Muss jeder für sich selbst entscheiden.
Das ist ein RIESIGER Knackpunkt. Die Frage dessen wohin ich nun eigentlich will. Was ist mein Ziel und wie kann ich es erreichen bzw. wenn ich es erreicht habe, wie kann ich es halten, ohne daran zu zerbrechen?
Ein großer Punkt an dem ich persönlich Jahre lang zu knobeln hatte. Am Anfang war ich Ästhetik Pumper. Wollte vor allem gut aussehen, geblendet von einem irrwitzigen, sozialen Ideal (welches ironischer Weise heutzutage noch sehr viel ausgeprägter ist als damals; wir befinden uns immerhin in einer Realität in der Body Shaming von der Frau mittlerweile auch auf den Mann übersprang und eine Massenflucht, geboren aus vielfältig minderwertigem Selbstwertbewusstsein und allgegenwärtigem Optimierungsgedanken, ins Fitnesstudio stattfand).
Habe mich bombardieren lassen, von gefühlt tausend verschiedenen Trainingsplänen, Ernährungsweisen, neo-kritischen Fitness Philosophien, Marketing Zauberkünstlern und schäbigen Sport Priestern. Im Nachhinein kann ich nur mehr herzhaft darüber lachen (nicht über die falschen Zauberer, sondern viel mehr über meine eigene Naivität und Dummheit), wie kompliziert das alles gedacht wurde und wie einfach es eigentlich tatsächlich ist.
Ich hatte Angst nicht schnell genug an meine Ziele zu kommen, nur weil ich dachte hier den Falschen Satz auszuführen, da den falschen Joghurt zu essen oder weil ich eigentlich mein Wochenend Bier streichen wollte, welches ich nicht gestrichen habe. Welch närrischer, selbst geißelnder Tor ich doch war! Das eigentliche Problem: Ich war mir nicht im Klaren darüber, wohin ich wollte und welcher Zustand realistisch zu halten für mich war. Da blieb mir nichts anderes übrig als mich, wie eine Flipperkugel, tiltend durch einen Flipperautomaten zu bewegen.
Natürlich wurden da auch viele klischeehafte Stadien durchgemacht. Vom Spargeltarzan, der kaum eine richtige Liegestütz hin bekam, hin zum beträchtlich schwereren Eisenschubser (hierbei festgestellt, dass ich eigentlich überhaupt kein Hard Gainer bin, ganz im Gegenteil, obwohl ich stets und fälschlicherweise, aufgrund der damaligen Konstitution davon ausging), der sich anschließend einer geisteskranken Diät unterzog (zumindest würde ich das als heutiger Sicht so sehen), um die nötige, als gemeinschaftlich ästhetisch empfundene Definition zu erlangen. Ja, das Ergebnis war vorübergehend toll und hätte am liebsten zu meinem eigenen Spiegelbild onaniert aber wies sich mir dennich als ein Zustand aus, den zu halten, aufgrund seiner Entsagungen, mir kein erstrebenswerter und dauerhafter Status Quo war.
Mittlerweile habe ich die Einsicht darüber langt, worum es mir hier überhaupt geht. Ich brauche keine aufgepumpten Muskeln und keine definierten Bauchmuskeln. Mir geht es um ein grundlegendes Maß an Athletik. Um eine gesteigerte Körperbeherrschung, die es mir erlaubt meine primär sportlichen Hobbies (die da namentlich wären Kampf/Schwertkünste, Bogenschießen, Klettern und Wandern) in bester Art und Weise auszuüben. Dinge wie Press To Handstand, One-Arm-One-Oeg Pushups, Superman Pushups, Front Lever Pull-ups, Iron Crosses, Human Flags und derlei Übungen, die von hoher Körperbeherrschung zeigen, sind es, worum es mir salopp gesprochen geht. Bin in dieser Hinsicht gewiss absoluter Praktiker. Solange ich dieses Maß an Körperbeherrschung mein Eigen nennen kann, ist es mir auch völlig egal, ob mein Körperfettanteil zu hoch ist, um meine Bauchmuskeln schön definiert zum Vorschein treten zu lassen (ein Zustand, der seit mittlerweile 3 Jahren bedenkenlos bei mir vorherrscht; also der nicht streng definierten Bauchmuskeln). Gerne trete ich meine Definition für den Genuss in mannigfaltig anderen Bereichen ab. Mir gehts um Praktik und nicht um die Ästhetik oder besser formuliert: Praktik und Genuss überwiegen mir die Ästhetik.
Ich will damit andere nicht schmähen, die ihren Fokus in ganze andere Richtungen gelenkt haben. Möchte damit nur Alternativen und mögliche Konflikte aufzeigen. Ganz besonders weil ein fast krankhaftes Maß an Selbstoptimierung in unserer Gesellschaft, besonders unter den Jugendlichen, Einzug zu erhalten scheint. Finde es grundsätzlich gut, wenn auf die eigen Fitness geachtet wird aber Zweck und Drive sind mir da oft befremdlich und bedenklich.