Für alle, die noch ein Navigationssystem suchen, möchte ich hier einmal meine persönlichen Meinungen und Erfahrungen zum Besten geben.
Im Laden konnte ich bereits die garmin nüvis sowie die Falkgeräte begutachten. In beiden Fällen waren für mich bereits die Farbgebungen eine Katastrophe. Während das garmin mit seinen Bonbonfarben und der rosa Route arg überladen ist, lässt es das Falk mit der blauen Route auf dem bläulichen Hintergrund und den grünen Pfeilen an Übersicht vermissen. Die Bedienung des Falk schien fast identisch mit dem TomTom, die Reaktionszeiten waren allerdings recht lange, ganz zu schweigen von den Berechnungen der Route. Beim garmin schien eine Routenplanung/Vorschau zu fehlen, die beim Falk ziemlich einfach zu erreichen war. Trotzdem waren beide Geräte schon im Laden zu unsympathisch, sodass sich der Test nun auf den Vergleich zwischen dem TomTom 730T, dem Navigon 7310 und dem Becker Traffic Assist Z 205 beschränkt.
Ausstattung:
Für alle drei Geräte fehlt in der Packung eine gescheite Tasche für das Gerät und ein Aufladekabel für die Steckdose. Drittanbieterware passt oft nicht perfekt während das Originalzubehör gerne mit 30 Euro und mehr zu Buche schlägt. Der Netzstecker macht schon Sinn, um auch zu Hause die Geräte testen und für Fahrradtouren schnell aufladen zu können ohne immer gleich den PC stundenlang laufen zu lassen.
Eine gedruckte Anleitung lag nur dem TomTom bei, die anderen beiden müssen auf dem PC als pdf Datei gelesen werden. Beim Navigon ist das gesamte Handbuch sogar auf dem Gerät installiert. Grauenhaft ist die Autohalterung des TomTom, die dringend durch optionales Zubehör ersetzt werden muss, wenn das Gerät nicht dauernd während der Fahrt durch das Auto kullern soll. Keinen Grund zur Beschwerde liefert die Konkurrenz. Mit bombenfesten Saugnäpfen und freier Justierung überzeugen sowohl das Becker wie das Navigon. Die auf CD ROM mit gelieferte Software ist beim TomTom mit Abstand die umfangreichste, hat schließlich (siehe auch unten) TomTom die meisten Individualisierungsmöglichkeiten. Bei Navigon und Becker beschränkt man sich auf Kartenupdates per Download (nach Registrierung) sowie das Verwalten der Inhalte. Bis vor kurzem war es bei Becker übrigens noch vonnöten, zum Update eine Registrierungskarte in die Niederlande zu schicken und ein Update auf DVD zu kaufen. In heutigen Zeiten wäre das ein Todesurteil, zum Glück aber behebt der Content Manager 2.0 dieses Problem und lässt die Aktualisierungen wie es sich gehört aus dem Netz kommen.
Hardware:
Rein zahlenmäßig hat das Navigon mit seinem 600 MHz Prozessor die Nase vor der Konkurrenz mit jeweils 400 MHz. Dafür verfügen Becker und TomTom über interne Speicher während die Software und Kartendaten bei Navigon auf einer SD Speicherkarte untergebracht sind. Die Batterie schafft bei keinem Gerät die vollen zwei Stunden, was sie im Einsatz zu Fuß oder auf dem Fahrrad begrenzt. Das Navigon zeigt außerdem mit seinen drei Balken nur sehr rudimentär den Zustand an. Hier ist das TomTom mit dem langen grünen Balken wesentlich genauer. Das Becker zeigt sogar in Prozenten jeder den aktuellen Stand an, allerdings nur im Menü. Während des Navigationsvorganges gibt es auch nur die balken-mäßige Schätzung. Ein Aufladevorgang dauert bei TomTom und Becker etwas um die zwei Stunden am PC, das Navigon benötigt mehr als doppelt so lange ohne länger zu halten.
Design der Software:
Das TomTom ist das einzige Gerät, das frei vom Hersteller aus modifiziert werden kann. Tonnenweise Stimmen und Farbschemata warten darauf, herunter geladen zu werden und das zumeist kostenlos. Die Sache hat einen kleinen Haken. Das Aussuchen der richtigen Kartenfarbe ist äußerst kompliziert. Die meisten Farben haben online keine Vorschau, sodass man sie erst runterladen und auf das Gerät kopieren muss. Dann muss man das Gerät einstellen, die Farbe aktivieren und eine Route simulieren, um die Farbe testen zu können. So kann es schon mal ein paar Stunden dauern, bis das Navi seinen Wünschen entspricht.
