Ich traue mich kaum es zu schreiben, aber ich fand
God of War 3: Remastered (PS4) ziemlich schwach.
An vielen Ecken enttäuschte mich das 'production value'. Das Menü, das UI, die Texte, alles wirkt ziemlich unprofessionell und ich erinnere mich gerade, dass mich das bereits beim ersten Teil gestört hat. Aber okay, das sind zugegeben Nebensächlichkeiten.
Das Spiel startet dann mit einem ziemlich fetten Prolog mit überfetten Bossgegnern und krassfetter Action. Die Kämpfe sind schon geil inszeniert. Aber baut das in irgendeiner Weise Adrenalin, Spannung auf? Bei mir hat es gar nicht gezündet. Denn abseits der Action ist die Inszenierung scheiße, also wirklich grottenschlecht. Die eh schon langweilig-miese Fortsetzungsstory (Wuäwuäh, I will have my revenge – Wann hat das endlich ein Ende?) wird langweilig und mies präsentiert. Es gibt keine Charaktere. Man kann bei diesen Hohlbirnen noch nicht einmal von Stereotypen sprechen. Und dann gibt es kaum Mimik und Gestik und die Synchronsprecher sind auch im englischen Original eine Katastrophe. Als dann Kratos zum dritten Mal innerhalb der ersten Stunde seinen Revenge-Satz aufgesagt hat, musste meine Freundin, die im gleichen Raum am PC saß und mit einem Ohr mithörte, schon lachen. Das ist so peinlich für einen Blockbuster-Titel. Aber gut, eigentlich will ich nur sagen, dass bei mir Action alleine nicht funktioniert. Ich brauche wenigstens ein paar coole Charaktere, Dialoge, Sprüche, Szenen. Da wird das verheißungsvolle Szenario leider nicht genutzt und all die Epicness ödet mich nur noch an. Bayonetta zeigt, wie man gigantischen Kämpfen Seele verleiht, Dante was Coolness bedeutet, aber bei Kratos bin ich nur am Augenrollen.
Nach dem etwas drögen ersten Abschnitt in der Unterwelt, wird das Gameplay immerhin stellenweise interessant. Okay, die Kämpfe spielen sich wie schon im ersten Teil stumpf. Man kloppt mit einfachen Kombos alles nieder bis ein Kreis über dem Kopf erscheint und dann zerpflückt man den Gegner mit einem Quick-Time-Event. Mit einem extrem schlechten QTE, denn die Knöpfe sind völlig random. Während seit der letzten Generation eigentlich zumindest die QTE-Buttons nachvollziehbar belegt waren, hat man hier das Gefühl Hau-den-Lukas zu spielen. Zum Glück hat man sich hier mit den Gegnerwellen etwas zurückgehalten, denn die QTE-Finisher langweilen recht flott. Ich glaube mich zu erinnern, dass man im ersten Teil deutlich mehr Gorgonen den Kopf abgerissen hat.
Eigentlich wollte ich ja etwas Positives schreiben. God of War 3 ist ein sehr klassisches Action-Adventure (mit Hack’n’Slay/QTE-Kämpfen). Und das ist sehr cool. Man hangelt sich durch beeindruckende und schön inszenierte Kulissen. Dabei hat mich das Leveldesign überrascht. Die Welt wirkt trotz ihrer Linearität recht authentisch und bietet interessante Architekturen. Für Abwechslung ist auch gesorgt. Nicht nur im Design, sondern auch im Gameplay. Kämpfe, Rätsel und Platforming wechseln sich regelmäßig und zügig ab. Die Kämpfe sind dabei plump, die Puzzles überzeugen aber mit netten Einfällen. Schade ist, dass die Rätsel sehr klein und eindimensional bleiben. Eine gute Idee bringt wenig, wenn sie nicht vernünftig ausgearbeitet wird. Bei diesen Passagen gibt es so wenig Optionen, dass man quasi nur dem offensichtlichen Pfad folgen muss um voranzuschreiten. Hier wird Potenzial verschwendet. Vermutlich wollte man niemanden überfordern. God of War spielt sich dafür sehr smooth.
Das Game ist zwar ein HD-Remake und man sieht dem Spiel sein Alter meistens an, aber es gibt auch sehr opulente Augenblicke, die einen vergessen lassen, dass man hier ein aufgehübschtes PS3-Spiel zockt. Gerade Kratos und Zeus und seine Freunde sehen fantastisch aus. So macht es Spaß auf sie einzudreschen. Die Musik ist okay, zumindest passend, der Sound ist aber scheiße, ebenso die Soundabmischung. Da passt gar nichts. Am Ende war ich schon richtig genervt, wie leise z.B. Pandoras Stimme im Vergleich zu Kratos war.
Ja, so als Fazit kann ich sagen, dass es mir Spaß gemacht hat mal wieder ein klassisches Action-Adventure zocken, auch wenn das Spiel imo an vielen Stellen scheitert und an anderen Stellen viel Potenzial verschenkt. Ich hoffe, dass die Serie im Geiste weiterlebt, aber ein Reboot ist meines Erachtens nötig, um etwas Unterhaltungswert aus Story und Charakteren zu kitzeln. Kratos sollte in eine Anstalt für schwer-erziehbare Kinder und die Geschichte sollte sich stärker auf einzelne Schicksale der griechischen Mythologie fokussieren. Dazu noch direktere, präzisere Kämpfe mit weniger QTE-Quatsch und ich würde zum Freund der Serie werden.
6/10