Selten war ich von etwas so begeistert und enttäuscht zugleich... vielleicht gehört das auch eher in den PSVR2-Bereich; ich lass es mal hier stehen.
Aus technischer Sicht ist GT7 in VR eine absolute Wucht. Unendlich Kudos an Sony, was die aus einer Konsole und einer VR-Brille in diesem Preissegment (in Relation zum PC) rausholen. Die teils verhaltenen Meinungen zur PSVR2 im Netz (neben all dem Lob) dürften primär von Usern stammen, die in VR nicht sehr zu Hause sind und aufgrund der vom 4K-Screen abgefilmten Videos auf youtube & co einfach eine falsche Erwartungshaltung haben – so sieht VR (ob Konsole oder PC) einfach (noch) nicht aus.
Wenn ich mir anschaue, was für einen Monster-PC ich brauche, um ein vergleichbares Ergebnis wie GT7 (sowohl betreffend refreshrate wie Bildqualität) zu erhalten, dann ist die PSVR2 schon ein erstaunliches Stück. Ich habe die Reverb G2 am PC und um bessere Ergebnisse zu bekommen, muss man schon ordentlich Supersampling betreiben, was meine RTX3080 in allen ernsthaften Anwendungen jenseits ihrer Grenzen bringt – und hier hat die GPU alleine wesentlich mehr als die PS5 gekostet. Ein MSFS2020 ist atemberaubend in VR, allerdings komme ich da nur mit vielen Kompromissen und stundenlangem Einstellen (immer und immer wieder von neuem) auf (halbwegs) akzeptable Ergebnisse; von ACC will ich gar nicht reden. Eigentlich habe ich am PC einzig und allein iRacing viel in VR gespielt – das ist top, allerdings hat daran auch schon Jesus mitentwickelt...
Soweit bin ich also von GT7 in VR absolut begeistert, plattformübergreifend eine der besten wenn nicht die beste VR-Erfahrung hinter einem Lenkrad. Und das beste: Plug and play in Reinform: Ich stecke die Brille ein, es geht sofort in VR los/weiter, ich stecke sie aus und es geht nahtlos on screen weiter... das ist eine reine Wohltat gegenüber dem endlosen Gefrickel am PC.
GT7 selber ist für mich aber wirklich anstrengend auf so vielen Ebenen... das Gameplay ist arcadig, aber richtig gut. Die Steuerung ist mit Pad super und mit Wheel für ein Konsolenspiel ordentlich. Das Konzept des Spiels ist für mich aber in weiten Teilen ein Krampf im Grenzbereich zum Schmerzhaften... GT7 bietet so viel Liebe zum Detail, so viele toll umgesetzte Autos, so viele tolle Strecken und fühlt sich on track gut an. Trotz dieser vorzüglichen Basis beschränken sich die Rennen nach wie vor zu über 90 % darauf, dass man in drei, vier oder fünf Runden eine zweistellige Anzahl an Fahrzeugen zu überholen hat, inklusive 20, 30, 40 Sekunden Rückstand und Gummiband-/Strunzdumm-KI... es gibt zwar etwas wie einen Aracade mode, dort kann man aber null und nichts einstellen, soweit ich gesehen habe nicht mal die Rundenzahl
Ich habe nichts gegen das Konzept mit dem Café und dem Fahrzeuge sammeln. Das ist grösstenteils gut gemacht und wenn das meinen Geschmack nicht zu 100 % trifft, ist das eigentlich mein Problem. Warum aber kann man sich offline nicht einfach ein Rennen nach seinem Gusto zusammenstellen – sind ja alle Zutaten da? Online geht wesentlich mehr, doch Racing auf public lobbies hat mir in Konsolenracern noch nie Spass gemacht. Insgesamt habe ich das Café nun fast durchgespielt; ausser den Duellen gegen Sophie habe ich aber keinen einzigen auch nur ansatzweise spannenden/fordernden Zweikampf mit der KI erlebt – das ist 2023 echt ernüchternd.
Top ist aber der VR-Showroom. Wenn man nun noch Türen, Motorhauben etc. öffnen könnte, wäre das ein feuchter Traum...
Trotz aller Vorzüge in VR lässt GT7 imo so dermassen viel Potenzial liegen – schade. Dank dem unglaublich guten VR-Modus werde ich aber trotzdem viele Stunden ingame verbringen. Und alle Hersteller von Headsets für den PC sollten dringend bei Sony anrufen und in Erfahrung bringen, wie man VR-Brillen herstellt, die auch auf PCs jenseits der RTX4090 mit ansprechender Qualität laufen.