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1. Lehnt er sich da wirklich persönlich aus dem Fenster oder die Mitglieder?
2. Zwei Schlichter verlagern doch nur das Problem - du wechselst nur die Gesichter.
 
1. Lehnt er sich da wirklich persönlich aus dem Fenster oder die Mitglieder?
2. Zwei Schlichter verlagern doch nur das Problem - du wechselst nur die Gesichter.

Der Weselsky ist schon das bewegende Moment bei der Geschichte, war schon in der Vergangenheit so. Ob und wie stark die Mitglieder zur Zeit noch hinter ihm stehen ... keine Ahnung. Aber man kann wohl ausschließen, daß er sich eigentlich einigen will, aber die GDL-Mitglieder das nicht zulassen.

Und es kann immer helfen, die Akteure auszutauschen. Insbesondere, wenn sie keine persönlichen Verbindungen zu den Streitparteien haben, was ja bei "neutralen" Schlichtern so sein sollte. Die haben schilchtweg mehr Spielraum, als die Bahn und Weselsky. Und weniger Ego.
 
Ja sicher, aber inwieweit die Mitglieder da unabhängig entscheiden und nicht nur dem Leitbullen hinterher rennen, kann ich nicht sagen. Auch nicht wie groß die Zustimmung noch ist. Machen wir uns nicht vor, einen Großteil der Leute kriegst Du schnell zum Streik, wenn Du ihnen überzeugend mehr Geld und mehr Macht versprichst.
 
1. Lehnt er sich da wirklich persönlich aus dem Fenster oder die Mitglieder?
2. Zwei Schlichter verlagern doch nur das Problem - du wechselst nur die Gesichter.
aber zum einen reicht das manchmal (wenn sich die hauptverhandlunsführer nicht mögen, können die ewig brauchen um auf einen gemeinsamen nenner zu kommen) und zum anderen werden dafür ja auch oft neutrale leute gewählt, die die sache objektiver angehen...
 
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Wirklich ein klasse Kommentar zum Thema! :dhoch:

Ich kann das Geheule auch absolut nicht mehr hören. "Die sollen ja streiken, aber...", "Geiselhaft", "Nötigung", "Schikane". Aus der Abfall- äh Boulevardpresse kann man solchen Blödsinn ja noch erwarten, weil einseitige und primitive Berichterstattung ja deren Geschäftsmodell ist, aber den gleichen Dünnpfiff aus der Politik zu hören ist mal wieder beschämend bis alarmierend. Ist immer toll, wenn Menschen in diesem Land auf dem Papier Rechte haben, aber nutzen sie sie auch, bekommt die Obrigkeit es gleich mit der Angst zu tun.

Deutschland hat die geringste Anzahl von Streikaktionen europaweit. Und gleichzeitig hat es sich auch was das Lohnniveau angeht in Europa ziemlich an den Rand begeben. Politik und selbst Konzerne wie die Deutsche Bahn AG haben das Dummvolk in sämtlichen Onlinekommentarspalten der Zeitungen und Facebookseiten hinter sich. Wenn ich den ganzen Tag nur BILD lesen und RTL gucken würde, würde ich wohl auch mein durchgekautes Frikadellenbrötchen auf ein Weselsky-Foto rotzen.

Heute morgen hat eine interviewte Frau auf N24 geweint, weil sie drei Stunden länger unterwegs war als geplant. Gestern hat in den selben Nachrichten eine Mutter geweint, weil ihr Sohn von Rockern hingerichtet wurde. Wenn selbst der Boulevard sein Augenmaß verliert,
ist es sicherlich nicht mehr weit bis zum ersten tätlichen Angriff auf einen Streikposten und dann fragen sich alle: Woher kommt bloß diese übertriebene Wut? :schock:

Oder auf Weselsky, denn was die Presse auch verschweigt: Für einen Streik bedarf es einer 3/4-Mehrheit der Mitgliederbasis in der Urabstimmung, angenommen werden Einigungen mit einer 2/3-Mehrheit. "Weselsky befiehl, wir folgen!" sah ich schon in einem Anti-GDL-Posting bei Facebook. Es wäre so toll, wenn die Menschen erstmal nachdenken würden, ob sie überhaupt in der Lage sind, sich zu einem Thema zu äußern. Aber wer will es ihnen auf der anderen Seite verübeln, wenn Politik und Presse genauso dumm daherreden, wie sie selbst...
 
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Ein Erklärungsversuch: eine überschaubare Gruppe setzt mit seinen betriebsinternen Grabenkämpfen quasi das ganze Land unter Druck. Es mag ihr Recht sein, aber aufgrund ihrer Stellung sind jedesmal überproportional viele Menschen betroffen. Selbst jene, die wirklich nichts mit der Bahn am Hut haben.

Erwartet man, dass man denen auf die Schulter klopft?

