Mandos schrieb:
Komisch finde ich Urgs Kommentar. Ich denke nicht dass die Spiele es versäumt haben mit ihm zu altern, sondern sich eher seine Interessen verschoben haben. Das kommt im Leben eben auch mal vor - hat aber nichts mit "erwachsen" werden zu tun.
Ich weiß nicht. Ich wünschte mir schon mehr erwachsene Spiele. Heavy Rain ist dafür ein tolles Beispiel. Wenn ich mir den Prototypen eines modernen Videospielhelden angucke, dann ist der in seiner ganzen Aussage eher dafür gemacht, damit sich Heranwachsende oder Tweens damit identifizieren. Das sind stark körperbetone Schlägertypen, die sich mit Gewalt durchsetzen und jedem feindlichen Ansturm mit einem coolen Spruch trotzen. Das ist ein Phantasiegebilde junger Männer, die sich ihre Position in der Gesellschaft noch erkämpfen müssen und von Versagensängsten geplagt sind. Hier können sie ihre Machtphantasien ausleben und am Ende sind sie garantiert der glorreiche Sieger.
Das ist in vielen Videospielen das immer gleiche, psychologische Muster, besonders im von mir einst geliebten Genre der Action-Adventure. Früher war das einerseits nicht so krass, anderseits bin ich halt auch längst in einer anderen Lebensphase. Damit kann ich mich nicht mehr identifizieren. Ich kann natürlich darüber hinwegsehen, aber irgendwann langweilt es oder man findet es schlichtweg unfreiwillig komisch, wenn so ein Testosteron-Monster sich wie ein Berserker durch Horden von vertrottelten NPCs schlachtet.
Wie auch immer, der Markt ist wenn überhaupt zu klein für 100 Heavy Rains. Es wäre vielleicht möglich gewesen, wenn es der Industrie gelungen wäre die Fans aus den 90ern, die Resi und Tomb Raider stundenlang gezockt haben, massenhaft mitzunehmen. Ich glaube, die meisten davon spielen heute nicht mehr. Wir hier, die Adult Gamer, sind eine, zugegeben beachtliche, Randgruppe und das spüren wir in jedem weiteren Jahr, in dem sich die Branche in Richtung Casual Games bewegt. Wir sehnen das nächste GTA herbei und gucken mit wachsender Entfremdung auf Kinect und Co.
Manch einer fühlt sich in der Nische der Independent Games ganz wohl, aber so richtig werde ich da auch nicht heimisch. Ich schätze, meine Zukunft liegt im Dasein eines Monokonsolero mit Hang zum periodenhaften Gelegenheitsspielens. Und irgendwann guck ich dann nur noch meinen Kindern beim Spielen zu!

http://www.focus.de/wissen/videos/komplizierte-video-spiele-zocker-der-90er-jahre-sind-clevere-koepfe_vid_30256.html[/vid]