War daher auch so eine starke Insznenierung. Hab sehr viel im Netz nachdem ich es durch hatte zur Resonanz des Endes gelesen und immer als Gegenargumente gegen Marukis Reality so Zeug gelesen, wie "was wenn er irgendwann böse wird" und so Kram, aber das Spiel und auch die Abschnitte im DLC bauen ihn ja genau so auf um zu zeigen, dass das wirklich nicht passieren könnte.
Die Situation ist wirklich so gemeint, "Person X altered die Realität und entfernt sämtliches Leid", kein Haken oder andere Bedingungen. Was einerseits logistisch schon ein Clusterfuck ist, wenn man es realistisch im Kopf durchdenken will, aber andererseits viel attraktiver, als es viele andere Spiele sich trauen darzustellen.
Das Leid, dass er verhindert, bezieht sich ja auch nicht nur auf große Dinge, wie der Tod einer nahestehenden Person, aber auch auf mittelgroße und sogar kleine Ereignisse, die einem Menschen den Tag versauen können und ihn runterziehen, wie bei einem Date abgewiesen zu werden, oder das das langerwartete Spiel verschoben wird auf das man sich so gefreut hat oder das Halo Infinite so eine große Enttäuschung wird, weil es ziemlich billig aussieht. Wird ja sogar zwischen den Tagen immer gezeigt in der Bevölkerung.
Die einzige Aversion, die man realistisch dagegen aufbringen kann, kann nur von der potenziellen Angst kommen, dass man es irgendwann irgendwie durch einen Fehler erfährt, dass diese ganze Realität fake ist und der Spiegel vor einem zerbricht und man damit nicht ins Klare kommt.
Es heißt zwar, dass die Personen sonst nicht wachsen, wenn sie das Leid nicht erfahren, es überkommen und als bessere Menschen dadurch hervorkommen, aber das wäre in Marukis Reality auch egal, because they don't have to. Es gibt ja keinerlei Probleme mehr.
Selbst das Argument "joa, irgendwann wird es aber langweilig, wenn man nicht mehr strugglen muss und alles von alleine klappt", fällt flach, da Maruki ja JEDES Leid eliminiert. Wenn jemand also Langeweile entwickelt und irgendwann sogar Depressionen (also Leid, dadurch dass es keine Probleme gibt), eliminiert Maruki ja dieses Leid, in dem Fall, in dem er künstlich Probleme und Struggles im Leben der Person auftreten lässt.
Es ist halt extrem schwer für einige Menschen dieses Konzept gedanklich zu umfassen. Das ist als wenn ich jemanden sage "stell dir vor du könntest for free ein einziges Gericht bis an dein Lebensende essen und du würdest es für immer mögen, was würdest du nehmen?" und die erste Antwort ist "ja, weiß ich nicht, weil wenn ich es lang genug essen würde, würde es mir irgendwann nicht mehr schmecken", dann bist du schon am Gedankenexperiment vorbei, weil man eine der definierenden Eigenschaften des Gedankenexperiments ignoriert hat.
Ein Element, dass ein anderes meiner Lieblingsspiele, Fallout 3, mit dem gleichen Konzept, Tranquility Lane, bei weitem nicht so nuanciert gelöst hat wie P5R. Finde es aufrichtig faszinierend, weil kein anderes Spiel diesem Konzept so eine faire Chance gegeben hat, auch wenn sie halt trotzdem einem zum wahren Ende hinlenken.
Fand daher auch die Psychology Tests sehr interessant in seinem Palace. Man kann es natürlich sehr schnell durchschauen, was Maruki als Antwort haben will, auch wenn man mit den anderen Personen redet und die Companions deuten ja gewohnt offensichtlich auf die richtige Antwort hin leider, aber die Logik dahinter ist doch komplexer, da die wenigsten Menschen ihren moralischen Kompass wohl zu 100% auf "vermeide jegliches Leid" ausgerichtet haben und einige es doch eher als bessere Tat ansehen würden z.B. Zivil-Courage zu haben und dabei zu riskieren eine aufs Maul zu kriegen.
Da ist es interessant, wenn Spieler dafür einen auf den Deckel bekommen und es heißt, dass sie sich falsch entschieden haben. Fand ich alles mega gut gemacht.
Finde es immer noch schade, dass sie in Marukis Ending so den Knee Jerk Moment mit drinne haben müssen, dass Joker davon weiß, dass er in einer gefälschten Realität ist, das Ende wäre imo viel interessanter und einzigartiger, wenn er auch einfach das glücklichste Leben führen würde, da man so den sehr seltenen Moment hätte, dass das positivste Happy Ending NICHT auch gleichzeitig das wahre Ending ist, was imo viel spannender ist, aber fand das ganze trotzdem super umgesetzt und hat mich auch für Monate beschäftigt und drüber nachgedacht.