Gleichstellungsbeauftragte beschwert sich bei Seehofer
Maria Spetter wirft dem Minister in einem an die Mitarbeiterinnen verteilten Brief vor, den Koalitionsvertrag "zu verhöhnen". Grund: Seehofers männliche Staatssekretäre.
Die Gleichstellungsbeauftragte des Bundesinnenministeriums, Maria Spetter, hat die Personalentscheidungen Horst Seehofers in einem hausinternen Rundschreiben kritisiert. Der CSU-Politiker
hatte mit seiner Entscheidung, die acht Staatssekretärsposten in seinem Ministerium nur mit Männern zu besetzen, öffentliche Empörung ausgelöst.
Sie verfasste ein an den Minister adressiertes Schreiben, das sie den im Ministeriums beschäftigten Frauen zur Kenntnis gab. In dem ZEIT ONLINE im Faksimile vorliegenden Brief schreibt Spetter, Seehofers Entscheidung lasse viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums ratlos, betroffen und wütend zurück. Ein von ihr eingeholtes internes Meinungsbild habe ergeben, dass Seehofers Personalentscheidungen "auf völliges Unverständnis im Haus" stoßen. Das Ministerium wollte die Existenz des Schreibens auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren.
Spetter wirft Seehofer vor, den Koalitionsvertrag zu "verhöhnen", der die "gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Leitungsfunktionen im öffentlichen Dienst bis 2025" vorsehe. Seine Personalentscheidungen seien "ein klares Zeichen gegen Führung und stellen einen politischen wie gesellschaftlichen Rückschritt dar, der neue Fronten zwischen Männern und Frauen aufmacht", schreibt Spetter. Weiter heißt es, dass Seehofer seine Glaubwürdigkeit verspielt habe, indem er als Minister, "der für das Öffentliche Dienstrecht und den gesellschaftlichen Zusammenhalt verantwortlich ist", dem Koalitionsvertrag zuwiderhandelt.