Sowohl demokratie- und legitimitätstheoretisch wie praktisch-politisch wäre es zweifellos kaum möglich für das Parlament, sich nun über den Wählerwillen hinwegzusetzen. Auf der anderen Seite bietet die Verfassungslage den politischen Eliten jenseits der Rechtspopulisten in Ukip und bei den Tories die Chance, den
Brexit doch noch zu verhindern: Durch das Verschieben des Austrittsgesuchs bei der EU wird Zeit gewonnen, und ein neuer Premierminister kommt angesichts der komplexen Lage wohl kaum umhin, sofort nach seinem Amtsantritt Unterhauswahlen anzusetzen, um seine Legitimation zu stärken. Der daraus resultierende Parlamentswahlkampf könnte jedoch quasi als neues Referendum über den „Brexit“ interpretiert werden, sofern die Folgen des anstehenden Austritts Großbritanniens von den Parteien entsprechend ins Zentrum des Wahlkampfes gerückt werden.
Dies dürfte kaum zu vermeiden sein, zumal sich mit dem drohenden Zerfall des Königreichs wegen der EU-Frage eine ganz neue Situation ergeben haben dürfte. Wenn man realistischerweise davon ausgeht, dass Ukip oder die EU-skeptischen Teile der Konservativen nicht mit einer absoluten Mehrheit der Sitze – hier spielt auch das Wahlsystem dem „Remain“-Lager in die Hände – aus diesen Wahlen hervorgehen werden, könnte der neue Premier den „Brexit“ ganz legitim zu den Akten legen