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REVIEW Fable 2 - Enchanting

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Trayal

¯\_(ツ)_/¯
Sobald das erste Spiel geladen wurde und man sich für das Geschlecht des Helden entschieden hat, erwartet einen ein ziemlich simple gestricktes Tutorial, welches mich aber sofort, wie ein kleines Kind, begeistern konnte. Anlass dafür war ohne Zweifel dieses malerisch-märchenhafte, kurz einfach verzaubernde Art Design des Spiels. Diese tief verschneite Altstadt konnte mich einfach unmöglich kalt lassen.
Vom Anfang bis zum Ende, nimmt einen Fable 2 bei der Hand und führt einen nicht nur durch das Spiel, sondern gibt einem permanent das Gefühl, in dieser Welt wirklich willkommen zu sein.
Das beginnt schon dabei, dass der Held wirklich nach den eigenen Wünschen geformt wird. Ob er nun dick oder dünn, muskulös oder groß und schlaksig, tugendhaft und rein oder verdorben und absolut unmoralisch wird, entscheidet alleine der Spieler, durch die großen oder winzig kleinen Entscheidungen, die bereits bei der Nahrungsaufnahme ihren Anfang nehmen.

Durch die malerische Landschaft zu wandern, das simple Kampfsystem, zu flirten oder sonstigen Unsinn, für den man sich in Fable 2 entscheidet, macht auf eine ziemlich einfache Art und Weise großen Spaß .
Das Kampfsystem ist, wie erwähnt, äußerst simpel gehalten, was jedoch dem Spielspaß keinen Abbruch tut, ganz im Gegenteil sogar. Diese drei Wege, Nahkampf, Fernkampf und Magie, die sich einem erschließen, sind jeweils einem eigenen Button zugewiesen und lassen sich perfekt in einem sauberen, sowie fließenden Übergang im Spiel kombinieren. Es muss auch nicht unbedingt ein Held der Marke Alleskönner sein, denn die Welt von Albion hat genauso ihren Platz für geübte Schützen oder nahezu reinrassige Willenskraftanwender.
Je nach dem, ob man seine Gegner lieber mit einem verheerenden Axthieb in zwei Hälften teilt, einen sauberen Kopfschuss anbringt oder eine wütende Meute mit einem mächtigen Flächenzauber in Schach hält, wird man mit verschiedenen Erfahrungspunkten belohnt, die sich in die jeweiligen Kategorien investieren lassen.
Die Attribute des Charakters, nehmen nicht nur Einfluss auf seine aktiv-kämpferischen Fähigkeiten, sondern beeinflussen ebenso sein Äußeres. Jemand der viel in Stärke investiert, wird starkes Muskelwachstum verzeichnen können, während ein Held, der seine Berufung im Bereich des „Könnens“ sucht, eine nicht zu verachtende Körpergröße erreichen wird. Die Haut eines mächtigen Willenskraftanwenders, wird sogar von tribal-artigen, blau schimmernden Zeichnungen geziert, die seiner Macht noch mehr Ausdruck verleihen. Belange die sich auch darin niederschlagen, wie die NPCs den Helden wahrnehmen.
Solange man regelmäßig seine Fähigkeiten ausbaut und auf eine aktuelle Bewaffnung achtet, sollte man auf keinerlei, wirklich ernsthafte Probleme stoßen.
Die Größe der Spielwelt, ist zwar kein Vergleich zu einem Oblivion, aber doch nicht zu klein geraten und zählt sich vermutlich zu den größeren Welten, die wir in dieser Generation bisher bewundern durften. Dennoch, wirklich verloren geht man in dieser nicht zu klein geraten Spielwelt unter Garantie niemals, solange man das Wegleitsystem nicht deaktiviert. Ein goldener, leicht schimmernder Streifen, der einen auf Kurs hält und direkt zur nächsten, angepeilten Quest führt.
Ein ziemlich löblicher Weg, wie ich finde, da das UI (=User Interface) damit sehr minimalistisch gehalten wird bzw. sich ausschließlich auf die eigene Lebensenergie links oben und den Ausdrucksmitteln, in Form des Streuerkreuzes, links unten, beschränkt.
Wozu das nun gut ist, mag sich vielleicht der ein oder andere Fragen? Es trägt zur Atmosphäre und einem gewissen Mitten-Drin-Gefühl bei.

