (spannend wie die Bedienungsanleitung einer Waschmaschine). Als Leiter der 4thEchelon kommandiert Sam das Flugzeug Paladin, welches als Zentrale dient. In stylischer Manier fungieren alle dortigen Terminale und Bildschirme, um Spielstatistiken anzugeben. Ihr könnt mit eurer Crew reden, das Flugzeug upgraden, was sich direkt im Spiel auswirkt (in Form von Radaranzeigen oder Zugang zu neuen Waffen), ihr könnt aber auch an der taktischen Karte zwischen Haupt- und Nebenmissionen auswählen.
Die Nebenmissionen sind in drei Kategorien eingeteilt, die den drei Spielstilen entsprechen. Für Grim macht ihr eine Reihe von Infiltratiosmissionen. Werdet ihr einmal entdeckt, war es das. Wie ein Geist (daher der Name dieses Stils) müsst ihr drei Ziele ansteuern und dann den Weg zum Ausgang finden. Ihr dürft unterwegs alle Beteiligten ausschalten, tödlich oder auch nicht, nur gesehen werden dürft ihr nicht. Leider sind diese teils recht langen und langsamen Missionen ohne Checkpoints, was den Frustfaktor etwas erhöht. Tip: Sniperrifle! Hilft ungemein.
Der nächste Schritt sind Korbins Kill'em all Missionen. Ihr startet in einem Areal und steht vor er Aufgabe, eine Gruppe von Söldnern auszuschalten. Entgegen der Missionsbeschreibung müsst ihr sie nicht töten, wohl aber niederstrecken. Unentdeckt zu bleiben ist kein Muss, aber doch dringend angeraten, wenn ihr euch nicht grad mit einem Dutzend gepanzerter Helghast anlegen wollt.
Als letztes gibt es was für die Actionfreunde: Für Charlie macht ihr eine Reihe von Survival-Horde Missionen, in denen ihr mindestens fünf Wellen aufmarschierender Feinde ausschalten sollt. Ja, ich war auch geschockt.
Wenigstens sind die Maps gut designt. Camping funktioniert in keinem Fall, stattdessen wird viel Bewegung belohnt. Die drei Missionsarten lassen sich alleine oder kooperativ spielen. Wer alleine spielt, hat leider den Nachteil, dass ihm ein Teil der Optionen verwehrt wird. Bestimmte Routen sind Menschen mit Freunden vorbehalten, sodass man solo ein leichtes Handicap mit sich trägt.
Briggs' Missionen sind sogar Coop-only. Logischerweise kann ich zu diesen keine Stellung nehmen. Das Gleiche gilt für die Spy vs. Merc Geschichten.
Worldtour
Die Hauptmissionen sind so abwechslungsreich wie in kaum einem Teil der Reihe zuvor und bieten von den üblichen Irak, Iran, La Schurkistan auch Gebiete wie London und Städte der USA. Innen- und Außenareale wechseln sich fließend ab und eingestreute Setpieces wirken nicht nur wie Trailermaterial, sondern lockern das Spiel auf und geben der Story etwas Gewicht. Einer der beeindruckendsten Ort ist Guantanamo Bay, auch wenn die eigentliche Mission nicht viel her macht. Sehr geil ist eine Mission im letzten Drittel an Bord der Paladin. Zur weiteren Abwechslung kommen ebenfalls recht kurze Dronenmissionen im Stile von Call of Duty zum Einsatz, diese nehmen aber nur wenige Minuten ein und passen sich besser ins Spiel ein als man glauben könnte. Ein großer Teil der Missionen fühlt sich an wie das Splinter Cell der letzten Generation. Ihr spielt im Dunkel, schießt Lampen aus und schleicht um Gegner herum. Es gibt auch die Missionen bei Tageslicht im Freien, die etwas weniger Spaß machen, aber immer noch besser sind als im direkten Vorgänger.
