Mehr als zwölf Jahre ist es her, dass ich mich gewagt habe, die „Silent Hill Collection“ auf der Xbox 360 durchzuspielen (Randnotiz: Ich besitze die Collection noch immer). Wenn ich mich noch recht entsinne, habe ich mich damals auch als großen Angsthasen bezeichnet, wenn es um Horrorspiele ging. Deswegen war es für mich ein interessantes Experiment, zu sehen, was für ein Klassiker in puncto Horror, welches
Silent Hill 2 ohne jeden Zweifel ist, in mir auslösen wird. Ich werde zwar nochmals meine alten Texte bearbeiten, da ich die Grammatik und Rechtschreibung beim kurzen Drüberlesen als sehr fragwürdig sehe (ich war jung und wusste nichts), aber ich kann mich abseits davon noch erinnern, dass die Geschichte und Tiefe von
SH2 mich umgehauen hat, ich das Spiel aber als solches nicht so gefeiert habe, wie es andere taten.
Ich möchte mit diesem Beitrag einen gefühlten Kreis schließen. Einerseits ist es schon viele Jahre her, dass ich einen größeren Beitrag zu einem Spiel geschrieben habe, andererseits fühlt sich ein Beitrag zum
SH2 Remake für mich wie die perfekte Möglichkeit an. In den letzten zwei Wochen habe ich mir kleine Notizen während des Spielens gemacht, die ich hier wiedergeben möchte. Ich tauche in eine Zeit ein, in der sich das Spielen von Videospielen, aber auch das Leben selbst, für mich noch ganz anders angefühlt hat – unbeschwerter, einfacher, neugieriger. Begleitet mich auf meine kleine Reise durch
Silent Hill 2, und schauen wir, ob es ein Spiel, das mich vor zwölf Jahren in einigen Aspekten bereits begeistern konnte, vielleicht nochmal schafft.
Ich habe das Remake für die PS5 in Japan gekauft und mit nach Europa gebracht. Für mich verbinde ich damit nicht nur ein Remake von einem Spiel, das für mich eine der psychologisch wertvollsten Geschichten im Unterhaltungsbereich bietet, sondern auch ein Andenken an den besten Urlaub, den ich je erlebt habe. Ich habe bis auf positive Reviews und einen kurzen Trailer vom Remake nichts erfahren. Meine Vorfreude ist eigentlich sogar recht groß, und dass ich so ein Spiel zur Halloween-Zeit beginne, macht das Ganze nur umso besser. Meine Angst vor gruseligen Videospielen ist zwar noch immer vorhanden, aber den ängstlichen Menschen von 2012 gibt es nicht mehr. In der Zwischenzeit habe ich dutzende Horrorspiele gespielt, gefühlt hunderte Horrorfilme geschaut und versucht, vieles im Dunkeln und über Kopfhörer zu konsumieren. Auch hier ist es für mich interessant zu sehen, ob das
Silent Hill 2 Remake es mir noch sehr unangenehm machen kann. Die einzige Sorge, die ich habe, ist die angeblich fast doppelt so lange Spielzeit. Klar, wenn es jetzt sechzehn Stunden reinster Spielspaß (halt Qualität) sind, dann spricht bis auf meinen Zeitmangel nichts dagegen, aber Videospiele in der heutigen Zeit haben leider die schlechte Eigenart entwickelt, auf Quantität statt auf Qualität zu setzen. Ich hoffe, dass das bei
SH2 Remake nicht der Fall ist.
Willkommen in Silent Hill 2.
Der Ersteindruck in der Toilette ist … in Ordnung. Klar, James sieht besser denn je aus. Alleine die Tatsache, dass die Haare wirklich eine Struktur haben und nicht mehr wie ein Gatsch aussehen wie vor vielen Jahren, ist ein Fortschritt, aber die Grafik haut mich im ersten Moment nicht um. Ich bin wirklich kein Grafikfetischist, und das Spiel sieht auf den ersten Blick auch nicht schlecht aus, aber irgendwie hatte ich durch den kurzen Trailer eine andere Erwartung. Das kann sich aber auch mit dem Setting und dem Design noch ändern. Meine erste Handlung ist, dass ich versuche, mich aus dem Staub zu machen, um Silent Hill zu verlassen. Die Entwickler haben scheinbar einen guten Humor, da ich auf dem Weg nach draußen plötzlich automatisch umkehren muss (James dreht sich einfach um) und eine Trophäe freischalte. Sinngemäß war es irgendwas wie: „Silent Hill kann man nicht verlassen.“ Also zögere ich das Unausweichliche nicht mehr hinaus und begebe mich nach
Silent Hill 2.