Das Spiel durchzuspielen und von einem Areal zum anderen zu wandern, benötigt Zeit, in zweierlei Hinsicht, nicht nur im Sinne vom Lebensalter des eigenen Charakters. Das lästige Thema, welches ich nun ansprechen will, sind die Ladezeiten, die immer wieder angesagt sind, wenn das Areal gewechselt wird. Dabei reichen die Ladezeiten von äußerst kurz bis etwas länger. Zwar wird man in der Zwischenzeit mit netten Informationen abgespeist, die man allerdings nach einigen Spielstunden im Schlaf kennen dürfte.
Was sich Lionhead beim Menusystem gedacht hat, wird mir auch ein ewiges Rätsel bleiben. Um zwei Beispiele zu nennen, erwähne ich hier zum einen die Slowdowns und den nervenaufreibenden Akt, wenn man vorhat, mehrere Items in Folge zu nützen, wobei man gezwungen ist, das Menu immer wieder aufs Neue zu öffnen und sich durch sämtliche Verschachtelungen zu kämpfen, bis man das nächste Item auswählen kann.
Zu Slowdowns oder Pop-ups kommt es nicht nur im Menu, sondern auch beim laden vieler NPCs in den Städten und manchmal in hektischeren Kämpfen.

Insgesamt ist Fable 2 mit Sicherheit kein Spiel, welches den Spieler bis zur letzten Sekunde fordert, damit er endlich und aufatmend den „Abspann“ der Hauptquest zu Gesicht bekommt. Die meisten Spieler werden wahrscheinlich auch nur, wenn überhaupt, zwei oder dreimal das Zeitliche segnen, wobei der Charakter in diesem Fall einfach nur kurzzeitig zu Boden geht und mit dauerhaften Narben bzw. einem geringfügigen Verlust an Erfahrungspunkten rechnen muss.

Die Story des Spiels ist nicht wirklich das goldene vom Ei und erweckt einen mehr rudimentären Eindruck, der aber durchaus täuschen kann, zumindest wenn man es versäumt hat, die einzelnen Bücher zu lesen und einem so augenscheinlich kleine Details über Albion entgangen sind, die sich aber in ihrer Gesamtheit zu einem durchwegs stimmigen Werk zusammenfügen.
Insgesamt kann ich sie als OK betrachten, wobei da eine Menge Platz nach oben hin gewesen wäre, der leider vollkommen ungenützt blieb und so einen doch bitteren Nachgeschmack hinterlässt.
Wie sieht es aber nun allgemein mit der Spieltiefe aus? Grundsätzlich lebt man einfach das Leben des Charakters oder schreibt seine eigene „Mär“ (=Fable) um genauer zu sein.
Wenn es einem danach steht, jedes Haus zu kaufen und dafür horrende Mieten zu verlangen, sieben Ehen parallel zueinander zu führen, sich jeden Tag in der Taverne voll laufen zu lassen und dem Barden zu zuhören, wie er Lieder über die eigenen Heldentaten singt…why not? Go for it!
Was mich selbst betrifft, habe ich etwas von allem gemacht. Ich bin der Hauptquest gefolgt, um das tolle Ende zu sehen – welches, aufgrund seiner unorthodoxen Art und Weise, offenbar die Geister gewaltig spaltet und zu einem „Love it or hate it“ geworden ist – habe endlose Side-Quests beendet, besitze eine Vielzahl kleiner und gewaltiger Anwesen, zwei Familien, eine Swingerparty geschmissen, 8 Geschlechtskrankheiten, habe als Schmied gearbeitet, unzählige Feinde getötet und…
…die Liste könnte ich jetzt noch ziemlich lange fortführen und wird sich bei einem kommenden, erneuten Durchgang wahrscheinlich nochmals erweitern. Den Punkt, denn ich hiermit verständlich machen möchte, ist, dass es Lionhead gelungen ist, eine Menge, kleine Ideen in einen Pot zu werfen und daraus etwas ganz großes entstehen zu lassen. Zwar nicht perfekt, mit zeitweise stark fehlenden Tiefgang, da oftmals nur die Oberfläche angekratzt wurde, aber es macht definitiv Spaß und kann einen sogar richtig einfangen und verzaubern.

