Mein größtes Problem bei den Testberichten zum Acer ist immer die imho etwas überzogene Erwartungshaltung. Windows Home Server ist ein arg kastrierter Windows 2003 Server und obwohl man da ein MS Exchange, ein MS-SQL und sonst noch alles drauf setzen kann, ist die Hardware damit eigentlich überfordert. Keiner meiner Kunden käme auf die Idee, einen Exchange Server auf einem Netbook zu betreiben - beim Acer scheint das nicht ungewöhnlich zu sein und dann wundert man sich.
Der WHS beschränkt sich im Grunde auf 4 Funktionen:
- Bereitstellung der Dateien im Netz in einem "RAID ähnlichen" System ("Drive Extender") bei unproblematischer und flexibler Erweiterbarkeit mit ansehlicher Performance. Im Niedrigpreissegment findet man kaum eine NAS, die so schnell ist.
- Zentrales Backup für max 10 Windows PCs (ohne grosse Einstellmöglichkeiten, friß oder stirb)
- Fernzugriff von Außen auf Win Rechner (nur Pro und Ultimate Version) und dem WHS selber über WebInterface
- Streaming Server im LAN (mit anderem Server)
WHS hat nicht die Featureitis-Krankheit vieler anderer Consumer NAS, es gibt kein Bittorrent Client, keine FTP Server, keine DownloadManager und was weiss ich nicht alles. Die Kisten bieten Dutzende von Funktionen, die ein WHS von Haus nicht hat. Wer mehr als die 4 Grundfunktionen da oben möchte, muss selbst Hand anlegen. Das ist Dank Windows als OS durchaus machbar, wesentlich besser als bei den abgeschotteten Linux Systemen anderer Hersteller.
(Wer einmal im Telnet Fenster nachdem er erst den Root Zugang geknackt hat ein Media Server auf seiner Linux NAS kompiliert hat, weiss den Unterschied zu schätzen - auf dem WHS: Doppelklick auf die normale Windows 32bit Setup.exe unter Remote Desktop. Fertig.)
Das verleitet allerdings immens zum Spielen. Bei all der problemlosen Erweiterbarkeit mit Standard Windows Soft darf man bitte eines nie vergessen: das Ding spielt mit seinem Atom und 2 GB auf dem Leistungsniveau eines Netbooks und bei meinem Netbook bin ich schon froh, das Windows halbwegs flüssig läuft, ich würde nie auf die Idee kommen, da ein Exchange Server drauf zu basteln (es geht, aber dann ist die Last halt am oberen Limit).
Der WHS kann letztlich bis ins letzte Detail umkonfiguriert werden und so eine Server2003 Installation ist etwas kniffliger, aber eigentlich brauchts das nicht. Ich kenne auch die Berichte und Forenposts, wie kompliziert das alles sei, wenn man dies oder jenes machen will. Bei den Amazon Bewertungen z.b. der Typ, der eine komplett eigene Backupzeitplanung realisierten wollte, ja, das ist nicht ganz ohne für Otto-Normal-Win-User.
Ich denke die meisten jedoch sind mit Auspacken, Anschalten (eventuell den MediaServer ersetzen) bestens bedient. Es ist leider absolut richtig, dass der von Acer vorinstallierte DNLA Medienserver nix taugt, aber dafür gibts Systemsteuerung > Software > "Entfernen" und für Windows gibts genügend Alternativen.
Häufig gelesener Kritikpunkt ist sonst noch die hohe Auslastung der CPU im Idle des Acer. Da gibts 2 Hauptschuldige: der schlechte Mediaserver, der vorinstalliert ist - und der gute alte Bekannte "SearchIndexer". Beides kann man recht leicht deaktivieren, ohne zertifizierter Serveradmin zu sein.
Dann noch die ewige Diskussion um den Drive Extender, den ich für die Performanceschwäche meines h340 beim Upload (mit)verantwortliche mache: schiebe ich gleichzeitig ein Film auf den Server, während ich ein anderen Film streame, bricht die Leseperformance beim Streaming über die Norm ein. Parallele Streams lesend sind dagegen unkritisch. Mein Fix, ich warte mit dem Hochladen, bis der Film fertig ist. Ja, ist doof, aber welches Gerät ist schon perfekt? Ich hab hier noch 5 andere NAS stehen und ebensoviele inzwischen entsorgt, perfekt ist keines davon. Aber den Acer würd ich immer wieder kaufen.