Das Konzept mit den drei Richtern und ihrem miesen Spiel war top. Der andere Storybogen mit Aaron Lake als Präsidentschaftskandidaten wirkte aber irgendwie deplatziert. Ich meine, auf der einen Seite die "mittellosen" Richter, auf der anderen beschreibt Grisham kleinlichst den Millionenwahlkampf von Lake. Mir hätte die Grundidee mit einem anderen "Edelopfer" besser gefallen. Etwas dezenter, irgendein hohes Tier aus der Wirtschaft oder so. Dann hätte aber das mit der Begnadigung am Ende wohl nicht geklappt. Hätte mir da aber eh kein Happy End gewünscht.
Auch die Einschübe der Charaktere Buster (unschuldiger, junger Mann) und Aargrow (CIA-Agent als Insider-Kontaktmann im Gefängnis) waren mir zu belanglos.
Die Richter äußerten im Verlauf einmal selbst, dass sie daran dachten, dass Buster der perfekte Kandidat wäre, ihr Amt einmal zu übernehmen, wenn einer von ihnen sterben würde oder rauskäme. Buster hatte 48 Jahre vor sich und wirkte grundehrlch. Bis dahin hätte er mit seiner erotischen jungen Stimme den Ricky (so hieß der von ihnen erfundene Brieffreund für ihre lüsternen Opfer) bei Telefongesprächen geben können. Darauf wartete ich die ganze Zeit über, doch dann wurde er nur plötzlich auf die Reise geschickt und entkam sang- und klanglos aus dem relativ unbewachten Bundesgefängnis. Nur, um einen Brief abzugeben, weil ihr Anwalt nicht mehr da war. Ne, das hätte man weiter ausrollen müssen.
Und über Aargrow lege ich lieber den Mantel des Schweigens. Nachdem sich die Richter ihrem Anwalt Trevor entledigten und dieser dann abhaute brauchte die CIA ja dringend eine verlässliche Kontaktperson zu der Bruderschaft. Dann schleußten sie einen Ermittler aus den eigenen Reihen ein, der innerhalb kürzester Zeit Kontakt mit den Richtern knüpfte und sogleich direkt ihr All-in-Inclusive Banker wurde. Sie hatten zwar ihre Zweifel, nahmen es aber überraschend als selbstverständlich hin, dass er direkt ihre Bankgeschäfte leitete und einen Bruder hat, der später den Kontakt zu Lake herstellen sollte. Meine Vermutung: sie wussten sehr wohl, dass da was faul war. Spielten aber mit und bekamen ihre Begnadigung. Nur wurde diese Erkentniss nirgends offenbart, am Ende saß nur einer der Richter in einem Café auf Monaco und wurde von Aargrow dezent aufgesucht.
Und Trevor, der Anwalt der Bruderschaft, hat definitiv zuviel gesoffen. Alle Nase lang kamen die Wörter Bier oder "Petes and Grill" (seine Stammbar) auf. Er traute sich auch nicht, das Gesamtvermögen der Richter auf den Bahamas anzufassen. Es gab auch quasi keine nennenswerten Anzeichen von Aufmüpfigkeit, selbst das Kürzen seines Anteils nahm er hin, betrachtete es gar kurzzeitig als fair gegenüber der Bruderschaft, da sie ja die ganze Arbeit leisten.
Zusammenfassend hätte ich mir den Verlauf eher so gewünscht: die Machenschaften der Bruderschaft werden noch detaillierter ausgebreitet über einen längeren Zeitraum hinweg, Buster wird umfassend in die Materie eingeführt und übernimmt die Telefonrolle von Ricky. Trevor sollte gerissener und etwas weniger versoffen sein, schafft bereits im Vorfeld mehr Geld auf sein Konto als vereinbart und behielt es für sich. Die Präsidenschaftsgeschichte, die CIA und das Agentenspielchen hätte man ersatzlos streichen können. Stattdessen hätte der besagte große Fisch in Form eines Wirtschaftsmoguls auftreten können, der die Sache mit Privatermittlern angeht, dann aber spätestens mit Trevor an eine Person gelangen sollte, der alle Anzeichen und Indizien von sich aus verwässert.
Das Finale dann: Trevor räumt nach einem gelungenen Coup das gesamte Gemeinschaftskonto ab, hinterlässt eine zweitdeutige Nachrichten bei der Bruderschaft und einer der Richter stirbt dann durch einen Herzinfarkt. Trevor macht sich ein schönes Leben und die Richter und Buster vegetieren ohne Kontaktperson vor sich hin.
Bäm, aus.

Oder aber man treibt es noch weiter und schickt Buster nun tatsächlich in die Freiheit. Der würde dann Trevor aufspüren und versuchen, ihm Vernunft einzubläuhen. Er würde ihm vom Herzinfarkt von einem der Richter erzählen und an seine Menschlichkeit appellieren. Sowas halt.