Als großes Feature, wurde ja der neue Partner auf vier Pfoten angepriesen, dem man aber mit gemischten Gefühlen gegenüberstehen kann.
Wobei bei mir allerdings die positiven Aspekte überwiegen, da einem der Begleiter doch irgendwie das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein und mit vielen netten, wenn auch kleinen Gimmicks aufwartet, wie dem Finden von Schätzen, egal ob offensichtlich oder vergraben, das Warnen vor Feinden oder einfach nur das Unterstützen der eigenen Ausdrucksmittel.
Zwar hätte man den Hund noch sehr viel stärker ins Spiel integrieren können, aber so kann ich ihn trotzdem als bereichernden Pluspunkt werten, da ich ihn zu keiner Zeit als störend empfunden habe, ganz im Gegenteil sogar.

Von der Optik des Spiels, war ich durchwegs hellauf begeistert und bezeichne es jetzt als eines der schönsten Spiele, die ich bisher zu Gesicht bekommen habe.
Die künstlerische Darstellung der Charaktere und vor allem der Umgebung, lässt sich einfach nur als atemberaubend beschreiben und so schreit jedes Gebiet förmlich danach erkundet zu werden.
Von den Slums zur prächtigen Stadt, den Höhlen, Wäldern, Ruinen,…ganz egal wo auch immer es einen hinführt, gestaltet es sich als äußerst schwierig, nicht davon beeindruckt zu werden.
Die musikalischen Klänge, von denen man vielleicht etwas zu wenig hört, sowie auch die deutsche Sprachausgabe, sind hervorragend gelungen und lassen eigentlich keinen Wunsch offen.
Besonders haben mir hier die Umgebungsgeräusche gefallen bzw. die Kommentare der NPCs, die ihnen, auch wenn es sich mit der Zeit abnützt, durch die Wiederholungen, ein gewisses Eigenleben einhauchen und so ihren Teil zur Atmosphäre beitragen.

Fable 2 ist ein Spiel voller Entscheidungen. Wie man spielt und sein Leben in Albion lebt, liegt ganz bei einem selbst. So ziemlich alles in diesem Spiel, kommt auf die eigenen Handlungen und vor allem auf die eigene Sichtweise an. Man kann Fable 2 für ein paar Stunden spielen, die Story beenden, den Hut drauf werfen und das Spiel im Grunde überhaupt nicht erlebt haben. Viel reizvoller ist es aber, die Story, sowie unzählige Nebenquests zu beenden und jeden Winkel dieser liebevoll konstruierten Welt vollständig zu genießen, um es im Nachhinein ein kleines Meisterwerk zu nennen.


In aller Kürze…

Grafik: Simply stunning and overwhelming!

Sound: Atmosphärisch, fügt sich die meiste Zeit über perfekt ins Spielgeschehen ein und der Score lässt sich als brillant betiteln – auch wenn ich mir etwas mehr Präsenz gewünscht hätte.

Story: Räche deine Schwester und schreibe dein eigenes Märchen.

Gameplay: Sehr einfach und wenige bis gar keine Herausforderungen, allerdings sollte einen alleine die schiere Vielfalt an Möglichkeiten eine Zeit lang unterhalten. Zur Gänze auf Spielspaß getrimmt!

Motivation: Die Hauptquest kann bereits nach 10 Stunden vorüber sein, insgesamt findet sich in Albion allerdings einiges mehr an Raum für Spielzeit. Langzeitmotivation für erneutes Durchspielen ist gegeben.

Overall: 9/10 – Shining
 
Trayal schrieb:
Zhadow schrieb:
Das hättest du aber problemlos schon in den bestehenden Thread posten können.

Das war auch zuerst meine Überlegung, finde es aber dann doch besser, wenn jedes Review in einen eigenen Thread kommt.

Dann hat man am Ende aber zehn Reviews zu einem Spiel auf der ersten Seite und müsste auch die Diskussionen auf mehrere Threads verteilen. Und das wäre imo nicht so toll.
 
Anders hätte man aber vielleicht 10 Reviews im selben Thread, wodurch sich die Diskussion ziemlich verläuft und ein ziemliches Chaos hinein bringt, nur um die Übersicht etwas sauberer zu halten.
Hat alles seine Schattenseiten...
 
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