Von Haus bieten weder Navigon noch Becker diese Funktion. What you see is what you get. Beide setzen auf ein schlichtes, graues Umfeld, wo die Routen in knalligen Signalfarben (orange beim Navigon, rot beim Becker) angezeigt wird. Allerdings gibt es eine Community im Internet, die diverse Modifikationen auch für diese Navis anbietet. Ich sehe die Notwendigkeit nicht, die Signalfarbgebung rot/orange gegen grau sorgt eigentlich für bestmögliche Übersicht.
Kommt allerdings die Sonne raus, geraten alle Geräte blitzschnell an ihre Grenzen, wobei das Becker hier noch am besten abschneidet. Wo man beim Navigon nur noch einen weißen Fleck sieht, kann man beim Becker immer noch die Karte ausmachen.
Becker und Navigon verfügen darüber hinaus noch über eine dreidimensionale Darstellung der Umgebung, wobei man sich aber nicht zuviel erhoffen sollte. Zum einen besteht diese nur aus weißen Blöcken, zum anderen gibt es diese Funktion nur für die größten der Großstädte. Einen wirklichen Mehrwert in der Navigation sehe ich hierin auch nicht.
Die voreingestellten Stimmen konnten beim Navigon am besten gefallen. Computerstimme Sabine klingt sanft und freundlich, dabei immer klar und nie wirklich wie eine Computerstimme. Im Vergleich wirkten die Stimmen des Becker alle etwas hart. Lediglich eine britische Damenstimme kam an Sabine heran, hierbei handelte es sich aber nicht um eine TTS Stimme, sodass sie nicht alle Informationen nennt.
Für das Navigon gibt es ferner von Navigon selbst ein Stimmenpaket für 30 Euro zu kaufen, welches generische Witzstimmen (alle ohne TTS) anbietet. Ohne Testfunktion erscheint der Mehrwert eher gering, zumal man im wilden Verkehr einer fremden Großstadt für "Alda, fahr do' ma' rechts, ey" wohl keinen Nerv haben dürfte.
Bedienung:
Das TomTom und das Becker sind beinahe selbsterklärend mit großen Bedienflächen, die unmissverständlich anzeigen, was Sache ist. Die Routenplanung des Becker erweist sich als zu kompliziert, indem erst das Ziel eingegeben wird, anschließend die Route gespeichert und benannt werden muss, bevor ein Startpunkt gewählt und die Route simuliert werden kann. Etwas versteckt, aber leichter zu bedienen ist die Funktion beim Navigon, wo man die Routenplanung über Optionen findet. Am einfachsten ist es hier beim TomTom, wo man innerhalb von Sekunden seine Route zusammen gestellt und simuliert hat. Das TomTom kann diese Simulation von Original- bis hin zu 5facher Geschwindigkeit frei einstellbar darstellen, das Becker kann die Route optional immer noch überfliegen während das Navigon sie lediglich in Originalgeschwindigkeit abfahren kann. Ein Ziel auszuwählen ist bei GPS Empfang bei allen drei Geräte gleich einfach. Während der Touchscreen bei Becker und TomTom hervorragend mit den Fingerspitzen zu bedienen war, stellte sich der flache Schirm des Navigon oftmals quer. Mit einem Pen oder Wattestäbchen reagierte der Schirm deutlich angenehmer.
Grundsätzlich erweist sich die Bedienung des Navigon als gewöhnungsbedürftig. Der Menübaum ist etwas verschachtelt und undurchsichtig und vor allem sind oft viele Klicks nötig, um zum gewünschten Abschnitt zu kommen. Hat man sich natürlich eingearbeitet, erledigt sich dieser Kritikpunkt. Für meinen Opa wäre das allerdings ein Ausschlusskriterium gewesen.
POIs:
Points of Interesst sind eingegebene Schlüsselstellen jeder Stadt wie Bahnhöfe, Geschäfte, Ärzte etc. Jedes der drei Navis hatte hier Schwierigkeiten, wenn auch in anderen Bereichen. Beim TomTom waren für meine Heimatstadt Papenburg mindestens ein Dutzend Ärzte gelistet, die gar nicht mehr vor Ort sind. Einige sind sogar seit ein paar Jahren tot. Eine Katastrophe waren die Discounter Aldi, Lidl, Penny usw beim Becker und Navigon. Beim Navigon konnte man Glück haben und in einer Großstadt einen Laden finden, das Becker meint aber, dass der nächste Aldi in Oldenburg satte 44 km entfernt ist. Mangelhaft. Gut, nun wird man in Oldenburg keine zehn Meter fahren können ohne auf einen Discounter zu treffen, ärgerlich ist dies aber schon. Universitäten, Bahnhöfe und Flughäfen hingegen waren in allen drei Geräten ordnungsgemäß drin. Natürlich kann man hier naturgemäß weniger Fehler machen.
