So, ich komme gerade aus der Vorstellung, hier mein Fazit:
Vorab: Ich kann bei dem Film nur schwer beurteilen, ob er besser/schlechter als Teil X der Reihe ist. Entweder mag man FdK oder man mag's nicht. Wer mit FdK vorher nichts anfangen konnte, wird auch mit Teil 4 nichts anfangen können. Wer aber mit den vorherigen Teilen seinen Spaß hatte, der muss sich auch bei "Fremde Gezeiten" keine Sorgen machen.
Dem allgemeinen Tenor, dass sich Teil 4 wieder mehr am ersten orientiert, würde ich mich aber anschließen.
Da die Story um Will & Elizabeth bekanntlich beendet wurde, fängt man bei "Fremde Gezeiten" quasi neu an.
Der jetzige "Neuanfang" rund um den Jungbrunnen ist deutlich einfacher gestrickt und direkter (was positiv ist gerade im Vergleich zum wirren dritten Teil) - die Kehrseite des Ganzen ist allerdings, dass die Story eher...zweckmäßig wirkt. Ist ganz nett, reißt aber keine Bäume aus.
Nach den teils effekt-überladenen Teilen 2 & 3 schaltet Teil 4 auf jeden Fall wieder ein, zwei Gänge runter (was sicherlich auch dem geringeren Budget geschuldet ist). Weniger CGI, allgemein etwas weniger Actionspektakel. Trotzdem wirkt's zu keiner Zeit irgendwie billig oder so, schaut schon alles gut aus. Ich hab's in 3D geguckt, der Einsatz ist allerdings eher "dezent".
Auch spielt "Fremde Gezeiten" deutlich mehr an Land, als die vorherigen Teile. Eine Schiffsschlacht gibt's z.B. gar nicht. Find' ich persönlich etwas schade, da es für mich irgendwie dazugehört - mag aber jeder anders sehen.
Schauspielerisch gibt's nichts zu meckern...was auch daran liegt, dass keinem der Akteure groß was abverlangt wird. Johnny Depp spielt Sparrow wie eh und je (im positiven Sinne) und speziell Barbossa fand' ich in seiner Rolle recht witzig.
Penelope Cruz als Angelica ist auf jeden Fall der "beste" Neuzugang in der Reihe, da sie in ihrer Rolle einen gelungenen Gegenpart zu Depp darstellt und die beiden imho wunderbar harmonieren.
Ian McShane als Blackbeard ist dagegen leider ein Fehlgriff - damit meine ich nicht, dass die Rolle falsch besetzt wäre, sondern dass die Rolle des Blackbeard im Film zu sehr verharmlost wird. Dies ist auch ein Problem des Films: Da Blackbeard für den Zuschauer zu keiner Zeit wirklich bedrohlich wirkt (da war selbst Davy Jones besser), fehlt dem Film irgendwie das "klassische Böse".
Auch bei den Nebendarstellern hat man aufgeräumt. Von der alten Crew ist nur noch Gibbs da...was mich schon enttäuscht, da man sich an einige andere ebenfalls über die vorherigen Teile hinweg fest gewöhnt hat. Der Kritikpunkt kommt auch deshalb auf, weil im jetzigen vierten Teil die "neuen" Nebendarsteller absolut blass und austauschbar bleiben. Da waren die alten VIEL besser, imho.
Die Musik von Zimmer ist auch in "Fremde Gezeiten" über jeden Zweifel erhaben und macht Spaß, die Balance zwischen Action und ruhigen Passagen stimmt, optisch ist der Film, was die Atmosphäre und die Locations anbelangt, trotz des geringeren Einsatzes von CGI ebenfalls auf hohem Niveau.
Fazit:
"Fremde Gezeiten" ist klassisches Sommerkino, dass keine hohen Ansprüche stellt, sondern einfach nur Spaß machen soll. Das ist dem Film bei mir durchaus gelungen, wobei ich auch einer bin, den auch Teil 2 & 3 bei Laune gehalten haben.
Einzige Wehrmutstropfen sind die etwas zweckmäßige Story und Schwächen bei den Charakterausarbeitungen - alles in allem hat er mir trotzdem gefallen.
PS: Erste Abnutzungserscheinungen sind dem Film allerdings auch nicht abzusprechen.