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Ich vermute mal, dass die schwachen Leseleistungen sich nicht auf prekäre Verhältnisse beschränken. Und das Phänomen ist auch nicht neu. Ich hab vor einem Jahr bekanntermaßen meinen Meister gemacht und saß also 2 Tage die Woche mit nem Haufen 25-40jährigen in einer Klasse. Natürlich musste auch vorgelesen werden im Unterricht. Es ist erschreckend, wie schlecht die Leute vorlesen. Von der Grammatik gar nicht erst angefangen. Es strengt die Leute unheimlich an vorzulesen. Sie sind es einfach nicht gewohnt, sicherlich auch, weil es im Alltag selten erfordert wird. Da fehlt auch oftmals die Übung und ich schätze, sie sind schon mit schlechten Leistungen aus der Schule entlassen worden. Das allein fände ich auch gar nicht mal so dramatisch, wenn damit nicht oftmals auch eine eklatante Schwäche im Erfassen und Begreifen des Textes einhergehen würde.

Soweit mein Kommentar dazu. Bevor man sich hier altersgerecht über die Mängel der Kinder beklagt, auch mal an die eigene Nase fassen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass vernünftiges Vorlesen mittlerweile eine seltene Gabe ist.

Ich gebe aber zu, dass es gerade meine Kinder waren, die mir da noch den letzten Schliff gegeben haben. Ich halte mich für nen ziemlich guten Vorleser. Eine Stunde am Stück aus nem Roman vorlesen, mit Betonung usw. kann ich mittlerweile ganz gut, auch wenn ich am Ende vielleicht etwas heiser werde.

Mein großer hat übrigens ne leichte Lese-Rechtschreibschwäche. Wobei das Lesen bei ihm sehr gut geht, aber das Schreiben ihm schwerfällt. Er bekommt demnächst auch ne Therapie deswegen. Das wäre vermutlich aber nie aufgefallen, wäre er in einer normalen Schulklasse. Er ist aber in einer ziemlich leistungsorientierten HB-Klasse und hat ne sehr aufmerksame Lehrerin. Wo übrigens permanent gelesen wird. In der dritten Klasse war das der Fokus im Deutschunterricht. Insofern kann ich persönlich diese Erfahrung eh nicht teilen.

Ach eins noch: Hausaufgaben mit Kindern zuhause machen. Ja klar, sollte man machen. Aber erst wer durch diese Hölle gegangen ist, weiß wovon er mitunter redet. Das kann sehr, sehr anstrengend sein - für alle Beteiligten, am Ende eines langen Tages.

Übrigens, mir wurde in der Kindheit nie zuhause vorgelesen. :D
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass der Artikel die Probleme nur an der Oberfläche anspricht.

Klar gibt es "Asi-Familien". Aber man wird nicht als "Asi" geboren. Die allein erziehende Mutter, die den ganzen Tag arbeiten gehen MUSS, ist vielleicht wirklich Abends nur noch platt und hofft, dass ihr Kind über den ganzen Tag in der Schule / KiGa gelernt hat. Unser System lässt solchen Menschen aber oft keine andere Wahl.

"Asis" sind oftmals durch die hintergründigen Strukturen dazu geworden (nicht immer, klar). Wenn du Jahre lang vom Leben abgehängt wirst, wie sollst du da noch deinen Kindern ein anderes Leben vorleben? Irgendwann resigniert jeder Mensch und dann lebst du halt in anderen Verhältnissen.

Es gibt IMO nicht nur die Schere zwischen arm und reich. Gebildet und ungebildet. Wir steuern auf eine Gesellschaft zu, wo es gerade an den unteren Rändern mehr Verlierer als Gewinner gibt. Da gibt es sicher individuelle Problemfälle, vieles ist aber gesellschaftlich und politisch gefördert.
 
Letztlich ist es doch so, dass es sich der Staat/Die Gesellschaft nicht mehr leisten kann, Kinder in finanziell schwachen Familien ihrem Schicksal zu überlassen. Er benötigt diese Ressourcen und muss entsprechende Vorsorgen treffen und Angebote schaffen. Und jede Familie aus solchen Milleus ist froh, wenn ihnen solche Angebote gemacht werden, weil sie auch nur das Beste für ihre Kinder wollen.