Routenberechnung:
Das TomTom bietet nur die Möglichkeit einer schnellen oder einer kurzen Route. Alternativberechnungen lassen sich zwar vornehmen, aber erst nach Berechnung der ersten Route. Das Navigon bietet dazu noch die Optimale sowie die Schöne Route. Zusätzlich zeigt das Navigon zu jeder dieser Optionen ganze drei Alternativen (My Routes) an, die sich aber naturgemäß überschneiden können. Das Becker hat die schnelle, kurze, optimale und die einfache Route. Letztere minimiert die Fahrmanöver, was sinnvoller ist als es auf den ersten Blick erscheint, schließlich sind die Abbiegemanöver die größten Fehlerquellen beim Fahren. Das Becker kann außerdem alle vier Routen gleichzeitig farblich markiert anzeigen und bietet so die beste Möglichkeit, sich zu entscheiden. In der Praxis war es aber leider sehr oft so, dass nur die kurze Route sich unterschied und die anderen drei Routen sehr ähnlich bis identisch waren. Bei sehr kurzen (bis 3 km) und bei langen Strecken (über 100 km) waren die schnelle, optimale und einfache Route fast immer gleich. Nur bei mittleren Strecken gab es öfters Unterschiede, was ein wenig schade ist, da diese auf dem Papier sehr gute Vergleichsfunktion so natürlich an Wert verliert und ein Papiervorteil bleibt.
Für die Geschwindigkeit berechne ich eine Strecke in das italienische Bolzano. Während das TomTom weit über 6 Minuten rechnet (jedenfalls ohne Mautstrecken), schafft das Becker die Strecke in unter einer halben Minute. In weniger als 2 Minuten hat es alle vier Alternativrouten drauf. Das Navigon errechnet allerdings drei Alternativrouten in 16 Sekunden. Das beeindruckt. Der um 200MHz stärkere Prozessor des Navigon macht sich bemerkbar.
Als weitere Ausgrenzungen lassen sich bei Becker und Navigon die Wahl des Fahrzeugs bestimmen, bei TomTom sind dies eigenständige Routen. Ebenso können bestimmte Straßen ausgeschlossen werden. TomTom und Navigon ermöglichen im Anschluss eine Textversion der Route, bei der man dann auch bestimmte Teilabschnitte verbieten kann, beim Becker habe ich diese Funktion bisher nicht gefunden.
My Routes bei Navigon bzw. IQ Routes bei TomTom sollen dazu führen, dass die Geräte auf Grund der UserErfahrung dazu lernen und bessere Routen speichern. Der praktische Effekt erscheint eher gering, zumal eine Verbindung zum PC (zumindest bei TomTom) vonnöten ist, um diese Funktion zu nutzen. Generell bin ich eher skeptisch, wenn es darum geht, Inhalte anderer privater User zu verwenden.
Routendarstellung/Ansagen:
Alle drei Geräte zeigen die bevorzugte Fahrspur und Bilder der Autobahnausfahrten an. Während TomTom und Navigon aber diese Bilder in Großaufnahme zeigen, integriert das Becker diese Darstellung in die normale Routenführung, sodass man weiterhin seine Karte und die Anzeigen lesen kann. Das Navigon verzichtet auf Abbiegepfeile auf der Route, zeigt also nur die gelbe Linie an während das Becker nicht nur mit weiß auf rot die Abbiegevorgänge markiert, sondern auch noch groß ranzoomt. Das erleichtert das Finden der richtigen Kurve ungemein. Die Ansagen kommen bei allen drei Geräten frühzeitig und punktgenau. Erfreulich ist, dass alle drei Geräte beim Abkommen von der Route einen neuen Weg suchen und meist schnell finden und sich nicht mit "Bitte wenden" begnügen. Beim Becker gibt es die Option, letzteres ganz zu verbieten, aber auch die anderen beiden rechnen um wenn man nicht gerade in eine Sackgasse fährt.
Bezüglich der Kreisverkehransagen gibt es mehrere Varianten. Das TomTom gibt gerne mal die Anweisung "links aus dem Kreisverkehr, geradeaus über den Kreisverkehr". Das ist kein Fehler, denn wenn wir bei einem normalen Kreisel von vier Ausfahrten ausgehen, dann ist gemessen an meiner Einfahrt die erste Ausfahrt ein Rechtsabbiegen, die zweite Ausfahrt das Geradeausfahren und die dritte Ausfahrt eben ein Linksabbiegen. Natürlich muss man dazu um den Kreisel rum, aber technisch gesehen ist die Ansage korrekt. Becker und Navigon nutzen auch gerne die Ansagen: Verlassen Sie den Kreisverkehr an der zweiten Ausfahrt. Dies ist ebenso richtig, aber vielleicht noch ein klein wenig klarer.