Wie vom Spiel selbst empfohlen, spiele ich mit Kopfhörern. Und ich kann jetzt schon sagen, dass der Sound es in sich hat. Die Umgebungsgeräusche mit dem unheimlichen Soundtrack bescheren mir eine Anspannung und leichte Gänsehaut. Der Klang ist beunruhigend klar, mit dem gelegentlichen Knacken und Rauschen, das die bedrückende Stille in den Nebelschwaden durchbricht. Mal ein gedämpftes Hämmern in der Ferne, mal das unheilvolle Echo von Schritten – es zieht mich unweigerlich tiefer in die Atmosphäre. Mein Vorteil, oder je nach Gesichtspunkt auch mein Nachteil: Ich kann mich an viele Details nicht mehr wirklich erinnern. Klar, im Groben habe ich gewisse Ereignisse noch im Kopf, aber im Gegensatz zu Hardcorefans kann ich nicht genau sagen, welche Dinge sich tatsächlich geändert haben. Ich muss meinen Ersteindruck von der Optik schon leicht korrigieren. James beeindruckt mich grafisch nicht wirklich, aber die Umgebung mit dem Nebel und den ersten Häusern/Scheunen sieht schon ziemlich gut aus. Die Atmosphäre wirkt extrem dicht, und es fühlt sich qualitativ deutlich hochwertiger an, als ich es in den ersten paar Minuten gedacht habe. So eine detaillierte Grafik kann man einfach nur als traumhaft schön bezeichnen. Mir sind dann so Spielereien wie Raytracing usw. komplett egal. Geiles Design schlägt halt solche Sachen in Längen.
Angekommen in Silent Hill und bewaffnet mit einer Holzlatte, kann ich aber auf jeden Fall festhalten, dass die Steuerung und das Kampfsystem um Welten besser sind als im Original! James steuert sich sehr direkt, und mit dem Ausweichmanöver kann man scheinbar relativ leicht den Angriffen seiner Gegner entkommen. Und wenn James zuschlägt, dann hat er richtig Wumms hinter seinen Schlägen! Wie er auch stöhnt und spürbar angestrengt auf liegende Feinde einschlägt, gefällt mir – es ist die Hölle auf Erden, und da kann man ruhig mal emotional sein.
Was ich aber schon recht am Anfang ankreiden würde, ist, dass man mit den Schlägen die Gegner nicht „stunnen“ kann (gibt es dazu ein passendes deutsches Wort? Paralysieren?). Es fühlt sich für mich nicht richtig an, dass ich auf einen Gegner einschlage, er aber während meiner kraftvollen Schläge einfach mich dazwischen angreifen kann. Nein, das gefällt mir nicht, auch wenn ich verstehen kann, dass es sonst wahrscheinlich zu einfach für die Spieler wäre.
Krankenhaus und Schwierigkeitsgrad
Nach einigen Stunden – ich glaube, es waren drei bis vier – bin ich im Krankenhaus angekommen. Die Atmosphäre im Krankenhaus ist natürlich großartig und äußerst intensiv. Dunkle, enge Korridore und das gelegentliche, schaurige Flackern der Lichter sorgen für ständige Unruhe. Es fühlt sich an, als würde die Dunkelheit mich regelrecht verschlingen wollen. Die mangelhafte Beleuchtung ist für meinen Geschmack fast zu düster (und vielleicht liegt das am OLED-Fernseher), aber gleichzeitig steigert sie meine Anspannung immer weiter. Dennoch habe ich nach einiger Zeit im Krankenhaus beschlossen, den Schwierigkeitsgrad der Kämpfe auf „einfach“ zu stellen. Während des Spielens habe ich reflektiert, ob die verbesserte Steuerung dazu führt, dass die Gegner weniger Schrecken verbreiten als im Original. Die schreckliche „Panzersteuerung“ sorgte meiner Meinung nach für eine gewisse Hilflosigkeit, die wiederum die gruselige Atmosphäre verstärkte. Im Remake hingegen wirken die Gegner, die genauso sensationell designt sind wie im Original und beeindruckende Animationen haben, zwar präsenter, aber auch zäher.
