Nach Alan Wake habe ich in Enslaved die nächste Enttäuschung meines Spielejahres 2010 gefunden.
Enttäuscht werden kann man in erster Linie nur wenn man etwas erwartet und meine Erwartungen waren vielleicht zu hoch.
Denn mit Ninja Theory, die Heavenly Sword entwickelt haben, hat man ja ein sehr gutes Studio (mir gefiel das Spiel..), mit Andy Serkis einen Speziallisten wenn es um Motion Capturing Aufnahmen geht (er hat im übrigen auch sein eigenes Studio gegründet) und mit dem Schreiberling Alex Garland dazu noch einen recht fähigen Geschichtenerzähler.
Dank Screenshots, Trailern und normalen Videos hatte ich auch eine gewisse Erwartung an die Grafik.
Nur leider hat all dies nicht gereicht, um ein phantastisches Spiel abzuliefern.
Dank Andy gehört die Mimik der Figuren zwar mit zum besten auf Konsolen, jedoch wirken viele Animationen nicht flüssig/menschlich genug, um mich zu begeistern respektive um mich nicht daran zu erinnern nur ein Spiel zu spielen.
So läuft Trip auch teils sichtbare Routen ab, was einfach nicht menschlich genug aussieht.
Mit ein wenig mehr Feingefühl würde die Immersion so perfekt sein.
Angesichts der, wie angesprochen, phantastischen Mimik, die mit subtilen Details zu begeistern weiß, umso ärgerlicher.
Auch bei der Grafik hätte noch der letzte Schliff gefehlt.
So schauen alle drei menschliche Protagonisten zwar unglaublich gut aus (besonders die Tattoos von Pigsy haben mir gefallen), das Art-Design ist zum dahin schmelzen, die Effekte können sie ebenso sehen lassen wie die Weitsicht, Texturen und Gegner, jedoch gibt es nur vier oder fünf versch. aussehende Mechs, es gibt nachladene Texturen und ich musste auch den ein oder anderen Slowdown miterleben.
Wären diese Kritikpunkte nicht könnte sich Enslaved ganz dicht hinter Uncharted 2, der grafischen Referenz der Action-Adventures, einreichen.
Wo den Animationen/Mimik und der Grafik nur der letzte Schliff/ein wenig mehr Zeit fehlte konnte mich die Story gar nicht überzeugen.
Ich möchte hier natürlich zu viel spoilern, weswegen ich nur sagen möchte das am Ende viel zu viele Fragen ungeklärt bleiben und mir das Ende generell nicht gut gefällt.
Auch gibt es das ganze Spiel über kaum etwas von der Story, denn die spielt sich eigentlich nur in den letzten 5 Minuten ab, wenn man es sehr genau nimmt.
Ebenso wenig konnte mich das Gameplay überzeugen.
Dieses besteht nur aus klettern und kämpfen.
Per se ja nichts schlechtes, sofern es gut gemacht ist und das ist es in Enslaveds Fall nicht.
Denn das klettern besteht nur daraus den linken Stick in eine Richtung zu bewegen und A zu drücken.
Abstürzen ist genauso unmöglich wie nicht weiterzukommen.
An einigen Stellen habe ich nämlich nicht gesehen wo ich weiter musste und habe nur den Stick bewegt und A gedrückt.
Hinzu kommt, was mich das ganze Spiel über sehr gestört hat, ist das man auch wirklich nur dahin springen kann wo es der Programmierer vorgesehen hat.
So fühlt sich man sich beim "klettern" sehr eingeengt, da man kaum bis gar keine Möglichkeiten hat sich frei zu bewegen.
Die Schlauchlevels verstärken diesen Eindruck natürlich.
Und die Kämpfe stehen dem casualigen klettern in (negativer Sicht) nichts nach.
So sind sie am Anfang schon nicht sonderlich schwer und verkommen später, nachdem man sich etwas aufgelevelt hat, nur noch zu einer Zeitaufwendung und nicht zu einer echten Herausforderung.
Um das zu kompensieren hat man scheinbar die Kamera in Kämpfen zu nah positioniert und für gesorgt das sie die Kämpfe mehr schlecht als recht einfängt.
So geht viel zu oft die Übersichtlichkeit flöten.
Bin im übrigen, soweit ich mich erinnern kann, nur zweimal im gesamten Spiel gestorben und das in der Szene mit dem Panzerwagen (Steuerung, man muss da lang wo es der Entwickler vorgesehen hat).
Der Soundtrack plätschert teils auch nur so vor sich hin und einen echten Ohrwurm habe ich nicht vernommen.
Habe noch mal in die Soundtrack CD gehört und hab auch dort nichts gefunden, was mich mit den Ohren schlackern ließ.
Dafür taugen die Stimmen von Monkey und Pigsy, die von Trip wiederum nicht so sehr.
Resümee:
Optisch schickes Spiel im Post-apokalyptischen Szenario, welches weder mit dem Gameplay noch der Story punkten kann und einzig von den beiden Protagonisten Monkey und Trip getragen wird.