Bei den Anzeigen während der Fahrt muss man beim Navigon Abstriche machen. Entweder es sagt einem, wie lange man noch fährt oder wann man voraussichtlich ankommt. Becker und TomTom können beides gleichzeitig.
Während der Fahrt:
Zunächst werden Satelliten gesucht. Insbesondere nach einem Start aus dem kompletten Aus (anstatt Standby) benötigt das Navigon unheimlich lange. Einmal saß ich über 5 Minuten im Auto bevor das Gerät fahrbereit war. Die Konkurrenz ist da fixer und vor allem das Becker hat mehr oder weniger sofort Empfang, wenn man es aus dem Standby anschaltet.
Die Lautstärke des Navigon lässt ein wenig zu wünschen übrig. Beim Becker und TomTom besteht dieses Problem nicht, auch gegen hohe Geschwindigkeit und Radio setzen sich beide durch. Grundsätzlich führen alle drei Navis dahin, wo man hin will. Das Navigon stolperte in Essen ein wenig, als es mehrfach die falsche Kurve vorschlug oder trotz TMC gesperrte Straßen vorschlug. Außerdem setzte es mich mehrmals ein paar Meter vor der eigentlichen Adresse ab. Dieses Problem hatte auch das TomTom, das Becker bis dato hingegen nicht. Bei einer Adresse traf das Becker punktgenau während das Navigon sich um eine Kurve verhaute. Einen wirklich Totalausfall allerdings hatte im Praxistest keines der Geräte.
Das viel gerühmte TMC, im Becker Z 205 sogar in der Pro Variante, enttäuschte in der Praxis. Zwar gab es immer mal Meldungen, oft genug aber geriet ich in Staus und Baustellen, von denen das Gerät nichts wusste während es mich gleichzeitig jedoch aufklärte, was alles so in Bayern passiert war. Ich würde mich bei keinem der Geräte so wirklich auf diese Warnmeldungen verlassen.
Am Ende:
verliert das TomTom so ein klein wenig. Was manche als die große Stärke ansehen, erweist sich für mich als eine der größten Schwächen. Der große Fokus auf Communitycontent und die Spielerei mit verschiedenen Kartenfarben und Stimmen, die den Benutzer dazu nötigen, sich erstmal stundenlang an den Rechner zu setzen und eine Kombination zu finden, die ihnen zusagt. Egal, was man wählt, irgendwie bleiben sehen die Karten immer ein wenig zu "kindgemalt" aus. Die vorgegebenen Farben bei Navigon und Becker, die jeweils das ganze Design der Software durchziehen (gelb-schwarz bei Navigon, rot-grau bei Becker) sind einfach, elegant und bei der Routenführung sehr effizient, wobei das Becker mit seinen Pfeilen bei Abbiegemanövern noch besser gefällt als das Navigon, das voraussetzt, dass der Fahrer schon von selber erkennt, wo es rum geht. In Großstädten erweist sich letzteres als schwieriger als man meinen sollte, weswegen das Becker hier leicht vor dem Navigon steht. Auch in Sachen Routenvielfalt schlagen Becker und Navigon das TomTom, mit seinen drei Routenvarianten bietet das Navigon theoretisch für jede Strecke bis zu 12 verschiedene Wege. Diese Zahl relativiert sich, wenn man bedenkt, dass die Option der schönen Route mehr und mehr ausfällt, je länger die Route wird und Überschneidungen bzw. Abweichungen in nicht mehr als ein, zwei Straßen möglich sind, dennoch bietet das Navigon dem Fahrer eine sehr gute Auswahl an verschiedenen Möglichkeiten, um zum Ziel zu gelangen. Bedauerlich waren in allen Fällen die POIs, wobei ich zugestehen muss, dass für meine Bedürfnisse das TomTom mit Abstand am besten abgeschnitten hat. In Sachen Grundausstattung sind alle drei Geräte nur spärlich beliefert, wobei das Navigon wenigstens ein kleines Stofftütchen als Zeichen des guten Willens dabei hat.
Schlussendlich gewinnt dann auch das Becker leicht in der Gesamtwertung vor dem Navigon, einmal wegen der klareren Routenführung auf der Karte und der besseren Bedienbarkeit insgesamt. Das perfekte Navi würde allerdings die POIs und Bedienbarkeit des TomTom mit der Darstellung des Becker und der Power und Routenvielfalt des Navigon verbinden.