Obwohl die verbesserte Steuerung Kämpfe theoretisch einfacher machen sollte, finde ich das häufige Auftreten von Gegnern, den oft extrem dunklen Bildschirm und die begrenzte Munition sehr stressig. Nicht „gut-gruselig“-stressig, sondern einfach nur nervig. Zum ersten Mal in meiner Spielerfahrung mache ich etwas, wogegen ich mich sonst immer gesträubt habe – ich stelle nur den Kampfschwierigkeitsgrad auf „einfach“. Und ehrlich gesagt, war das die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
Plötzlich gibt es viel mehr Munition, und die Gegner halten etwas weniger aus. Ich bin zwar immer noch gestresst von der unglaublich dichten Atmosphäre und habe öfter Gänsehaut, aber die Gegner nerven mich weniger. Im Laufe des Spiels wird man regelrecht von Gegnern „zugebombt“, was ich als einen der größten Kritikpunkte am Spiel sehe.
James, ein emotionales Krüppel
Die Szenen mit den Charakteren sind großartig. Angela, Eddie, Laura und Mary sind einfach extrem gut geschrieben und präsentiert. Gefühlt habe ich kaum große Veränderungen im Vergleich zum Original bemerkt. Die Anspielung von Maria, als wir in einem Hotelzimmer ein Outfit gefunden haben, habe ich sofort verstanden. Ich finde es großartig, dass die Entwickler solche Details im Spiel eingebaut haben (Maria hatte das originale Outfit von
SH2 in der Hand und meinte, dass sie darin sicher gut aussehen würde). Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Remake vor unzähligen neuen Details nur so strotzt. Man merkt einfach, dass die Entwickler das Spiel sehr schätzen und dass es ihnen wichtig war, dem Original treu zu bleiben.
Mir ist auch aufgefallen, dass James, wie im Originalspiel, emotional scheinbar völlig kalt bleibt. Zwar könnte die Story selbst das rechtfertigen, doch ich hätte gerne einen Charakter gespielt, der emotional greifbarer ist – vor allem in den Horror-Situationen. Die Reaktionen bleiben distanziert, was der Atmosphäre für mich ein wenig die Intensität nimmt. Geschmackssache vielleicht, aber meinem Geschmack entspricht es nicht ganz.
Das Labyrinth
Ich formuliere es kurz: Das Labyrinth ist ein Scheiß. Ich hasse es. Zwar ist der Kampf gegen den „Daddy-Typen“ ganz cool (und ich bin mir nicht sicher, ob es den überhaupt davor schon wirklich gab? Falls nicht – cool gemacht!), aber das Labyrinth wirkt wie eine künstliche Verlängerung der Spielzeit. Die gefühlt immer gleichen Gänge unter ständigem Gegnerstress zu durchlaufen und die vermissten Items zu suchen, ist schlicht ermüdend. Ein gruseliges Labyrinth kann durchaus seinen Reiz haben, aber in der Kürze liegt die Würze. Wenn man quasi vier Labyrinthebenen durchlaufen muss, die spielerisch nichts Außergewöhnliches bieten und grafisch auch nicht beeindrucken, dann ist das meiner Meinung nach einfach Zeitverschwendung. Besonders, wenn man bedenkt, wie extrem atmosphärisch gerade die Außenbereiche des Spiels sind! Es gab eine Szene, wo ich kurz durch die Stadt gelaufen bin und plötzlich ein Sturm aufkam, der die Sicht komplett vernebelt hat! Großartig! Toll! Mehr davon!
Wie ich immer wieder sage, ich komme aus einer Zeit, in der ich gute Spiele gerne öfter gespielt habe und es immer noch tue. Ich schaue mir auch einen sehr guten Film mehrmals an. Die Entwickler sollten sich auf solche Elemente besinnen. Für mich ist das Labyrinth der größte Negativpunkt des Spiels. Es verdirbt zwar nicht das Spielerlebnis, aber ich greife zum ersten Mal zu einem Guide, um schnell die notwendigen Items zu finden und diesen Teil hinter mir zu lassen.
