Paul
Eine Sci-Fi-Komödie von und mit Simon Pegg und Nick Frost, in der ein Alien mit zwei Comic-Geeks quer durch die Vereinigte Staaten von Amerika pilgert? Das kann ja nur gut werden! - Habe ich mir damals gedacht. Leider kann das Endprodukt meine relativ hohen Erwartungen nicht erfüllen und enttäuscht stellenweise sogar.
Die Idee des Films ist spitze. Zwei liebenswürdige Nerds treffen auf ein rauchendes, lebensfrohes und gesprächiges Alien und ziehen, während ihres Abenteuers, allerlei Sci-Fi-Klischees durch den Kakao. Daraus hätte man ein unheimlich lustiges, selbstironisches Road-Movie machen können.
Paul gelingt dies leider nur bedingt.
Dass ein Sprüche klopfendes Alien wunderbar funktionieren kann, zeigt Roger aus
American Dad. Paul geht in eine ähnlich "asoziale" Richtung, verzichtet dabei jedoch leider auf die derbe Gesellschaftskritik und setzt stattdessen lediglich auf simplen, vulgären Humor. Das Gefluche ist zu Beginn noch recht witzig, nutzt sich aber sehr schnell ab, wodurch ich dem Film im weiteren Verlauf kaum mehr, als ein müdes Lächeln abgewinnen konnte. Vielseitigen Humor, wie in Pegg/Frost's anderen Produktionen, sucht man hier vergebens. Lediglich einige spaßige Nerd-Klischee-Spielereien und Sci-Fi-Parodien sorgen für ausgiebige Lacher. Ansonsten lässt der Humor an Biss vermissen und bleibt die meiste Zeit über vorherseh- und austauschbar.
Immerhin überzeugt das gewohnt sympathische Hauptdarstellerduo. Pegg und Frost muss man einfach lieb haben. Auch die gut aufgelegten Nebendarsteller können begeistern. Von Paul selber hätte ich, wie gesagt, mehr erwartet. Der CGI-Charakter ist ulkig, charmant und zeitweise richtig lustig. Trotzdem fehlt ihm irgendwie das gewisse Etwas, was ihn wie eine brave Roger-Kopie erscheinen lässt.
Paul ist ein durchaus gelungener Film. Eine Liebeserklärung an Comic- und Sci-Fi-Nerds, mit zwei tollen Hauptdarstellern und einer erfrischenden Handlung. Leider bleiben die Charaktere etwas blass, der Humor beschränkt sich hauptsächlich auf harmlose "Fäkal-Witze" und auch sonst gibt es keine größeren Überraschungen. Von Pegg/Frost's Detailverliebtheit und Einfallsreichtum, die
Shaun of the Dead und
Hot Fuzz zu großartigen Genre-Parodien machen, ist hier, bis auf das Grundkonzept, nicht mehr viel übrig geblieben.
Paul ist kurzweilig-freche Hollywood-Unterhaltung. Eine glattgebügelte, generische Komödie, die Spaß macht, aber auch viel Potential verschenkt.
6/10 Cowboy-Kostüme (7/10 mit Pegg/Frost-Bonus)