Hm, hm, hm. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ich finde diese Diäten furchtbar. Die ganze Einstellung hinter diesem Verzichten und dann einen oder zwei Tage sündigen, kann vielleicht funktionieren. Ich persönlich glaube aber nicht daran und halte das für ungesund und irgendwie auch dämlich. Besonders, wenn ich dann solche Geschichten höre wie eben jetzt von Alexicious.
(Lebensgeschichte incoming)
Ich war der Klischeezocker. Jeden Tag stopfte ich Scheiße in mich rein. Morgens Toastbrot mit Nutella, in der Schule dann irgendwelche Streuselschnecken, Schokoriegel und Kakao, auf dem Weg nach Hause gab es Burger und als ich angekommen bin halt Fertigpizza mit Cola, Gummibärchen und eine Tafel Schokolade. Das war wirklich ein 08/15-Tag bei mir. Ich erschrecke gerade selbst etwas, wenn ich das lese.
Meine Figur sah jedenfalls dementsprechend aus. Okay, ich war nicht der fette Zocker, sondern der dürre. Die dickste Stelle an meinem Arm war der Ellbogen, meine Brust war eingefallen und trotzdem habe ich es geschafft einen Bauch und schwabbelige Oberschenkel zu haben. Die Ernährung wirkte sich aber nicht nur auf meine Figur aus. Meine Haut war unrein, kränklich und blass. Ich habe schlecht geschlafen und fühlte mich wie ausgekotzt.
Irgendwann, ich war 17 und gerade in eine eigene Wohnung gezogen, hatte ich Lust auf Süßes. Ich ging also zum nächsten Supermarkt und holte mir meine typische Nachmittagsportion, Gummizeug und Schokolade. (Man braucht beides, weil man vom einen Bock auf das andere bekommt!) Schon auf dem Weg nach Hause riss ich die Packung Yoghurt-Gums auf und fing an mich damit vollzustopfen. Ich weiß nicht genau, was mich dazu bewegte, aber ich fühlte mich unwohl in meinem Körper, schaute kurz auf die Zutatenliste und warf die halbvolle Tüte weg. Und die Schokolade gleich hinterher. Ich wollte nie wieder so eine Scheiße essen.
Und so begann ich krasse Diäten. Kein Zucker, kein Weizenmehl, keine Milch, Low Fat, Low Carb, Low Glycemic. Es war furchtbar. Ich war völlig verwirrt im Kopf. Ich habe hauptsächlich Vollkornhaferflocken und Schwarzbrot mit fettarmer Putenbrust gegessen, abends dann Tunfisch im eigenen Saft. Das Interessante und Positive war, dass ich mich trotz der einseitigen Ernährung deutlich besser fühlte. Mein Körper fühlte sich gesünder an. Die Schattenseite war, dass ich die ganze zeit Bock auf 'etwas Richtiges' hatte, also erlaubte ich mir ziemlich schnell Sünden. Bei mir war das Obst. Obst hat in meiner Diät einen Blankocheck bekommen. No Limit! Und das nahm ich ernst, also habe ich mir eben mal 2kg Äpfel und anschließend 1kg Bananen reingepfiffen, dazu fast täglich Weintrauben und anderes Obst. Oh man, wie dämlich das klingen muss. Da Nüsse auch gesund sind, habe ich sie mir auch irgendwann erlaubt. Das wurde dann ähnlich extrem. Und trotzdem reichte mir das nicht und ich bekam Heißhungerattacken auf Schokolade, Torte und so. Und hasste mich dafür. (Ich bin keine Frau!)
Das ist ein Extrembeispiel, aber vielleicht kann man daraus etwas lernen. Ich zumindest konnte das. Ich atmete tief durch, verwarf all meine alten Pläne und begann nachzudenken. Ruhig und vernünftig. Das müsste übrigens mindestens ein ganzes Jahr nach dem Anfang der Radikalkur gewesen sein. Als sehr internetaffiner Mensch habe ich mich schon immer über jeden Schritt in meinem Leben gut im Voraus informiert. Und dieses Mal natürlich auch. Ich schaute mir noch einmal alle möglichen Diäten an, wurde damit nicht glücklich und las mich tiefer in die Materie hinein. Irgendwann kam ich zu einem sehr einfachen Entschluss. Ich wollte mich einfach gesund ernähren. Rational und gesund. So gesund wie möglich.
Mein Grundsatz war die 'gesunde Alternative'. Ich habe gut, reichhaltig und lecker gekocht, aber immer den gesündesten Weg eingeschlagen. Viel Geflügel und Fisch, nur Vollkornprodukte, Naturreis, massig Gemüse und Obst. Natürlich waren auch Sahnesaucen erlaubt, aber hey, mir reicht ein halber Becher für 500g Nudeln und anstatt Butter gibt es nur einen Tropfen Öl. Zum Überbacken von Aufläufen eignet sich auch richtig gut Mozarella light. Hat eine super Konsistenz. Und Süße gibt auch Honig.
Ich machte es mir einfach. Ich hatte nie das Gefühl auf etwas zu verzichten. Nie! Ganz im Gegenteil. Mein Geschmack entwickelte sich mit meinem Bewusstsein. Mein Gaumen hat sich meinem Essen angepasst und empfand leichtere Geschmäcker viel intensiver als früher. Dadurch konnte ich mit deutlich weniger Fett und Süße auskommen und das Essen schmeckte viel raffinierter, weil z.B. Gemüse viel stärker zum Geschmack beitragen konnte und feinere Nuancen rauszuschmecken waren. Junk-Food und Mischemasche-Kindergarten-Futter sind für mich mittlerweile ungenießbar, weil sie viel zu langweilig schmecken - und nach dieser Langeweile viel zu stark. Eine einfache Tomate ist dagegen richtig lecker.
Das klingt jetzt alles etwas fanatisch und unglaubwürdig, aber ich bin so überzeugt davon, dass jeder der seine Ernährung umstellen will, erst einmal damit anfangen sollte, sich einfach gesund zu ernähren. Mir hat das mein ganzes Leben verändert. Ich genieße das Essen jetzt und ich brauche keine 'Endorphinspeisen'. Ich muss nicht mehr auf sie verzichten. Wenn mir jemand etwas Süßes anbietet, dann lehne ich dankend ab. Und wenn es sein Geburtstag ist, und er darauf besteht, dann esse ich ein Stück Torte mit. Und ich genieße sie und kriege trotzdem keinen Heißhunger. Ich bin in dieser Hinsicht sehr ausgeglichen. Ich habe keine Angst mehr vor Fetten und Zucker.
Und was soll ich sagen? Ich fühle mich wohl. Meine ganze Ausstrahlung hat sich verändert. Meine Freundin, für die ich sehr gerne koche, erlebt die gleiche Entwicklung. Sie ist eine Naschkatze und braucht ihre Schokolade, aber jetzt dürfen und sollen es gerne mal ein paar Prozent mehr Kakao sein. Ihr Geschmack hat sich sehr in meine Richtung entwickelt und das ganz ohne Diäten und Zwängen.
Man sollte sich nicht damit quälen auf etwas zu verzichten, sondern sich Mühe geben in der Küche Genuss mit Gesundheit in Einklang zu bringen. Es gibt so unglaublich viele mögliche Kompositionen, die man auf dem Teller servieren kann. Da findet jeder etwas, das ihm richtig gut schmeckt und der Figur und dem Wohlbefinden schmeichelt.
Das ist der einfachste Riesenschritt den man machen kann. Und dann bleibt auch genug Energie für radikalere Diäten auf einer gesunden Basis. Und natürlich Sport!