Sams Ausrüstung ist nur noch als massiv zu bezeichnen. Vor den Missionen könnt ihr Sam nach euren Vorlieben ausrüsten, freilich gegen Entgelt, welches ihr für das Erfüllen der Missionen und kleinerer Nebenziele erhaltet. Wer lieber unbemerkt bleibt (und ernsthaft, alle anderen haben hier eh nix verlore, investiert in leisere Anzüge, bei wem ohnehin alles im Kugelhagel endet, der kann auch in Panzerung investieren. Sniper mit Schalldämpfer oder doch lieber die Shotgun? Granaten oder mobile Kamera? Stungun oder Armbrust? Die Liste ist extrem umfangreich und wem das nicht reicht, der klaut einem Insurgent einfach seine AK47. Einige der Upgrades verstecken sich hinter Aufgaben wie dem Beenden aller Missionen für Grim. Weitere allerdings nötigen mich dazu, den Entwicklern bei UbiSoft mal zu zeigen, was ich von ihnen halte. So versteckt sich ein Teil der Ausrüstung hinter Uplay, externen Websites und Apps für Mobiltelefone. Man kann nur froh sein, dass Epic nicht hinter dem Spiel steckt. Ansonsten hätte man womöglich für Schalldämpfer bezahlen müssen.
So viele Möglichkeiten: Ich töte dich, dich, dich auch...
In der Mission ist Sam noch vielfältiger. Er kann sich an Gegnern vorbei schleichen, indem einen der vielen Schleichwege nimmt, Lichter ausschalten, um im Schatten ungesehen zu bleiben und sich mit Hilfe des ikonischen Nachtsichtgerätes einen Vorteil zu verschaffen. Er kann mit seinem Messer Raum für Raum, Feind für Feind leeren oder die Gegner auch nur mit bloßen Händen k.o schlagen. Erlegte Feinde können vor Ort belassen oder versteckt werden. Er kann sich auch eine erhöhte Position suchen und mit einer Sniper die Umgebung im Vorfeld säubern. Wer es mag, kann auch einfach mit Shotgun und Granate sich den Weg frei schießen. Aber nochmal, wer das mag, ist hier im Grunde falsch. Zu beachten ist, dass nur betäubte Gegner wieder belebt werden können. Bei getöteten funktioniert das nicht so gut. Nebenbei: Das schnelle Ausschalten mittels Kampfmesser ist einfach cooler als der gute alte Sleeperhold. Das Mark and Execute Feature aus Conviction ist ebenfalls zurück (auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad nicht verfügbar). Schaltet das Feature frei durch einen Takedown oder eine Reihe guter Schüsse und ihr könnt bis zu drei Gegner markieren und in einem stylischem Kameraschwenk per Knopfdruck zeitgleich ausschalten. Ich habe es bei weitem nicht so oft benutzt wie in Conviction, aber manchmal ist es schon befriedigend.
Bei so vielen Optionen wundert es nicht, wenn die Steuerung ein wenig überladen wirkt. Die Entwickler haben bereits versucht, die Steuerung so einfach wie möglich zu halten, aber ohne Erfolg. Schnelles Wechseln der Waffen funktioniert über das Steuerkreuz, das Durchschalten über Halten des Kreuzes und Auswählen mit den Sticks. In diesem Menü könnt ihr auch das Messer an- und ablegen. Aktionen wie das Öffnen und Schließen von Türen, Ausschalten von Lichtern, Benutzen von Gegenständen und Klettern liegen alle kontextsensitiv auf einer Taste, was zu erheblichen Problemen führen kann, wenn mehrere Optionen nahe bei einander sind. Sam kann auch in Deckung gehen und (wie in Conviction) per Tastendruck von Deckung zu Deckung hechten. Erneut kann das Interface an seine Grenzen stoßen, wenn viel auf engem Raum zusammen kommt.
Falsches Spiel, Jungs!
Die Gegner verlangen auch durchaus verschiedene Strategien. Lassen sich normale Soldaten noch recht einfach ausschalten, erwarten Gegner mit Kopfbedeckung schon etwas mehr als einen einfachen Headshot. Die Helghast lassen sich nur von hinten oder oben ausschalten, mit viel Glück reicht ein Kopftreffer aus einer aufgelevelten Sniper, ansonsten sind die Gesellen kaum klein zu kriegen. Am widerlichsten sind wieder Mal die Hunde, die Sam aus 100 Metern Entfernung riechen können.
