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REVIEW Splinter Cell: Blacklist

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Meine Erwartungen an das neue Splinter Cell: Keine. Wie auch, scheint UbiSoft selbst nicht so genau zu wissen, wo die Serie eigentlich hin gehen sollte. Nach dem Highlight Chaos Theory verlor die Serie ein wenig den Faden, nachdem Splinter Cell anno 2002 dafür gesagt hatte, dass jedes Spiel eine Stealtheinlage haben musste, bis dann Conviction nach etlichen Neuausrichtungen letztlich als halbherziger Stealth-Shooter-Hybrid daher kam und Storywendungen brachte, die selbst J.J. Abrams zu dämlich wären. Ok, das ist unfair, Abrams ist offenkundig nichts zu dämlich, aber Sarahs Wiederauferstehung war schon reichlich behämmert.

Aus alt mach Sam

Wie geht es Sam heute? Ganz gut, er ist Leiter seiner eigenen übergesetzlichen Killertruppe und von der Präsidentin persönlich beauftragt, eine Terrorgruppe namens Blacklist (oder The Engineers? Es ist alles so kompliziert...) zu bekämpfen (nach Obama ist der schwarze Präsident out, Frauen müssen es jetzt sein, damit man modern wirkt. Wieso nicht, haben doch Merkel, von der Laien und Konsorten bewiesen, dass Inkompetenz geschlechtslos ist).

Mit von der Partie sind Anna „Grim“ Grimsdottier, üppiger gebaut denn je, der Quoten-Schwarze, der Nerd und ein Krimineller, der scheinbar eine Rolle in Conviction gespielt hat. Ok, sorry, es ist ein Tom Clancy Spiel einer Tom Clancy Reihe. Ich kenne Sam, Grim, aus alter Verbundenheit noch Lambert, aber der ist nur ein Rauschen. Ich finde es etwas mutig, Charaktere aus einem 3 Jahre alten Spiel aufleben zu lassen im Glauben, irgendwer wüsste noch wer das ist. Auch Blacklist ist nur eine Aneinanderreihung zugegebenermaßen dramatischer Ereignisse, aber ohne Überraschungen oder besondere Vorkommnisse. Amerika ist bedroht, unsere Agenten retten es... funktional, aber nichts besonderes. Gut gefallen kann allerdings der Antagonist, dargestellt von Carlo Rota (Morris O'Brian, Chloes Mann aus 24). Stark gespielt erreicht er eine Klasse, die ihm eigentlich nicht zusteht. Der Story tut dies aber nur gut, auch wenn die Dialoge mehr als einmal in die Mottenkiste greifen (Preisfrage: Was folgt auf „It's over!“?)

Drop your Weapon! I'm a federal agent!

Wo ich 24 schon erwähnte, näher als Splinter Cell wird man wohl an ein echtes (gutes!) 24 Spiel nicht heran kommen. Mehr noch als in Conviction hechtet Blacklist von Ereignis zu Ereignis, gespickt mit Bomben, Anschlägen und Patriotismus. Es fehlen lediglich einige Plottwists und für ein echtes 24 Erlebnis überleben zu viele, aber um fair zu sein, letzteres kann Sam in verschiedenen Szenen beeinflussen. Dem Anschein nach gibt es auch mindestens zwei verschiedene Endsequenzen, je nachdem, wen Sam so alles leben lässt. Die lächerlichen Folterszenen aus Conviction sind durch Cutszenes ersetzt worden, wobei bemerkenswert ist, wie schnell die Terroristen bei leichtestem Schmerz aufgeben. Dies steht im krassen Gegensatz zum Verteidigungsminister.

Aber wer einen Clancy der Story wegen spielt, der hat nie eines seiner Bücher versucht zu lesen (spannend wie die Bedienungsanleitung einer Waschmaschine). Als Leiter der 4thEchelon kommandiert Sam das Flugzeug Paladin, welches als Zentrale dient. In stylischer Manier fungieren alle dortigen Terminale und Bildschirme, um Spielstatistiken anzugeben. Ihr könnt mit eurer Crew reden, das Flugzeug upgraden, was sich direkt im Spiel auswirkt (in Form von Radaranzeigen oder Zugang zu neuen Waffen), ihr könnt aber auch an der taktischen Karte zwischen Haupt- und Nebenmissionen auswählen.