Thema Frühstück: Bei uns an der Schule machen ein paar Omas jeden Tag ein Frühstücksangebot, eigentlich vornehmlich nur für die Kinder, die eben ansonsten nur mit nem Smoothie von McDonalds da ankommen würden. Das ist aber so ne beliebte Institution, dass auch die anderen Kinder da hingehen. Mein Sohn auch. War uns anfangs ein wenig unangenehm, dann haben wir die mal angesprochen. Is wohl kein Problem, die kennen das Phänomen. Ist für die finanziell schwachen Kinder sicherlich auch ne schöne Sache, wenn sie da nicht so stigmatisiert werden. Das Angebot wird zum Teil übrigens von ner Elterninitiative bezahlt, nem Elternverein, in dem wir auch Mitglied sind und der an der Schule viel bewegt. Solche Vereine werden wiederum natürlich von besser gestellten Eltern ins Leben gerufen. Es ist also ein Miteinander und kein Echauffieren über die Faulheit der Armen, die einen weiterbringt. ;)
 
Mir wurde auch nicht vorgelesen. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern. Meine Mutter hat aber selbst ständig gelesen, also war das für mich völlig normal und ich hab selber sehr früh angefangen zu lesen. Wahrscheinlich gehts meinen Kindern jetzt auch so. Bei uns sind überall Bücher, alleine das weckt wohl das Interesse.
Und es sind nicht nur "Asi"-Familien" (sozial schwach gefällt mir besser). Die Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit findet man auch in anderen Schichten.
Und Urgs hat recht, alleine mit dem Finger zeigen reicht nicht. Bei uns gibts z.B. ein Musikschul-Angebot. Manche Eltern begleiten das im Wechsel ehrenamtlich (meine Frau geht da alle zwei Wochen hin), und die Lehrerin und die Instrumente werden durch Spenden finanziert. Hingehen können alle Kinder. Andere Eltern haben eine monatliche "Kinderkirche" organisiert. Also kein Gottesdienst, eher so ne Gesprächsgruppe, in der gelesen und gebastelt wird. Jetzt mal unabhängig davon, was man von der Kirche hält, ich persönlich finde es ne gute Sache. Läuft alles ehrenamtlich und mit Spenden. Gibt noch andere Dinge.
Aber am Ende sind bei allen Angeboten immer die selben Kinder, und nicht die, von denen man sich wünschen würde, die Eltern würden sie dahin schicken. Aber was will man machen. Mehr als anbieten kann man nicht.
 
Mit dem Essen isses ähnlich. Immer wieder höre ich, wenn man nicht viel Geld hat, bleibt einem nichts anderes übrig als den letzten Schrott im Discounter zu kaufen. Man könne seine Kinder ja gar nicht gesund ernähren. Das ist Bullshit.
Man kann vielleicht nicht alles Bio kaufen, oder in den Fair Trade Laden gehen (können wir auch nicht), aber man kann trotzdem z.B. Obst kaufen, dazu Haferflocken und sich morgens mal 5 minuten in die Küche stellen und den Kindern ein Müsli selbst zubereiten. Man muss nicht ständig Cornflakes geben. Auf Dauer ist selber machen sowieso günstiger, daher verstehe ich das Argument eh nicht.
ich habe vorgestern ne doku mit tim mälzer gesehen die prima dargestellt hat, dass genau das geht: eine 5-köpfige familie mit dem hartz4-satz für essen eine woche ausschließlich mit bio zu ernähren. das waren pro tag und person keine 4,50€. und am ende haben die noch 7€ übrig gehabt.
was es braucht ist vorbereitung und etwas einfallsreichtum wie ich mir das essen zubereite und aufteile (beispiel: hähnchenschenkel: erst zur suppe auskochen, dann hühnerfrikasse). im grunde genau das, was in den nachkriegsjahren auch schon gemacht wurde.
 
Jetzt braucht man nur noch 4 kinder, ein single harzler wird das nicht hinbekommen außer er hätte ne monster tiefkühle vielleicht un das zeig einzufrieren.

Aber es muss ja nicht bei allem bio sein.

Bei der bio milchmädchenrechnung hat man das wahre leben nur vergessen, so diszipliniert funktioniert eine familie nicht, denke die die in der familie aufgewachsen sind oder selbst kinder haben wissen wie kinder auch unterwegs durchaus mal quengeln können und man unterwegs schon mal etwas zu essen kauft. Oder man sich selbst. In der theorie mag es gehen, in der theorie ist auch der mindestlohn korrekt.
 