Lakeview Hotel
An diesem Punkt fängt das Spiel an, die Kurve zu kriegen. Es macht Spaß, die Zimmer zu durchstöbern und zu wissen, dass man das Spiel bald durchgespielt hat. Mir ist auch aufgefallen, dass James' Kleidung schmutziger aussieht. Um sicherzugehen, habe ich nachgesehen, ob das wirklich der Fall ist oder ich mir das nur einbilde – und ja, James' Kleidung wird mit der Zeit sichtbar abgenutzter, ebenso wie er selbst. Die Fingernägel sind schmutzig, und seine Augenringe werden tiefer. Solche Details begeistern mich. Ich liebe solche Feinheiten und freue mich schon darauf, nach dem Spiel mehr dieser Details auf YouTube anzuschauen. Die Rätsel im Hotel sind, wie immer, ein wenig absurd, aber die Wege sind relativ kurz, und man findet alles recht schnell. Ich muss schon schmunzeln, wenn man umständlich drei kleine Statuen finden muss, um eine Musikbox zu betreiben, die einen Schlüssel enthält, der einen Zugang zu einem anderen Ort öffnet. Bei einem Film würde das nie funktionieren, aber bei einem Spiel kann es die Spiellaune deutlich erhöhen.
Das Finale
Große Spoilerwarnung!
Ich bin bei knapp 17 Stunden Spielzeit und habe endlich den Endkampf mit den Pyramid Heads erreicht. Ich freue mich zu sehen, dass James beim Tod Marias emotional zusammenbricht. Er musste das so oft erleben, dass es selbst den stärksten Geist zerstören könnte. Solche Verhaltensweisen machen ihn endlich nachvollziehbar. Also ran an die Waffen und die Dreiecke mit Blei vollpumpen. Der Weg zu Mary wird von ihrem Monolog begleitet. Ich kann mich erinnern, dass das damals auch schon so war, und ich muss sagen, dass ich die englische Synchro ganz gut finde. Ich könnte nicht mehr sagen, welche Version besser ist, aber das Remake macht auch hier einen großartigen Job, besonders in den letzten Szenen.
James sitzt bei seiner sterbenden Mary und gesteht, dass er sie getötet hat, weil er sie am Ende gehasst hat … Sie wirft ein, dass er dann nicht so traurig aussehen würde, wenn das wirklich der Grund wäre. Es ist eine Szene, die mich emotional sehr berührt und mich fast zum Weinen bringt. Die Szene hat damals schon funktioniert und tut es immer noch. Das Spiel bietet so viel Material, um das ganze Geschehen zu analysieren. Hat James Mary wirklich gehasst? Hat er sie getötet, weil er sein Leben zurückhaben wollte? Wollte er sie vielleicht nur erlösen, damit die Schmerzen – ihre und seine – aufhören? Hat er am Ende tatsächlich Frieden mit sich geschlossen? Kann ein Mörder überhaupt Frieden finden? Wie viel Zeit ist wirklich nach Marys Tod vergangen?
Fazit: Ein besonderes Remake für Horrorliebhaber
Der Text enthält kleine Spoiler
Einfach nur großartig. Beim berühmten Abschiedsbrief oder war das noch die Szene beim Krankenbett, hat mir dennoch eine extrem emotionale Aussage gefehlt. Ich kann mich noch erinnern, dass sie zuerst gesagt hat, dass sie keine Angst vorm Sterben hat, aber dann noch weinend sagte: „Ich will nicht sterben.“ Diese Aussage hat mir komplett gefehlt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es die gab, weil ich damals einfach nur geweint hab. Auch war der Abschiedsbrief selbst nicht so emotional wie im Original. Entweder das oder ich bin mit der Zeit zu einem Eisbrocken geworden.
Nichtsdestotrotz war es ein wirklich cooler Ritt.
Silent Hill 2 wird nie zu meinen Lieblingsspielen gehören, weil mir die Serie einfach zu wenig Spaß macht – zumindest, was das Gameplay betrifft. Dennoch muss ich festhalten, dass das Remake im Großen und Ganzen großartig ist und auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die eine außergewöhnliche Geschichte erleben möchten, Horror lieben oder einfach Fans des Originals sind. Ich hoffe, ich schreibe keinen Blödsinn, aber für mich ist das Remake dem Original sehr nahe. Auch nach zwölf Jahren für mich und ich glaube sicher über 20 Jahren insgesamt, bleibt
Silent Hill 2 ein extrem außergewöhnliches Spiel, das eine Komplexität in seiner Erzählweise und Geschichte bietet, wie kaum ein anderes Spiel. Danke an Team Silent für dieses Werk und das Bloober Team für die extrem liebevolle Neugestaltung.
