Der von Urgs gepostete Artikel, der gerade der deutschen Regierung vorwirft, dass die Verhandlungen der letzten Wochen ein "Schmierentheater" gewesen wären und das mit der Aussage verbindet, die "Blockierer" säßen in Berlin, ist eine Dummheit und Frechheit sondergleichen.
Fakt 1: Das zweite Hilfsprogramm wurde bereits um vier Monate verlängert, damit man noch Zeit hat sich mit der neuen griechischen Regierung auf Reformen einigen zu können und das restliche Geld aus diesem Hilfsprogramm auszahlen zu können.
Fakt 2: Die griechische Regierung hat bis ein paar Tage vor Schluss der rechtlich verbindlichen Frist am 30. Juni auf komplette Blockade geschaltet, wohl weil sie gedacht haben, dass die Eurozone schlussendlich keinen Grexit riskieren und frisches Geld ohne größere Reformen und Sparmaßnahmen bewilligen wird. Hätten Sie einfach das letzte Angebot der Eurogruppe angenommen, anstatt diese Farce von einer Volksabstimmung abzuziehen, hätten sie ihr Geld inzwischen schon.
Fakt 3: Als ein paar Tage vor Ablauf der Frist angeblich die Positionen der Verhandlungspartner offenbar nicht mehr weit auseinander waren, kündigt Tsipras plötzlich ein Referendum am Sonntag eine Woche später an. Zum Zeitpunkt des Referendums war das zweite Hilfsprogramm allerdings bereits ausgelaufen.
Die griechische Volksabstimmung war ein schwerer Missbrauch eines direktdemokratischen Instruments zu populistischen Zwecken. Das Volk hatte nur eine Woche Zeit zur Willensbildung, also viel zu wenig, um die gestellte Frage überhaupt eingehend zu analysieren und zu diskutieren. Wessen Schuld war das? Die der griechischen Regierung, denn die hätte diese Volksabstimmung schon vor Monaten machen können, wenn sie es denn gewollt hätten. Außerdem war die Frage absolut unverständlich für den Durchschnittsbürger, bezog sie sich doch selbst auf zwei weitere Dokumente mit finanzpolitischem Inhalt. Schließlich hat die griechische Regierung auch noch das Volk darüber belogen, was die jeweils möglichen Ausgänge der Abstimmung bedeuten würden, indem sie behauptet hat, dass Griechenland jedenfalls im Euro bleiben würde. Dazu hat die griechische Regierung auch noch dazu aufgerufen, mit "Nein." zu stimmen.
Nun sind wir in einer Situation, in der die Banken zu sind und die griechische Wirtschaft leidet. Zudem ist das zweite Hilfsprogramm ausgelaufen und ein neues drittes müsste beschlossen werden.
Da das neue Programm wesentlich umfangreicher sein würde, als die bloße Auszahlung von restlichen Geldern aus dem vorherigen zweiten Programm und da außerdem durch das Verhalten der griechischen Regierung und des griechischen Volkes nun die Wirtschaftsdaten und die Prognosen für Griechenland deutlich ungünstiger ausfallen, ist klar, dass ein Vorschlag wie er noch vor einigen Wochen am Tisch lag (und von Griechenland problemlos einfach hätte angenommen werden können!) inzwischen nicht mehr ausreichend ist.
Zuzuschreiben haben sich die Griechen das selbst, die zuerst SYRIZA und damit Tsipras an die Macht gebracht haben, die sich eben entschieden haben, die Interessen Griechenlands durch eine Blockadepolitik in den Verhandlungen mit der Eurozone zu vertreten. Als dann klar war, dass das schiefgehen würde, hat man sich in eine Volksabstimmung geflüchtet und das Volk hat, wie von der Regierung gefordert, mit "Nein" zu den letzten Vorschlägen der Eurozone gestimmt.
Jetzt zu behaupten, die "Blockierer" säßen in Berlin, nachdem die griechische Regierung und (!!) das griechische Volk in Volksabstimmung "Nein" zu den immer wieder angebotenen und seit Monaten verhandelten Konditionen gesagt haben, ist eine Absurdität sondergleichen.
Dass nach einem derartigen Verhalten der griechischen Regierung die Geldgeberstaaten nicht mehr bereit sind, einfach ohne Umsetzungsgarantien frisches Geld nach Griechenland zu schicken, ist doch nur mehr als verständlich. Ich kann allerdings sowieso beim besten Willen nicht sehen, wie jetzt noch eine Einigung möglich sein soll.
Die Griechen haben den Karren schlicht und einfach an die Wand gefahren. Da müssen sie jetzt durch.