Die Nebenmissionen sind in drei Kategorien eingeteilt, die den drei Spielstilen entsprechen. Für Grim macht ihr eine Reihe von Infiltratiosmissionen. Werdet ihr einmal entdeckt, war es das. Wie ein Geist (daher der Name dieses Stils) müsst ihr drei Ziele ansteuern und dann den Weg zum Ausgang finden. Ihr dürft unterwegs alle Beteiligten ausschalten, tödlich oder auch nicht, nur gesehen werden dürft ihr nicht. Leider sind diese teils recht langen und langsamen Missionen ohne Checkpoints, was den Frustfaktor etwas erhöht. Tip: Sniperrifle! Hilft ungemein.

Der nächste Schritt sind Korbins Kill'em all Missionen. Ihr startet in einem Areal und steht vor er Aufgabe, eine Gruppe von Söldnern auszuschalten. Entgegen der Missionsbeschreibung müsst ihr sie nicht töten, wohl aber niederstrecken. Unentdeckt zu bleiben ist kein Muss, aber doch dringend angeraten, wenn ihr euch nicht grad mit einem Dutzend gepanzerter Helghast anlegen wollt.

Als letztes gibt es was für die Actionfreunde: Für Charlie macht ihr eine Reihe von Survival-Horde Missionen, in denen ihr mindestens fünf Wellen aufmarschierender Feinde ausschalten sollt. Ja, ich war auch geschockt.

Wenigstens sind die Maps gut designt. Camping funktioniert in keinem Fall, stattdessen wird viel Bewegung belohnt. Die drei Missionsarten lassen sich alleine oder kooperativ spielen. Wer alleine spielt, hat leider den Nachteil, dass ihm ein Teil der Optionen verwehrt wird. Bestimmte Routen sind Menschen mit Freunden vorbehalten, sodass man solo ein leichtes Handicap mit sich trägt.

Briggs' Missionen sind sogar Coop-only. Logischerweise kann ich zu diesen keine Stellung nehmen. Das Gleiche gilt für die Spy vs. Merc Geschichten.

Worldtour

Die Hauptmissionen sind so abwechslungsreich wie in kaum einem Teil der Reihe zuvor und bieten von den üblichen Irak, Iran, La Schurkistan auch Gebiete wie London und Städte der USA. Innen- und Außenareale wechseln sich fließend ab und eingestreute Setpieces wirken nicht nur wie Trailermaterial, sondern lockern das Spiel auf und geben der Story etwas Gewicht. Einer der beeindruckendsten Ort ist Guantanamo Bay, auch wenn die eigentliche Mission nicht viel her macht. Sehr geil ist eine Mission im letzten Drittel an Bord der Paladin. Zur weiteren Abwechslung kommen ebenfalls recht kurze Dronenmissionen im Stile von Call of Duty zum Einsatz, diese nehmen aber nur wenige Minuten ein und passen sich besser ins Spiel ein als man glauben könnte. Ein großer Teil der Missionen fühlt sich an wie das Splinter Cell der letzten Generation. Ihr spielt im Dunkel, schießt Lampen aus und schleicht um Gegner herum. Es gibt auch die Missionen bei Tageslicht im Freien, die etwas weniger Spaß machen, aber immer noch besser sind als im direkten Vorgänger.