Nachtrag:
Nach meinem Beitrag habe ich mir noch 2–3 Stunden Videos zum
Silent Hill 2 Remake angesehen. Hauptsächlich wollte ich sehen, welche Details, Anspielungen und sonstige Referenzen das Bloober Team ins Spiel eingebaut hat. Wie beim Originalspiel ist es unglaublich, welche Mühe sich die Entwickler gemacht haben, um das Spiel auf eine höhere Ebene zu heben. Und ich finde es genauso beeindruckend, dass es Menschen gibt, denen solche Details sofort auffallen. Die Hinweise reichen von subtilen Ereignissen im Spiel selbst (mir ist z. B. der Van von Eddy am Anfang ebenfalls aufgefallen; der XL-Trinkbecher am Fahrersitz lässt schon darauf schließen, dass es seiner sein muss) bis hin zu cleveren Referenzen auf andere
Silent Hill-Spiele oder den geistigen Vorgänger. Ich bin stolz darauf, dass ich, obwohl ich
Silent Hill 4 nie selbst gespielt habe, das Badezimmer daraus im Spiel erkannt habe. Das Loch in der Wand ist einfach ikonisch.
Ich liebe extrem detaillierte Spiele. Das ist auch einer der Gründe, warum ich die
Metal Gear Solid Reihe so sehr mag. Zwar macht mir spielerisch
Silent Hill nicht annähernd so viel Spaß wie ein
MGS, aber ich honoriere diese unglaubliche Liebe zum Detail. Die Art, wie die düstere Atmosphäre durch Sound, visuelle Hinweise und kleine Umweltgeschichten aufgebaut wird, ist wirklich einzigartig. Gerade im Remake wird die Atmosphäre auf eine ganz neue Ebene gehoben, besonders durch die detailreichere Umgebungsgrafik und das präzisere Sounddesign, das die beklemmenden und verstörenden Momente noch intensiver wirken lässt. Auch die subtileren Animationen, wie James’ zögerliche Bewegungen oder seine Unsicherheit in bestimmten Momenten, tragen dazu bei, die psychische Tiefe der Geschichte noch eindringlicher zu machen - das ist aber auch nur Dank der neuen Technik möglich.
Zusätzlich finde ich es faszinierend, wie das Bloober Team kleine, moderne Design-Elemente ins Remake integriert hat, die der Atmosphäre gut tun, ohne den alten Stil völlig zu verlieren. Mir ist durch weitere Youtube Videos zum Beispiel aufgefallen, dass einige Lichteffekte und Schattenwürfe den Originalstil zwar respektieren, aber gleichzeitig mit neuer Technik verstärken. Dadurch wirken einige Szenen bzw. Passagen noch intensiver.
Ich kann jedem Interessierten nur herzlichst empfehlen – und man muss das Spiel nicht selbst gespielt haben – sich auf YouTube ein Video nach dem anderen zu
Silent Hill 2 anzusehen. Dabei ist es egal, ob man mit dem Original oder direkt mit dem Remake startet. Wenn man sich anschließend auch noch die Interpretationen zu James' Geschichte ansieht, wird man viele weitere extrem interessante Stunden investieren. Es ist einfach Geisteskrank wie viel Gedanken sich die Entwickler damals und auch heute gemacht haben.
Es tut mir wirklich leid, ein Spiel, das in vieler Hinsicht weitaus mehr bietet als die meisten anderen Spiele, nicht als ausnahmsloses Meisterwerk bezeichnen zu können. In gewissen Bereichen ist es das, aber für mich bedeutet ein persönliches Meisterwerk auch eine sehr große Spielfreude, die ich hier nicht ganz so empfinde – wobei das jetzt dramatischer klingt, als es eigentlich ist. Hut ab vor dieser Leistung. Es ist kein perfektes Spiel, aber eines, das man in seiner Gesamtheit gerne als Kunstwerk bezeichnen kann.