Ich denke, der Mälzer hat das wirklich gut gemeint, als Inspiration. Was dann daraus gemacht wird im Nachhinein, von den gut situierten Asis ... das steht auf nem anderen Blatt. ;)
 
Man muss das jetzt nicht ins lächerliche ziehen. Natürlich wird es ziemlich viel Disziplin erfordern, ausschließlich Bio-Produkte zu kaufen, und wird eher unrealistisch sein.
Aber das ändert nichts daran, dass selber kochen/machen günstiger ist als das Zeug fertig zu kaufen. Muss ja kein Bio sein. Einen Essensplan zu erstellen und danach einzukaufen ist jetzt auch kein riesiges Hexenwerk. Wir geben maximal 400€/Monat an Lebensmittel aus (der reine Einkauf im Laden) plus 250€ einmal im Jahr für Fleisch von nem Bauernhof (kommt in Froster). Wir sind ne vierköpfige Familie und wir essen ziemlich ausgewogen. Und ich merk gerade, damit liege ich unter dem Satz, den der Mälzer für die HartzIV Familie gebraucht hat :D Und so viel Disziplin legen wir nicht an den Tag, beim Einkauf ist z.B. immer Süßkram mit dabei. Ich hab jetzt nicht das Gefühl, ich würde auf was verzichten.
heute Abend gibts Pizza, selbst gemacht. Müsste ich TK-Pizza kaufen, die auch halbwegs schmeckt und alle satt macht, würde das über 13€ kosten. Selbstgemacht ist ne halbe Stunde Arbeit, die Kinder haben Spaß beim Helfen und die ganzen Zutaten kosten locker unter 5€.

-e-
http://www.spiegel.de/panorama/uebergewicht-mangelnde-bildung-macht-dick-a-256598.html
 
5€ aber auch nur, wenn man die Zutaten auf mehrere Pizzen danach aufteilt, oder?

Wir machen unsere Pizza meistens auch selbst. Meine Frau kauft allerdings den ausgerollten Teig meist fertig. Abends auch noch einen Hefeteig selbst machen... na ja. Der Teig kostet für ein Blech alleine schon zwischen 2 und 3 Euro. Salami für ein ganzes Blech Pizza? Kommt wohl drauf an. Aber selbst eine abgepackte Packung Salami kostet im Discounter wohl über 1 Euro. Mindestens mal eine Paprika. Pilze? Schinken? Tomaten-Sauce? Dazu mindestens ein Beutel Käse zum Überbacken.

Wenn du damit fertig bist, hast du ausser der Paprika wahrscheinlich auch alles mit Produkten, die man so auch auf Tiefkühlpizzen findet. :D

Und ich glaube nicht, dass man da mit 5€ für vier Personen wirklich hinkommt.

Aber gut, das ist ja auch eine Sache, dass man es gerne zusammen macht.

Eine Ristorante Salami kostet übrigens 2,49€ regulärer Preis bei uns im Supermarkt. Zwei für die Erwachsenen (bei uns), der Sohnemann packt keine ganze Pizza, gibt den Rest der Tochter. Also 3 Pizzen, macht 7,50€ für die ganze Familie. Ich schätze mal, preislich geht sich das nicht weit aus den Füssen.
 
Ich hab gestern mit bioartikel 1 blech pizza gemacht. 1 hefewürfel 49 cent, sind 42 gramm, als single brauch ich genau 7 gramm. Das ist das problem des singles, hätte man familie kann man deutlich mehr hrausholen, klar kann ich teig für 10 bleche herstellen und einfrieren welche ich dann in 3 monaten aufesse, deswegen sagte ich bereits, man braucht schon eine große truhe als single da alles was man kauft viel zu viel für einen alleine ist. Selbst das blech alleine ist ja schon zu viel.

So sah die übrigens aus, gesamtkosten deutlich teurer als 3€ trotz ohne fleisch.
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ich sags auch gerne nochmal: natürlich braucht das überlegung und vor allem planung. einfach in den nächstbesten bioladen latschen und für wenig geld die ganze woche bio funktioniert nicht. und ja, man wird auch verzichten müssen. aber der punkt ist: es geht.
 
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