Sams Ausrüstung ist nur noch als massiv zu bezeichnen. Vor den Missionen könnt ihr Sam nach euren Vorlieben ausrüsten, freilich gegen Entgelt, welches ihr für das Erfüllen der Missionen und kleinerer Nebenziele erhaltet. Wer lieber unbemerkt bleibt (und ernsthaft, alle anderen haben hier eh nix verlore, investiert in leisere Anzüge, bei wem ohnehin alles im Kugelhagel endet, der kann auch in Panzerung investieren. Sniper mit Schalldämpfer oder doch lieber die Shotgun? Granaten oder mobile Kamera? Stungun oder Armbrust? Die Liste ist extrem umfangreich und wem das nicht reicht, der klaut einem Insurgent einfach seine AK47. Einige der Upgrades verstecken sich hinter Aufgaben wie dem Beenden aller Missionen für Grim. Weitere allerdings nötigen mich dazu, den Entwicklern bei UbiSoft mal zu zeigen, was ich von ihnen halte. So versteckt sich ein Teil der Ausrüstung hinter Uplay, externen Websites und Apps für Mobiltelefone. Man kann nur froh sein, dass Epic nicht hinter dem Spiel steckt. Ansonsten hätte man womöglich für Schalldämpfer bezahlen müssen.

So viele Möglichkeiten: Ich töte dich, dich, dich auch...

In der Mission ist Sam noch vielfältiger. Er kann sich an Gegnern vorbei schleichen, indem einen der vielen Schleichwege nimmt, Lichter ausschalten, um im Schatten ungesehen zu bleiben und sich mit Hilfe des ikonischen Nachtsichtgerätes einen Vorteil zu verschaffen. Er kann mit seinem Messer Raum für Raum, Feind für Feind leeren oder die Gegner auch nur mit bloßen Händen k.o schlagen. Erlegte Feinde können vor Ort belassen oder versteckt werden. Er kann sich auch eine erhöhte Position suchen und mit einer Sniper die Umgebung im Vorfeld säubern. Wer es mag, kann auch einfach mit Shotgun und Granate sich den Weg frei schießen. Aber nochmal, wer das mag, ist hier im Grunde falsch. Zu beachten ist, dass nur betäubte Gegner wieder belebt werden können. Bei getöteten funktioniert das nicht so gut. Nebenbei: Das schnelle Ausschalten mittels Kampfmesser ist einfach cooler als der gute alte Sleeperhold. Das Mark and Execute Feature aus Conviction ist ebenfalls zurück (auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad nicht verfügbar). Schaltet das Feature frei durch einen Takedown oder eine Reihe guter Schüsse und ihr könnt bis zu drei Gegner markieren und in einem stylischem Kameraschwenk per Knopfdruck zeitgleich ausschalten. Ich habe es bei weitem nicht so oft benutzt wie in Conviction, aber manchmal ist es schon befriedigend.

Bei so vielen Optionen wundert es nicht, wenn die Steuerung ein wenig überladen wirkt. Die Entwickler haben bereits versucht, die Steuerung so einfach wie möglich zu halten, aber ohne Erfolg. Schnelles Wechseln der Waffen funktioniert über das Steuerkreuz, das Durchschalten über Halten des Kreuzes und Auswählen mit den Sticks. In diesem Menü könnt ihr auch das Messer an- und ablegen. Aktionen wie das Öffnen und Schließen von Türen, Ausschalten von Lichtern, Benutzen von Gegenständen und Klettern liegen alle kontextsensitiv auf einer Taste, was zu erheblichen Problemen führen kann, wenn mehrere Optionen nahe bei einander sind. Sam kann auch in Deckung gehen und (wie in Conviction) per Tastendruck von Deckung zu Deckung hechten. Erneut kann das Interface an seine Grenzen stoßen, wenn viel auf engem Raum zusammen kommt.

Falsches Spiel, Jungs!

Die Gegner verlangen auch durchaus verschiedene Strategien. Lassen sich normale Soldaten noch recht einfach ausschalten, erwarten Gegner mit Kopfbedeckung schon etwas mehr als einen einfachen Headshot. Die Helghast lassen sich nur von hinten oder oben ausschalten, mit viel Glück reicht ein Kopftreffer aus einer aufgelevelten Sniper, ansonsten sind die Gesellen kaum klein zu kriegen. Am widerlichsten sind wieder Mal die Hunde, die Sam aus 100 Metern Entfernung riechen können.

