Aber war Phil Spencers Aussage denn falsch?
Zuerst: die angesprochene Aussage hat Spencer 2018 getätigt. In fünf Jahren ändert sich viel. Da wurden schon ganze Videospieltrends erschaffen und wieder begraben. 2018 war der Game Pass erst ein Jahr jung, er hatte wenige millionen Mitglieder und Xbox hatte gerade erst begonnen, eigene Spiele Day 1 darin zu veröffentlichen. Ich wette, dass der Game Pass zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch die Verkäufe eigener First-Party Games angekurbelt hat.
Wo wir bei Punkt 2 wären: bezieht sich die Aussage auf First-Party oder Third-Party (Multititel)?
Ich kann mir vorstellen, dass beide davon profitieren können. Vor allem aber Multititel, da Game Pass Kunden sie "umsonst" im Abo spielen, daraufhin in den Sozialen Medien darüber sprechen und andere (vor allem auf anderen Plattformen) zum Kauf bewegen können. Das funktioniert bei bestimmten Spielen vielleicht sogar im First-Party Bereich. Hi-Fi Rush zum Beispiel. Das wurde im Game Pass gedroppt und wenige Stunden später waren Twitter und YouTube voll damit, woraufhin es sich auch bei Steam gut verkaufte. Besser als ohne Game Pass Release? Ist natürlich schwer zu sagen, weil wir die alternative Realität niemals sehen werden, aber ich gehe davon aus, dass ein gutes Wort über ein Spiel (aus dem Game Pass) definitiv für Verkäufe sorgt (in diesem Fall auf Steam).
Haben einige Third-Party Entwickler ja auch bestätigt. Nach dem Game Pass Launch hat die bereits erhältliche Switch Version beispielsweise einen zweiten Frühling erlebt. Game Pass ist halt kostenlose Werbung bzw. sorgt für mehr Mundpropaganda.
Auf der Xbox selber wird Game Pass mittlerweile aber sicher zu weniger Verkäufen führen. Denn mittlerweile hat er 30+ Millionen Nutzer, von denen die meisten ein Spiel bestimmt auch nur via Game Pass zocken. Hi-Fi Rush hat damit also theoretisch 30+ Millionen potentielle Xbox Käufer verloren. Denn die wären ja doof, es sich zu kaufen, wenn es eh im Abo ist.
2018 war das aber womöglich noch anders, weil es damals deutlich weniger Game Pass Abonnenten waren und es dadurch noch genug Nicht-Game Pass User mit Kaufabsicht auf der Xbox gab. Da haben die Game Pass Nutzer einen nur so geringen Teil der potentiellen Käuferschicht ausgemacht, dass immer noch genug Leute auch tatsächlich gekauft haben (vielleicht sogar mehr als ohne Game Pass, wegen der erwähnten Mundpropaganda). Wahrscheinlich hat Phil Spencer 2018 also tatsächlich die Wahrheit gesagt.
Heute sieht das, wie oben erwähnt, auf der Xbox Plattform selbst aber sicher anders aus. Ein guter Game Pass Release kann aber immer noch die Verkäufe auf anderen Plattformen ankurbeln.
Wo wir dann aber auch bei der Frage wären, was (für Xbox) wichtiger ist: verkaufte Spiele oder "Spieler"?
10 Millionen Spiele verkaufen oder im selben Zeitraum doppelt so viele Spieler erreichen (Verkäufe + Game Pass Downloads)?
¯\_(ツ)_/¯ Ich kann euch nicht sagen, was Xbox besser findet. Aber weder widerspricht der aktuelle CMA Bericht der alten Aussage von Spencer, noch geht es durch den Game Pass irgendjemanden "schlechter". Weder Xbox, noch den im Game Pass vertretenen Spielen/Studios (sie werden schließlich auch dafür entlohnt; "schlechtere Verkaufszahlen" hört sich jetzt erst mal so an als würden die weniger Geld verdienen, aber die kriegen ja schon im Vorfeld einen Sack Scheine von Microsoft) und vor allem nicht mir als Game Pass Kunden. Immer noch beschtes Angebot!
