Das ist imho sogar alles andere als ein leichtes Thema. Es berührt doch auch etwas über "das man nicht gerne spricht".
Und das ist nicht mal das wirkliche Problem. Wirklich problematisch wird es wenn es um ein Klientel geht das sich nicht selbst konkret dazu äußern kann. Geistig Behinderte sind da ein gutes Beispiel. Natürlich haben diese Menschen auch einen Wunsch nach Sexualität, nur können sie sich eben unter Umständen nicht konkret dazu äußern. Die Voraussetzung für das ganze ist allerdings eine beidseitige Einvernehmlichkeit. Wie soll man nun in so einer Situation vorgehen. Mit der jetzigen Gesetzeslage wäre jede sexuelle Handlung sexueller Missbrauch.
Beispiel aus meiner Praxis: Ein etwa 25 jahre alter schwer geistig Behinderter den ich jeden Morgen im Bett gewaschen habe war oft davon offensichtlich erregt. Er selbst hatte Spastiken an beiden Händen und konnte, auch wenn er wollte, sich selbst nicht befriedigen. Natürlich musste auch der Intimbereich gewaschen werden, was wiederum sehr offensichtlich als angenehm empfunden wurde. Aber er kann sich dazu eben nicht äußern. Vorhin habe ich mich schon mal bezüglich des "intensiveren Waschens" geäußert. Wäre für mich persönlich jetzt nicht das Problem und für den Betreffenden wahrscheinlich auch nicht. Nunja... kann man tun. Nur leider würde jegliche Handlung, die über die normale Körperreinigung hinausgehen würde als sexueller Missbrauch bewertet werden, der in dem Fall, neben normalen strafrechtlichen Konsequenzen, auch mit Berufsverbot einhergehen würde. Der Behinderte kann sich ja wie gesagt nicht dazu äußern, und nur die "Wahrscheinlichkeit" dass das demjenigen taugt (wenn auch noch so offensichtlich) ist rein rechtlich eben keine Zustimmung. Von daher werden wohl fast alle Mitarbeiter davon Abstand nehmen (ganz zu schweigen davon dass das für einen großen Teil selbst ein Problem wäre).
Eine weitere Problematik: Die bisherigen Gesetze hinsichtlich sexuellen Missbrauch kommen ja auch nicht von Ungefähr. Durch eine laxe Gesetzgebung könnte man Tür und Tor für Menschen öffnen die sich selbst sexuell an den Betroffenen vergehen würden. Das muss natürlich weiter verhindert werden.
Aber zurück zum Problem der Thematik: Wie kann man diese Problematik lösen? Den Behinderten wie bisher jegliche Sexualität absprechen? Das Thema wie bisher verschweigen?
Das kann nicht die Lösung sein. Es braucht eine sinnvolle Debatte in der Politik. Es müssen Fachmeinungen eingeholt werden und Hand in Hand mit ihnen an einer zufriedenstellenden Antwort gearbeitet werden. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, kostet Zeit und Geld und ist in der Öffentlichkeit kein Thema mit dem man groß punkten kann. Von daher glaube ich leider nicht dass sich die Politik dem Thema groß widmen wird.
Behinderte selbst haben leider keine tolle Lobby. Das wird meist von den Behindertenverbänden übernommen denen das Thema selbst auch zu heiß ist.
Und das ist jetzt nur ein kurzer Einblick in die Tiefe des Themas. Ob jetzt die Öffentlichkeit davon unangenehm berührt ist ist das kleinste Problem.
EDIT: Im Spiegel gabs gestern auch was darüber zu lesen:
http://www.spiegel.de/gesundheit/se...n-grundrecht-oder-prostitution-a-1129343.html