Abgesehen von diesen generellen Problemen in Details steuert sich Sam wie zu guten alten Zeiten. Killing in Motion erlaubt flinken Spielern sogar das Ausschalten mehrerer Gegner in Folge. Mit all diesen Optionen macht Blacklist auch bei einem zweiten Versuch noch Spaß, da man nun ganz andere Wege gehen kann, buchstäblich und im übertragenen Sinn. Checkpoints könnten etwas häufiger gesetzt werden, aber generell hält sich Frust in der eigentlichen Kampagne in Grenzen.

Wenn alles zusammen kommt, ist Blacklist fantastisch. Die Mischung aus Thriller, abwechslungsreichen Settings und vielfältigem Gameplay bei gleichzeitiger Annäherung an die klassischen Games trifft genau die Mitte zwischen modernem Actionspiel und klassischem Stealth. Zum Glück passt es auch meistens. Nur gelegentlich kämpfen Steuerung und überladene Level gegen den Spieler.

Stealthspiele sind für Geduldige. Nirgends wird dies deutlicher als in der Vorbereitung der 360 Version. Nach dem Installieren des HD Packs und der Installation der beiden (!) DVDs wartet noch ein DayOne Patch darauf geladen zu werden. Der gesamte Vorgang dauert knapp eine Stunde. Plug and Play war gestern. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn Charaktere zwischen realistisch und gruselig schwanken. Sams Animationen sind wie immer grandios und die Lichteffekte wie immer die Highlights. Wer allerdings empfindlich auf Screentearing reagiert, sollte dieses Spiel meiden wie die Pest. Was in den Cutszenes hier geboten wird, grenzt an Körperverletzung.

Stark ist auch der Soundtrack, der mit absolut filmreifer Musik den Puls höher schnellen lässt. Auf Kritik hingegen ist Sams Sprecher gestoßen, der erstmalig nicht von Michael Ironside gesprochen wird. Zwar war ich nie sein größter Fan, muss aber andererseits zugeben, dass seine Performance mehr Persönlichkeit hatte als der jetzige Sam. Nicht, dass dieser schlecht wäre, aber nach über 10 Jahren grundlos den Sprecher wechseln, kann nur in Kritik enden. Für alle, die das Spiel auf deutsch spielen, gibt es die gute Nachricht, dass Martin Kessler erneut Sams Rolle übernimmt. Carlo Rotas toller Antagonist wurde ja bereits erwähnt.

Die Lösung des Terrorismus: Schickt einfach einen Ninja mit einem Messer in den Irak!

Einige der besten Spielerlebnisse hat man, wenn man keine Erwartungen hat. Nach dem Wandel von reinem Stealthgame im Dunklen bis hin zum Shooter mit gelegentlichen Stealtheinlagen gelingt hier der Spagat zwischen Stealth und Action, Gameplay und Story, linearem Skript und freien Level erstaunlich gut. Die Kampagne ist lang und höchst abwechslungsreich, die verschiedene Stile, die damit verbundenen Punkte und die reichhaltige Vielfalt an Waffen und Gadgets erlauben vollkommen unterschiedliche Spielweisen und regen zu weiteren Durchgängen. Tolle Locations und ein Hauch von Teammanagement sind ebenfalls dabei. Die Story ist dramatisch, aber die Charaktere bleiben mit Ausnahmen von Briggs (und Grim, hehe) etwas flach.

Sei es drum, das Kerngameplay stimmt. Letztlich kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass Splinter Cell zurück ist und Blacklist den besten Teil der Reihe seit Chaos Theory darstellt. Keinen Moment zu früh, denn wäre Blacklist nach Conviction wieder nur ein banaler Shooter geworden, hätte die Reihe womöglich nicht zuletzt angesichts des anstehenden Generationswechsels ihre Daseinsberechtigung verloren. So hingegen sehe ich mit Zuversicht und Freude auf ein NextGen Splinter Cell. Vielleicht reicht ja die Leistung der PS4 knapp aus, um Splinter Cell tearingfrei zu bekommen.
 
Endlich mal wieder ein Review von Bart. Wurde auch Zeit.
Dann kann ich mir Blacklist ja sparen, ich will das alte Gameplay. Und keine kill'em all nebebmissionen.
 
