Muss hier dann doch auch noch posten, weil es mir noch nie so leicht gefallen ist mein Album des Jahres zu benennen.
Vermutlich ist es sogar mein Album der Dekade. Selten zuvor (wenn nicht gar nie zuvor) hat mich ein Album dermaßen weggeblasen und das auch noch so unvermittelt.
Ich hab Trettis Karriere schon verfolgt, da haben wir ihn natürlich noch Ronny genannt. Erstes Mal live auf dem Summerjam 2007 als Opener mit Sommer ist für alle da. Damals noch nicht so richtig gewusst, was man davon halten soll. Dann irgendwann den Humor verstanden und hart gefeiert. Seine Persiflage auf die deutsche Reggae-Szene, die ja immer auch sein Fremdeln mit dieser spiegelte traf immer einen Nerv bei mir, der ich mich auch immer in einer kritischen Distanz zur "eigenen" Szene befand.
Textlich war Tretti schon immer ein ganz Großer, musikalisch war vieles eher Mittelmaß. Aber auf der Komikschiene hat es dennoch immer gut funktioniert. Zwei chlorbleiche Halunken, genialer Albumtitel bis heute. Zusammen mit Ranking Smo, die Gute Alte Zeit ist bis heute ein Song, bei dem - ich nicht - übertrieben manchmal von breitem Grinsen ins laute Lachen verfalle.
Dann vor ein paar Jahren Tanz auf dem Vulkan, zu der Zeit dann auch nochmal auf einem kleinen Reggae Open Air hier um die Ecke gesehen. Birnenpfeffi mit Zimt. Also ne Birne, davon ne Scheibe, dann Zimt drüber streuen, eiskalt muss es sein, damits schmeckt... so richtig geschmeckt hats trotzdem irgendwie nicht.
Dann so ein bisschen aus den Augen verloren, so wie er immer mehr den Reggae aus den Augen verloren und hinter sich gelassen hat. Irgendwann mal über Skyline gestolpert. Aber das war musikalisch erst mal so weit weg von mir und meinen Hörgewohnheiten und von dem, was ich von Ronny kannte, dass ich mich da nicht wirklich drauf einlassen konnte.
Dieses Jahr dann Grauer Beton. Das erste Mal gehört, ganz ok. Das zweite Mal gehört, eigentlich ganz geil. Auf der großen Anlage, mit tiefem Bass laut aufgedreht, drittes Mal gehört. Weggeblasen! Wieder gehört und wieder gehört und wieder gehört... dann den ganzen Shit der letzten beiden Jahre gepumpt. Album bestellt, gehört, geliebt. Kitschkrieg EPs 1-3 bestellt. Tour 2017 leider verpasst, aber im März 2018 mindestens in Bremen und in Stuttgart am Start, vielleicht noch in Hamburg im April?
Ok, das war meine kleine, persönliche und vermutlich etwas verwirrende Geschichte, die mich mit Tretti verbindet.
DIY ist ungelogen das beste was ich seit Jahren gehört habe. Und ich habe damit so viele meiner Freund*innen angesteckt, die ihn jetzt auch übelst feiern obwohl sie davor mit der Musikrichtung eigentlich nichts anfangen konnten.
Aber Tretti ist einfach so deep, textlich auf dem Gipfel, und der Kitschkrieg-Sound ist so melancholisch-schön, dass sich ein geniales Konglomerat ergibt, dass für mich den musikalischen Gipfel erklommen hat.
Tretti ist pure Liebe. Direkt in mein Herz!
Dahinter kommt wenig bis nichts.