Die Außendarstellung von Weselsky trägt ihr Übriges dazu bei.
 
Weselsky mag ein Unsympath sein, aber dennoch konnte mir bisher niemand erklären, was der Unterschied wäre, wenn die Lokführer einer großen Gewerkschaft angehören würden, und DIE dann zum Streik aufruft. Oder wie ein Lokführer für seine Arbeitnehmerrechte streiken sollte, ohne dass Bahnkunden betroffen sind.

Streike ich, bleibt mein Büro zu. Streikt der Arzt, bleibt die Praxis zu. Streikt der Lokführer, fährt der Zug nicht. Vollkommen normal.

Die GdL hat sich seinerzeit nur so großen Zulauf in ihrer Branche gehabt, weil die großen Klüngelgewerkschaften mit den Parteibuchfreunden im Bahnvorstand die Lokführer quasi gar nicht mehr vertreten haben. Das von der GdL im Jahre 2007 durchgeboxte Lohnplus von 11% spricht auch deutlich aus, dass davor nahezu ein Jahrzehnt lang Ebbe herrschte.

Aber ich sagte ja schon: Streikgrundrecht auf dem Papier sieht verdammt demokratisch aus, Streikrecht in der Praxis ist den "Demokraten" aber mal so gar nicht geheuer.
 
Dadurch, dass das Lohnniveau in vielen Bereichen gefallen ist und vor allem langfristig sichere Arbeitsplätze nicht mehr so selbstverständlich sind wie vor vielen Jahren ist imo auch die Missgunst untereinander gestiegen.

Jeder spielt die Tätigkeit der anderen runter, auch im Angesicht der Bezüge (Kindergärtner: Bittken mit den Kindern spielen; Lehrer: Anne‘ Tafel malen und immer Ferien haben, morgens haben sie recht und nachmittags frei; Lokführer: Hebel vor und zurück schieben; Altenpfleger: Die Omas füttern; Gartenbauer: Blümchen gießen). Ich könnte ewig so weitermachen.

Eine gesicherte Position führt zu mehr Gelassenheit. Und die ist vielen von uns, auch mir, schon lange abhanden gekommen.
 
Dadurch, dass das Lohnniveau in vielen Bereichen gefallen ist und vor allem langfristig sichere Arbeitsplätze nicht mehr so selbstverständlich sind wie vor vielen Jahren ist imo auch die Missgunst untereinander gestiegen.

Ja, aber genau das wollte die Politik doch. Alle gegen alle, jeder für sich. Konkurrenz, Wettbewerb, Kampf. Sonst hieße es ja immer noch Deutsche Bundesbahn.
 
Zur Klarstellung: Ich möchte weder der GDL noch irgendeiner anderen Gewerkschaft das Streikrecht abspinstig machen. Dass da viele Menschen momentan empört reagieren und über das Ziel hinausschiessen ist bedenklich, aber wohl auch den Emotionen geschuldet.

Aber Kritik am Streik ist eben auch Teil dieser Gesellschaft, die ein Streikrecht beinhaltet. Dass das nur wohlwollend kommentiert werden sollte leitet sich daraus nun auch nicht ab. Und gerade bei der Bahn trifft es halt besonders viele Menschen, die in den eigentlichen Konflikt überhaupt nicht involviert sind bzw. auch auf diese Dienstleistung angewiesen sind.

Wenn Du Dein Büro zumachst staut sich danach nicht der Verkehr rund um Stuttgart auf 30KM. Da erhoffen sich wohl viele die grundsätzlich das Streikrecht begrüßen ein wenig mehr Fingerspitzengefühl seitens der GDL. Nur weil man kann muss man es nicht unbedingt auch tun.
 
Kritik ist vollkommen okay. Das kann man tun. Ein Politiker, der ein Grundrecht als Erpressung bezeichnet, kritisiert aber nicht mehr. Ein Bild-Leser der netzverbal ein "JETZ REICHST ABER MAHL!" in den Kommentarbereich rotzt, kritisiert auch nicht.

Es ist nunmal automatisch so, dass nicht fahrende Züge diese Auswirkungen haben. Aber welcher Arbeitgeber hört einer Kuschelkurs fahrenden Gewerkschaft zu? Die sind hauptsächlich bei der DB auch so "entsetzt" von der GdL, weil sie vorher ihren Gegenübern die wichtigen Bestandteile der Tarifverträge brav ins Notizheftchen diktieren konnten.

Gerade wer die Bahn öfter nutzt, weiß, wie unwichtig diesem Konzern die Reisequalität seiner zahlenden Kunden ist. Dass sie ihre eigenen Mitarbeiter besser behandeln fällt mir da wahnsinnig schwer zu glauben. Denn alles was die Aktionäre nicht glücklich macht, macht auch die Bahn nicht glücklich. So wie es bei der Privatisierung des ganzen Ladens gewollt war.
 
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