Abgesehen von diesen generellen Problemen in Details steuert sich Sam wie zu guten alten Zeiten. Killing in Motion erlaubt flinken Spielern sogar das Ausschalten mehrerer Gegner in Folge. Mit all diesen Optionen macht Blacklist auch bei einem zweiten Versuch noch Spaß, da man nun ganz andere Wege gehen kann, buchstäblich und im übertragenen Sinn. Checkpoints könnten etwas häufiger gesetzt werden, aber generell hält sich Frust in der eigentlichen Kampagne in Grenzen.
Wenn alles zusammen kommt, ist Blacklist fantastisch. Die Mischung aus Thriller, abwechslungsreichen Settings und vielfältigem Gameplay bei gleichzeitiger Annäherung an die klassischen Games trifft genau die Mitte zwischen modernem Actionspiel und klassischem Stealth. Zum Glück passt es auch meistens. Nur gelegentlich kämpfen Steuerung und überladene Level gegen den Spieler.
Stealthspiele sind für Geduldige. Nirgends wird dies deutlicher als in der Vorbereitung der 360 Version. Nach dem Installieren des HD Packs und der Installation der beiden (!) DVDs wartet noch ein DayOne Patch darauf geladen zu werden. Der gesamte Vorgang dauert knapp eine Stunde. Plug and Play war gestern. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn Charaktere zwischen realistisch und gruselig schwanken. Sams Animationen sind wie immer grandios und die Lichteffekte wie immer die Highlights. Wer allerdings empfindlich auf Screentearing reagiert, sollte dieses Spiel meiden wie die Pest. Was in den Cutszenes hier geboten wird, grenzt an Körperverletzung.
Stark ist auch der Soundtrack, der mit absolut filmreifer Musik den Puls höher schnellen lässt. Auf Kritik hingegen ist Sams Sprecher gestoßen, der erstmalig nicht von Michael Ironside gesprochen wird. Zwar war ich nie sein größter Fan, muss aber andererseits zugeben, dass seine Performance mehr Persönlichkeit hatte als der jetzige Sam. Nicht, dass dieser schlecht wäre, aber nach über 10 Jahren grundlos den Sprecher wechseln, kann nur in Kritik enden. Für alle, die das Spiel auf deutsch spielen, gibt es die gute Nachricht, dass Martin Kessler erneut Sams Rolle übernimmt. Carlo Rotas toller Antagonist wurde ja bereits erwähnt.
Die Lösung des Terrorismus: Schickt einfach einen Ninja mit einem Messer in den Irak!
Einige der besten Spielerlebnisse hat man, wenn man keine Erwartungen hat. Nach dem Wandel von reinem Stealthgame im Dunklen bis hin zum Shooter mit gelegentlichen Stealtheinlagen gelingt hier der Spagat zwischen Stealth und Action, Gameplay und Story, linearem Skript und freien Level erstaunlich gut. Die Kampagne ist lang und höchst abwechslungsreich, die verschiedene Stile, die damit verbundenen Punkte und die reichhaltige Vielfalt an Waffen und Gadgets erlauben vollkommen unterschiedliche Spielweisen und regen zu weiteren Durchgängen. Tolle Locations und ein Hauch von Teammanagement sind ebenfalls dabei. Die Story ist dramatisch, aber die Charaktere bleiben mit Ausnahmen von Briggs (und Grim, hehe) etwas flach.
Sei es drum, das Kerngameplay stimmt. Letztlich kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Splinter Cell zurück ist und Blacklist den besten Teil der Reihe seit Chaos Theory darstellt. Keinen Moment zu früh, denn wäre Blacklist nach Conviction wieder nur ein banaler Shooter geworden, hätte die Reihe womöglich nicht zuletzt angesichts des anstehenden Generationswechsels ihre Daseinsberechtigung verloren. So hingegen sehe ich mit Zuversicht und Freude auf ein NextGen Splinter Cell. Vielleicht reicht ja die Leistung der PS4 knapp aus, um Splinter Cell tearingfrei zu bekommen.

Weil mir das erst in London zum ersten mal bewusst auffiel.