Tolles Review! :dhoch:

Das game ist super, geschlampt hat man aber leider auch bei der Deutschen synchro, die Gegner reden bei mir mehr englisch als Deutsch, nicht schlimm wegen dem verstehen aber es kostet doch schon massiv Atmo wenn man in jedem Level so ein sprach durcheinander bekommt.

Bin jetzt in der ersten USA Mission, Blacklist Angriff verhindern, tolles Level aber das am Tage zu spielen kann man ja fast vergessen. :D
 
Acidinjector schrieb:
Das game ist super, geschlampt hat man aber leider auch bei der Deutschen synchro, die Gegner reden bei mir mehr englisch als Deutsch, nicht schlimm wegen dem verstehen aber es kostet doch schon massiv Atmo wenn man in jedem Level so ein sprach durcheinander bekommt.

Und ich dachte, das wäre gewollt! :lol: Weil mir das erst in London zum ersten mal bewusst auffiel. :D

Bart Wux schrieb:
Wenn alles zusammen kommt, ist Blacklist fantastisch. Die Mischung aus Thriller, abwechslungsreichen Settings und vielfältigem Gameplay bei gleichzeitiger Annäherung an die klassischen Games trifft genau die Mitte zwischen modernem Actionspiel und klassischem Stealth.

Ganz ganz dick sollte man das unterstreichen. Meine Rede. :dhoch: Am Wochenende kommt mein Review! Alleinstellungsmerkmal: noch viel mehr Beweihräucherung! :p
 
Um meinen Hype abzurunden hier mein Review! :waah:



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Das "Splinter Cell"-Franchise ist nun geschlagene 11 Jahre auf dem Markt. Was gab es nicht alles für Höhen und Tiefen, für viele Fans endete der Ruhm von Sam Fisher mit "Chaos Theory" oder "Double Agent" auf der alten Xbox, für andere wiederum erlebt das Agentenspiel auf der noch aktuellen Generation einen zweiten Frühling. Ich gehöre spätetens nach "Blacklist" eindeutig zur "New Gen"-Garde, zu dem Typ an Spieler, für den "Splinter Cell" mehr als nur Hardcore-Stealth bedeutet. Fisher ist ein extrem gut ausgebildeter Agent, der alles können sollte. Notfalls auch mal kräftig dazwischenhauen, wenn es höhere Ziele gibt. Fisher sollte vielseitig sein. Was sich in den Vorgängern "Double Agent" und "Conviction" auf der 360 lediglich andeutete findet im brandneuen "Blacklist" nun seine Bestimmung. Hybrid-Gameplay mit mehr Möglichkeiten und Freiheiten als jemals zuvor. Wie gut Teil 6 tatsächlich geworden ist, verrate ich euch in diesem Review.

Ein gutes Agentenspiel sollte folgende Zutaten haben: einen smarten Hauptcharakter, atmosphärische Schauplätze rund um den Globus, brachiale und subtile Bekämpfungsmittel für das Gegnerpack, spezielle Gadgets, ruhige Momente, in denen man zivil durch belebte Straßenzüge oder Stadtteile läuft sowie ein übergeordnetes Ziel. Wenn dies dann alles noch mit Hybrid-Gameplay und ggf. individualiserenden Elementen verbunden wird, ist alles super. "Alpha Protocol" führte mir vor einigen Jahren vor Augen, wie toll diese Art Spiele mit diesen Zutaten grundsätzlich sein können, ohne rein Hardcore-Stealth zu sein. Auch "James Bond: Blood Stone" sowie "Das Bourne Komplott" bieten einen Großteil dieser Elemente und machten einfach nur Spass. "Splinter Cell" bot mit "Double Agent" eine sehr intensive, namensgebende Doppelagentenrolle mit spannenden Schnüfflermissionen im JBA-HQ, "Conviction" hingegen ging den persönlichen und rabiaten Weg. "Blacklist" nun will einen idealen Mix aus all diesen Stilmitteln finden. Als Anführer der neuformierten 4th Echelon-Einheit agiert Sam direkt unter Befehl der Präsidentin der USA und muss Terroranschläge in aller Herren Länder aufklären und vereiteln. Ein relativ unkreativer Ansatz, aber in der Umsetzung und Präsentation durchweg sehr gelungen und eine perfekte Grundlage für das Franchise.