Im Laden konnte ich bereits die garmin nüvis sowie die Falkgeräte begutachten. In beiden Fällen waren für mich bereits die Farbgebungen eine Katastrophe. Während das garmin mit seinen Bonbonfarben und der rosa Route arg überladen ist, lässt es das Falk mit der blauen Route auf dem bläulichen Hintergrund und den grünen Pfeilen an Übersicht vermissen. Die Bedienung des Falk schien fast identisch mit dem TomTom, die Reaktionszeiten waren allerdings recht lange, ganz zu schweigen von den Berechnungen der Route. Beim garmin schien eine Routenplanung/Vorschau zu fehlen, die beim Falk ziemlich einfach zu erreichen war. Trotzdem waren beide Geräte schon im Laden zu unsympathisch, sodass sich der Test nun auf den Vergleich zwischen dem TomTom 730T, dem Navigon 7310 und dem Becker Traffic Assist Z 205 beschränkt.
Ausstattung:
Für alle drei Geräte fehlt in der Packung eine gescheite Tasche für das Gerät und ein Aufladekabel für die Steckdose. Drittanbieterware passt oft nicht perfekt während das Originalzubehör gerne mit 30 Euro und mehr zu Buche schlägt. Der Netzstecker macht schon Sinn, um auch zu Hause die Geräte testen und für Fahrradtouren schnell aufladen zu können ohne immer gleich den PC stundenlang laufen zu lassen.
Eine gedruckte Anleitung lag nur dem TomTom bei, die anderen beiden müssen auf dem PC als pdf Datei gelesen werden. Beim Navigon ist das gesamte Handbuch sogar auf dem Gerät installiert. Grauenhaft ist die Autohalterung des TomTom, die dringend durch optionales Zubehör ersetzt werden muss, wenn das Gerät nicht dauernd während der Fahrt durch das Auto kullern soll. Keinen Grund zur Beschwerde liefert die Konkurrenz. Mit bombenfesten Saugnäpfen und freier Justierung überzeugen sowohl das Becker wie das Navigon. Die auf CD ROM mit gelieferte Software ist beim TomTom mit Abstand die umfangreichste, hat schließlich (siehe auch unten) TomTom die meisten Individualisierungsmöglichkeiten. Bei Navigon und Becker beschränkt man sich auf Kartenupdates per Download (nach Registrierung) sowie das Verwalten der Inhalte. Bis vor kurzem war es bei Becker übrigens noch vonnöten, zum Update eine Registrierungskarte in die Niederlande zu schicken und ein Update auf DVD zu kaufen. In heutigen Zeiten wäre das ein Todesurteil, zum Glück aber behebt der Content Manager 2.0 dieses Problem und lässt die Aktualisierungen wie es sich gehört aus dem Netz kommen.
Hardware:
Rein zahlenmäßig hat das Navigon mit seinem 600 MHz Prozessor die Nase vor der Konkurrenz mit jeweils 400 MHz. Dafür verfügen Becker und TomTom über interne Speicher während die Software und Kartendaten bei Navigon auf einer SD Speicherkarte untergebracht sind. Die Batterie schafft bei keinem Gerät die vollen zwei Stunden, was sie im Einsatz zu Fuß oder auf dem Fahrrad begrenzt. Das Navigon zeigt außerdem mit seinen drei Balken nur sehr rudimentär den Zustand an. Hier ist das TomTom mit dem langen grünen Balken wesentlich genauer. Das Becker zeigt sogar in Prozenten jeder den aktuellen Stand an, allerdings nur im Menü. Während des Navigationsvorganges gibt es auch nur die balken-mäßige Schätzung. Ein Aufladevorgang dauert bei TomTom und Becker etwas um die zwei Stunden am PC, das Navigon benötigt mehr als doppelt so lange ohne länger zu halten.
Design der Software:
Das TomTom ist das einzige Gerät, das frei vom Hersteller aus modifiziert werden kann. Tonnenweise Stimmen und Farbschemata warten darauf, herunter geladen zu werden und das zumeist kostenlos. Die Sache hat einen kleinen Haken. Das Aussuchen der richtigen Kartenfarbe ist äußerst kompliziert. Die meisten Farben haben online keine Vorschau, sodass man sie erst runterladen und auf das Gerät kopieren muss. Dann muss man das Gerät einstellen, die Farbe aktivieren und eine Route simulieren, um die Farbe testen zu können. So kann es schon mal ein paar Stunden dauern, bis das Navi seinen Wünschen entspricht.
Von Haus bieten weder Navigon noch Becker diese Funktion. What you see is what you get. Beide setzen auf ein schlichtes, graues Umfeld, wo die Routen in knalligen Signalfarben (orange beim Navigon, rot beim Becker) angezeigt wird. Allerdings gibt es eine Community im Internet, die diverse Modifikationen auch für diese Navis anbietet. Ich sehe die Notwendigkeit nicht, die Signalfarbgebung rot/orange gegen grau sorgt eigentlich für bestmögliche Übersicht.
Kommt allerdings die Sonne raus, geraten alle Geräte blitzschnell an ihre Grenzen, wobei das Becker hier noch am besten abschneidet. Wo man beim Navigon nur noch einen weißen Fleck sieht, kann man beim Becker immer noch die Karte ausmachen.
Becker und Navigon verfügen darüber hinaus noch über eine dreidimensionale Darstellung der Umgebung, wobei man sich aber nicht zuviel erhoffen sollte. Zum einen besteht diese nur aus weißen Blöcken, zum anderen gibt es diese Funktion nur für die größten der Großstädte. Einen wirklichen Mehrwert in der Navigation sehe ich hierin auch nicht.
Die voreingestellten Stimmen konnten beim Navigon am besten gefallen. Computerstimme Sabine klingt sanft und freundlich, dabei immer klar und nie wirklich wie eine Computerstimme. Im Vergleich wirkten die Stimmen des Becker alle etwas hart. Lediglich eine britische Damenstimme kam an Sabine heran, hierbei handelte es sich aber nicht um eine TTS Stimme, sodass sie nicht alle Informationen nennt.
Für das Navigon gibt es ferner von Navigon selbst ein Stimmenpaket für 30 Euro zu kaufen, welches generische Witzstimmen (alle ohne TTS) anbietet. Ohne Testfunktion erscheint der Mehrwert eher gering, zumal man im wilden Verkehr einer fremden Großstadt für "Alda, fahr do' ma' rechts, ey" wohl keinen Nerv haben dürfte.
Bedienung:
Das TomTom und das Becker sind beinahe selbsterklärend mit großen Bedienflächen, die unmissverständlich anzeigen, was Sache ist. Die Routenplanung des Becker erweist sich als zu kompliziert, indem erst das Ziel eingegeben wird, anschließend die Route gespeichert und benannt werden muss, bevor ein Startpunkt gewählt und die Route simuliert werden kann. Etwas versteckt, aber leichter zu bedienen ist die Funktion beim Navigon, wo man die Routenplanung über Optionen findet. Am einfachsten ist es hier beim TomTom, wo man innerhalb von Sekunden seine Route zusammen gestellt und simuliert hat. Das TomTom kann diese Simulation von Original- bis hin zu 5facher Geschwindigkeit frei einstellbar darstellen, das Becker kann die Route optional immer noch überfliegen während das Navigon sie lediglich in Originalgeschwindigkeit abfahren kann. Ein Ziel auszuwählen ist bei GPS Empfang bei allen drei Geräte gleich einfach. Während der Touchscreen bei Becker und TomTom hervorragend mit den Fingerspitzen zu bedienen war, stellte sich der flache Schirm des Navigon oftmals quer. Mit einem Pen oder Wattestäbchen reagierte der Schirm deutlich angenehmer.
Grundsätzlich erweist sich die Bedienung des Navigon als gewöhnungsbedürftig. Der Menübaum ist etwas verschachtelt und undurchsichtig und vor allem sind oft viele Klicks nötig, um zum gewünschten Abschnitt zu kommen. Hat man sich natürlich eingearbeitet, erledigt sich dieser Kritikpunkt. Für meinen Opa wäre das allerdings ein Ausschlusskriterium gewesen.
POIs:
Points of Interesst sind eingegebene Schlüsselstellen jeder Stadt wie Bahnhöfe, Geschäfte, Ärzte etc. Jedes der drei Navis hatte hier Schwierigkeiten, wenn auch in anderen Bereichen. Beim TomTom waren für meine Heimatstadt Papenburg mindestens ein Dutzend Ärzte gelistet, die gar nicht mehr vor Ort sind. Einige sind sogar seit ein paar Jahren tot. Eine Katastrophe waren die Discounter Aldi, Lidl, Penny usw beim Becker und Navigon. Beim Navigon konnte man Glück haben und in einer Großstadt einen Laden finden, das Becker meint aber, dass der nächste Aldi in Oldenburg satte 44 km entfernt ist. Mangelhaft. Gut, nun wird man in Oldenburg keine zehn Meter fahren können ohne auf einen Discounter zu treffen, ärgerlich ist dies aber schon. Universitäten, Bahnhöfe und Flughäfen hingegen waren in allen drei Geräten ordnungsgemäß drin. Natürlich kann man hier naturgemäß weniger Fehler machen.