Um den Kern des Spiels zu veranschaulichen kann man wunderbar folgende Logos verwenden. Die unterschiedlichen Spielweisen sind das Salz in der Suppe von "Blacklist" und ergeben jedes Mal ein anderes Erlebnis. In den insgesamt 13 vollwertigen Kampagnenmissionen kann man sich dank tollen Setpieces, gut designten Maps, dutzenden Aurüstungsgegenständen und Waffen sowie einer großen Portion Freiheit so richtig austoben:​

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Der leise Sam ist natürlich weiterhin der Beste! Und hier trumpft Blacklist wieder uneingeschränkt auf. Es ist möglich, das gesamte Spiel als Fisher durchzuspielen, ohne jemanden zu töten. Ich tat dies zwar beim ersten Durchgang noch nicht, aber in jeder Situation hatte ich im Nachhinein Wege und Möglichkeiten gefunden, wie man die Wachen hätte komplett umgehen können. Dabei gibt es in der Regel immer einen Weg, der fast komplett um die Wachen herumführt oder wo zumindest deutlich weniger vorkommen. Mit der Back-Taste kann man pfeiffen bzw. mit einem Spruch die Gegner anlocken (aber wehe, man macht es zu oft, dann werden die Gegner paranoid und man fliegt auf) und die leblosen Körper anschließend Huckepack nehmen und wegtragen oder sogar in Containern ablegen. Allerlei nicht-tödliche Nahkampfangriffe sowie Gadgets (Schlafgas und Nachtsichtgerät z.B.) helfen in jeder erdenklichen Situation. Konkrete Beispiele? Anstatt direkt durch einen Wohn- und Küchenbereich mit mehreren Wachen zu laufen, sucht man sich einfach einen Weg am Abgrund entlang oder klettert gleich über ihren Köpfen 2/3 des Weges hinweg. Auch Rohre, ausschießbare Lampen, Lüftungsschächte (sind wohl gerade modern in Stealthspielen) und zahllose offene Fenster und Türen laden zum ghosten ein. Man kann "Blacklist" als Leisetreter spielen und das nicht nur larifari, sondern kompromisslos, wie man es gerne hat. Dafür sorgt die tolle Balance der Spielstile (siehe jetzt den Panther-Stil).​

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Der sogenannte Panther ist der böse Bruder des Geistes. Weiterhin leise und bedacht, aber diesmal aggressiv und tödlich. Mit einem einfachen Wechsel über das Ringmenü kann man sein Karambitmesser ausrüsten und fortan die Gegner abstechen, mit den wildesten Animationen. Der schönste Part am Raubtier-Stil ist die taktische Komponente, die man hier noch mehr einrbingen kann als beim Ghost-Stil. Während man als Geist eher darauf bedacht ist, die Gegner komplett zu umgehen und ihre Laufwege einzustudieren nutzt man als Panther die Lücken und Gelegenheiten eiskalt aus und überrumpelt gleich mehrere Gegner auf einmal. Am Rohr hängend einen K.O. von oben ausgeführt und die anderen beiden Wachen anschließend mit Mark & Execute ausschalten, das hat Klasse. Vorher kann man mit dem Tricopter (ich liebe dieses Gerät) die Situation auskundschaften und stürmt dann mit Rauchgranaten im Anschlag in die Zone und kümmert sich um die bösen Buben. Nur Hunde sind ein ziemlich leidiges Thema für einen Panther. Sie an Abgründen herunterzuziehen oder sie in eine tödliche Schockfalle zu locken (z.B. mit Hilfe einer Pfütze) geht natürlich auch. Es gab gegen Ende der Kampagne eine Stelle, in der dieser Spielstil sehr gut zur Geltung kam. Und zwar musste man auf einem relativ beengten Gebiet alle Engineers ausschalten, damit die Feuerwehr weiter arbeiten konnte. Hier alle lautlos über den Jordan zu schicken war unglaublich befriedigend.​

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Um den Hybridweg zu komplettieren darf der Raudi nicht fehlen. "Blacklist" erlaubt es großzügig, mit allerlei schweren Waffen, vielen Granatentypen und dem Coversysten Chaos zu stiften. Dabei macht es das Ballern ganz und garnicht einfacher. Im Gegenteil, die KI reagiert nachvollziehbar auf herumliegende Kollegen, sucht danach akribisch herum. Wenn sie Sam erstmal auf dem Kieker haben muss man viel Gebrauch von der Umgebung machen. Deckung oft wechseln, schnell weglaufen, den Überraschungseffekt nutzen. Nur so hat man eine Chance, die alarmierten Gegner unversehrt auszuschalten. Denn bereits auf "Normal" reichen ein paar Schüsse oder eine improvisierte Situation und man liegt direkt tot auf dem dreckigen Boden. Es ist jedoch wie alles andere eine feine Option, nichts wird einem vorgekaut. "Killing in Motion" (also M&E im Sprint) ist die eleganteste Methode, sich mehrerer Gegner gleichzeitig zu entledigen.

So kann man den Hybridstil auf den Punkt bringen. Im Prinzip kann man bis auf wenige Außnahmen bis zum Ende einer speziellen Spielart frönen und kommt damit durch. Dank dem Abwechslungsreichtum bekommt aber jeder Typ ein paar besondere Leckerlis während der Kampagne serviert. Atmosphärische Missionen bei Tag und Nacht, mal mit Regen oder Schnee. Beengte Interieurlevel, offene Missionen auf großem Gelände oder auf den Dächern über London, gespickt mit Laserfallen oder eine lichterloh brennende Benzinfabrik. Es ist alles da, die Variation ist super, sogar direkt zu Beginn ist eine eingangs beschriebene "Laufszene" durch einen belebten Basar drin sowie weitere eingestreute Szenen wie eine Schleichszene mit Briggs aus der Ego-Perspektive oder das Säubern einer Landestelle mit einer Drohne. Bisher war "Double Agent" hier mein Highlight, doch wenn schon die Kampagne von "Blacklist" soviel Farbe zeigt und die Nebenmissionen noch dazu kommen, ist die Sache eindeutig.​

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Besondere Erwähnung sollten der Paladin und das Geldsystem finden. Sam ist mit seiner 4th Echolon-Crew ständig in einem großen umgebauten Flugzeug unterwegs. Man kann dort frei herumlaufen, mit den Charakteren reden, persönliche Missionen angehen, den Paladin und sich selbst aufrüsten und an einem Radartisch in der Mitte Missionen für alle Modi auswählen. Das bringt eine total coole Komponente in das Franchise, die Atmosphäre im Paladin ist toll eingefangen und passt wie die Faust auf's Auge zu einem Agentenspiel. Man könnte fast schon sagen, es wäre eine Agenten-Normandy, wenn ich mir diesen Vergleich erlauben darf. Mit individuellen Slots kann man sein Equipment für jeden Spielstil auswählen und dann loslegen. Während der Missionen gibt es auch wieder Laptops zum hacken, USB-Sticks zum einsammeln und markierte Engineers, die man lebend gefangen nehmen und zur Abholung abfertigen kann. Und noch ein nettes Detail am Ende: man kann nach jeder erfolgreichen Mission seine Tochter Sarah anrufen und bekommt ihre Reaktion zu hören. :dhoch:

Fazit
Nachdem die Reihe lange Zeit eine neue Identität suchte, ist sie nun endgültig am Ziel angekommen. "Blacklist" bietet soliden Stealth, hervorragend inszenierte Action und durch die umfangreiche Agilität und Kreativität seitens Sam große spielerische Dynamik. Es ist trotz relativ beengter Schauplätze eine wahre Freude, sich an Rohren, Wänden und Einrichtungsgegenständen einen individuellen Weg zum Ende zu bahnen. Bleibe ich im Schatten und über den Köpfen der Gegner? Lege ich sie schlafen oder töte ich sie gleich reihenweise? Das ist ein Gefühl von Freiheit, wie sie meiner Meinung nach ein Agentenspiel wie SC bieten sollte, besonders, wenn dies noch durch toll gemachte Sondereinlagen ergänzt wird. Wenn sie für das bereits bestätigte "Splinter Cell 7" die Ausmaße der Gebiete noch erweitern und die Balance der Spielstile noch pfiffiger hinkriegen halte ich wohl das perfekte Agenten-Spiel in meinen Händen. "Blacklist" ist eben mehr als nur Stealth. Es ist ein weiterer Schritt auf dem Pfad zur Spionage-Erleuchtung, der bei mir einst mit "Alpha Protocol" stilprägend begann und mit Black Tusk's Projekt nächstes Jahr auf Xbox One hoffentlich weiter evolutioniert wird.​
 
Was bedeutet für dich nichts? Ist der Teaser nichts? :D

[vid]http://www.youtube.com/watch?v=Z7Pe8NdA64s[/vid]

Da stelle ich mir halt eine Art Next-Gen Splinter Cell vor. Nach einem reinen Shooter oder sonst was sieht es auf jeden Fall nicht aus, imo. :deal:
 
Türenmacher, ist es möglich, das ganze komplette Spiel (also zumindest die Hauptmissionen) als Ghost/Panther zu spielen oder gibt es auch zwingende unsägliche ballerabschnitte wie im blöden Conviction.
Ich habe die ersten 3 splinter cells und Alpha Protokoll geliebt, kann man sich dann auch Blacklist geben ohne dass Conviction drin ist?
 
Es gibt ein, zwei Actionszenen, die passen aber ganz gut in Spiel. Ist aber sehr wenig, ich schätze mal, in 95 % der Fälle ist man frei in der Vorgehensweise.
 
Streng genommen gibt es schon ein paar "unpassende" Szenen. Aber die sollten einem den tollen Gesamteindruck nicht vermiesen. Man sieht es ja an den Meinungen im Hauptthread, einstige Blacklist-Pessimisten sind mittlerweile begeistert. :D Das Gameplay ist top.
 
Türenmacher schrieb:
Da stelle ich mir halt eine Art Next-Gen Splinter Cell vor. Nach einem reinen Shooter oder sonst was sieht es auf jeden Fall nicht aus, imo. :deal:

Allerdings hoffe ich, dass es kein Splinter Cell-Klon wird. Das brauche ich nicht, schließlich arbeitet Ubisoft ja sicher auch an einem Splinter Cell in der Next Gen.
 
Zimtzicke schrieb:
Wie schwer ist das Spiel denn?

Du hast ja die Wahl zwischen vier Schwierigkeitsgraden, insofern kannst Du das ja ganz gut selbst beeinflussen.
Ich spiele auf "Realistisch" und finde aktuell harte, aber faire Splinter Cell-Action vor. So, wie ich das von der Serie erwarte.
 
Ich finde es sauschwer. Auch auf normal. Aber selten so richtig frustig. Man weiß eigentlich fast immer, was man falsch gemacht hat.

Schöne Reviews, ihr beiden.

Ich sehe das mittlerweile ähnlich wie ihr. Hatte aber einen harten Einstieg, da ich ein "casualigeres" Spiel ähnlich Conviction erwartet hatte. Dass das Ding so bretthart ist, hat mich zunächst etwas überfordert. Aber mittlerweile spiel ich weiter und weiter, obwohl ich längst durch bin und Spiele dann für gewöhnlich relativ schnell weglege. Blacklist hat auch nach dem Durchspielen noch einiges zu bieten.
 
Einfach nur die Systeme im Spiel durchschauen. Es gibt immer Wege und Mittel. Auch die richtige Ausrüstung und Bewaffnung kann einen Unterschied machen, wenn es mal schief geht. Irgendwann flutscht es.
 
Assault ist aber echt knifflig. Ebenso wie Panther. Ghost ist mit Abstand am leichtesten zu "mastern" in den Levels.
 
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