Routenberechnung:
Das TomTom bietet nur die Möglichkeit einer schnellen oder einer kurzen Route. Alternativberechnungen lassen sich zwar vornehmen, aber erst nach Berechnung der ersten Route. Das Navigon bietet dazu noch die Optimale sowie die Schöne Route. Zusätzlich zeigt das Navigon zu jeder dieser Optionen ganze drei Alternativen (My Routes) an, die sich aber naturgemäß überschneiden können. Das Becker hat die schnelle, kurze, optimale und die einfache Route. Letztere minimiert die Fahrmanöver, was sinnvoller ist als es auf den ersten Blick erscheint, schließlich sind die Abbiegemanöver die größten Fehlerquellen beim Fahren. Das Becker kann außerdem alle vier Routen gleichzeitig farblich markiert anzeigen und bietet so die beste Möglichkeit, sich zu entscheiden. In der Praxis war es aber leider sehr oft so, dass nur die kurze Route sich unterschied und die anderen drei Routen sehr ähnlich bis identisch waren. Bei sehr kurzen (bis 3 km) und bei langen Strecken (über 100 km) waren die schnelle, optimale und einfache Route fast immer gleich. Nur bei mittleren Strecken gab es öfters Unterschiede, was ein wenig schade ist, da diese auf dem Papier sehr gute Vergleichsfunktion so natürlich an Wert verliert und ein Papiervorteil bleibt.
Für die Geschwindigkeit berechne ich eine Strecke in das italienische Bolzano. Während das TomTom weit über 6 Minuten rechnet (jedenfalls ohne Mautstrecken), schafft das Becker die Strecke in unter einer halben Minute. In weniger als 2 Minuten hat es alle vier Alternativrouten drauf. Das Navigon errechnet allerdings drei Alternativrouten in 16 Sekunden. Das beeindruckt. Der um 200MHz stärkere Prozessor des Navigon macht sich bemerkbar.
Als weitere Ausgrenzungen lassen sich bei Becker und Navigon die Wahl des Fahrzeugs bestimmen, bei TomTom sind dies eigenständige Routen. Ebenso können bestimmte Straßen ausgeschlossen werden. TomTom und Navigon ermöglichen im Anschluss eine Textversion der Route, bei der man dann auch bestimmte Teilabschnitte verbieten kann, beim Becker habe ich diese Funktion bisher nicht gefunden.
My Routes bei Navigon bzw. IQ Routes bei TomTom sollen dazu führen, dass die Geräte auf Grund der UserErfahrung dazu lernen und bessere Routen speichern. Der praktische Effekt erscheint eher gering, zumal eine Verbindung zum PC (zumindest bei TomTom) vonnöten ist, um diese Funktion zu nutzen. Generell bin ich eher skeptisch, wenn es darum geht, Inhalte anderer privater User zu verwenden.
Routendarstellung/Ansagen:
Alle drei Geräte zeigen die bevorzugte Fahrspur und Bilder der Autobahnausfahrten an. Während TomTom und Navigon aber diese Bilder in Großaufnahme zeigen, integriert das Becker diese Darstellung in die normale Routenführung, sodass man weiterhin seine Karte und die Anzeigen lesen kann. Das Navigon verzichtet auf Abbiegepfeile auf der Route, zeigt also nur die gelbe Linie an während das Becker nicht nur mit weiß auf rot die Abbiegevorgänge markiert, sondern auch noch groß ranzoomt. Das erleichtert das Finden der richtigen Kurve ungemein. Die Ansagen kommen bei allen drei Geräten frühzeitig und punktgenau. Erfreulich ist, dass alle drei Geräte beim Abkommen von der Route einen neuen Weg suchen und meist schnell finden und sich nicht mit "Bitte wenden" begnügen. Beim Becker gibt es die Option, letzteres ganz zu verbieten, aber auch die anderen beiden rechnen um wenn man nicht gerade in eine Sackgasse fährt.
Bezüglich der Kreisverkehransagen gibt es mehrere Varianten. Das TomTom gibt gerne mal die Anweisung "links aus dem Kreisverkehr, geradeaus über den Kreisverkehr". Das ist kein Fehler, denn wenn wir bei einem normalen Kreisel von vier Ausfahrten ausgehen, dann ist gemessen an meiner Einfahrt die erste Ausfahrt ein Rechtsabbiegen, die zweite Ausfahrt das Geradeausfahren und die dritte Ausfahrt eben ein Linksabbiegen. Natürlich muss man dazu um den Kreisel rum, aber technisch gesehen ist die Ansage korrekt. Becker und Navigon nutzen auch gerne die Ansagen: Verlassen Sie den Kreisverkehr an der zweiten Ausfahrt. Dies ist ebenso richtig, aber vielleicht noch ein klein wenig klarer.
Bei den Anzeigen während der Fahrt muss man beim Navigon Abstriche machen. Entweder es sagt einem, wie lange man noch fährt oder wann man voraussichtlich ankommt. Becker und TomTom können beides gleichzeitig.
Während der Fahrt:
Zunächst werden Satelliten gesucht. Insbesondere nach einem Start aus dem kompletten Aus (anstatt Standby) benötigt das Navigon unheimlich lange. Einmal saß ich über 5 Minuten im Auto bevor das Gerät fahrbereit war. Die Konkurrenz ist da fixer und vor allem das Becker hat mehr oder weniger sofort Empfang, wenn man es aus dem Standby anschaltet.
Die Lautstärke des Navigon lässt ein wenig zu wünschen übrig. Beim Becker und TomTom besteht dieses Problem nicht, auch gegen hohe Geschwindigkeit und Radio setzen sich beide durch. Grundsätzlich führen alle drei Navis dahin, wo man hin will. Das Navigon stolperte in Essen ein wenig, als es mehrfach die falsche Kurve vorschlug oder trotz TMC gesperrte Straßen vorschlug. Außerdem setzte es mich mehrmals ein paar Meter vor der eigentlichen Adresse ab. Dieses Problem hatte auch das TomTom, das Becker bis dato hingegen nicht. Bei einer Adresse traf das Becker punktgenau während das Navigon sich um eine Kurve verhaute. Einen wirklich Totalausfall allerdings hatte im Praxistest keines der Geräte.
Das viel gerühmte TMC, im Becker Z 205 sogar in der Pro Variante, enttäuschte in der Praxis. Zwar gab es immer mal Meldungen, oft genug aber geriet ich in Staus und Baustellen, von denen das Gerät nichts wusste während es mich gleichzeitig jedoch aufklärte, was alles so in Bayern passiert war. Ich würde mich bei keinem der Geräte so wirklich auf diese Warnmeldungen verlassen.
Am Ende:
verliert das TomTom so ein klein wenig. Was manche als die große Stärke ansehen, erweist sich für mich als eine der größten Schwächen. Der große Fokus auf Communitycontent und die Spielerei mit verschiedenen Kartenfarben und Stimmen, die den Benutzer dazu nötigen, sich erstmal stundenlang an den Rechner zu setzen und eine Kombination zu finden, die ihnen zusagt. Egal, was man wählt, irgendwie bleiben sehen die Karten immer ein wenig zu "kindgemalt" aus. Die vorgegebenen Farben bei Navigon und Becker, die jeweils das ganze Design der Software durchziehen (gelb-schwarz bei Navigon, rot-grau bei Becker) sind einfach, elegant und bei der Routenführung sehr effizient, wobei das Becker mit seinen Pfeilen bei Abbiegemanövern noch besser gefällt als das Navigon, das voraussetzt, dass der Fahrer schon von selber erkennt, wo es rum geht. In Großstädten erweist sich letzteres als schwieriger als man meinen sollte, weswegen das Becker hier leicht vor dem Navigon steht. Auch in Sachen Routenvielfalt schlagen Becker und Navigon das TomTom, mit seinen drei Routenvarianten bietet das Navigon theoretisch für jede Strecke bis zu 12 verschiedene Wege. Diese Zahl relativiert sich, wenn man bedenkt, dass die Option der schönen Route mehr und mehr ausfällt, je länger die Route wird und Überschneidungen bzw. Abweichungen in nicht mehr als ein, zwei Straßen möglich sind, dennoch bietet das Navigon dem Fahrer eine sehr gute Auswahl an verschiedenen Möglichkeiten, um zum Ziel zu gelangen. Bedauerlich waren in allen Fällen die POIs, wobei ich zugestehen muss, dass für meine Bedürfnisse das TomTom mit Abstand am besten abgeschnitten hat. In Sachen Grundausstattung sind alle drei Geräte nur spärlich beliefert, wobei das Navigon wenigstens ein kleines Stofftütchen als Zeichen des guten Willens dabei hat.
Schlussendlich gewinnt dann auch das Becker leicht in der Gesamtwertung vor dem Navigon, einmal wegen der klareren Routenführung auf der Karte und der besseren Bedienbarkeit insgesamt. Das perfekte Navi würde allerdings die POIs und Bedienbarkeit des TomTom mit der Darstellung des Becker und der Power und Routenvielfalt des Navigon verbinden.