Hancock - Extended Cut
Wenn ich mir die ganzen miesen Rezensionen zu dem Film ansehe, dann ist Hancock ein Paradebeispiel für eine absolut versaute Werbekampagne. Wer auf die idiotische Idee kam, den Trailer so zu erstellen, dass der Film wie eine lässig coole und an der Grenze zur Parodie vorbeischrammende Superheldenkomödie aussieht, der sollte gefeuert werden.
Nun war ich ja schon ausreichend vorgewarnt, dass der Film so ca. zur Hälfte eine thematische Kehrtwendung vollzieht...blablabla...
Stimmt imo alles nicht. Meiner Ansicht nach ist der Film zu keinem Zeitpunkt eine Komödie. Genausowenig wie Spiderman wegen den Einlagen von J. Jameson eine Komödie ist.
Schon nach wenigen Minuten ist eigentlich klar, dass Hancock ein zutiefst einsamer und verbitterter Kerl ist. Er hat keinen Job, kein Geld, keinen einzigen Freund. Die Leute hassen ihn. Aber trotzdem tut er das, was er aufgrund seiner Fähigkeiten kann und hilft in Notsituationen. Dabei schert er sich wenig bis gar nicht darum, ob etwas kaputtgeht. Genauso nimmt er das eine oder andere persönlich und reagiert dann auf etwas impulsive Art. Er gibt auch keine "Nicht auf der Straße spielen, Kinder"-Ratschläge, wie man sie von anderen Helden kennt.
Imo ist das eine recht gute Betrachtungsweise, die auch einen ganzen Zacken Gesellschaftskritik enthält. Solange ein Superheld schön artig ist, immer höflich und zuvorkommend bleibt und brav darauf achtet, dass nicht zu viel kaputtgeht, jubeln ihm die Leute zu. Aber wehe, wenn er das nicht tut. Dann hassen sie ihn auf einmal noch mehr als die Verbrecher, die er aus dem Verkehr zieht. Das ohne ihn - diesen saufenden Penner, der nach dem Aufstehen Frauen an den Hintern grapscht und bei jedem Start/jeder Landung einen kleinen Krater hinterlässt - die Verbrechensrate gleich mal um 30% steigt, interessiert da keinen. Denn er ist nicht angepasst. Das sich dieses gespaltene Verhältnis hochschaukelt und Hancock immer mehr LMA-Attitüde an den Tag legt, ist im Grunde logisch.
So braucht Hancock dann tatsächlich erstmal einen PR-Berater, der ihm sagt, wie man sich in der Öffentlichkeit verhalten muss, damit sie einem auch mal die Hand schütteln.
Imo ist das ein recht gelungener Seitenhieb auf unsere Gesellschaft. Der ist zwar nicht neu - gab's in "Die Unglaublichen" auch schon - aber er ist unterhaltsamer als "Ich habe neue Kräfte und verwende sie im Kampf gegen das Böse".
Imo ist Hancock also trotz der witzigen Einlagen, die imo durchaus gelungen sind, eher ein Drama als eine Komödie. Er fährt somit die gleiche Schiene wie die meisten der ganzen Superheldenfilme und dabei macht er seine Sache gar nicht mal so übel. Die Effekte können sich sehen lassen und die Schauspieler sind mit Freude an der Sache. Will Smith ist natürlich wieder Will Smith, aber der Kerl ist so überaus sympathisch, dass ich ihm immer wieder gerne zusehe.
Die Thematik um die Helden selbst und speziell ihre Herkunft ist imo durchaus interessant und ausbaufähig. Mal sehen, ob da noch was kommt.
Fazit: Werbekampagne voll am Thema vorbei. Setzen 6. Der Film selbst ist imo aber sehr gelungen, wenn man in etwa weiß, was einen erwartet. Er kommt jetzt nicht an die Batmanfilme oder Spiderman 2 ran. Aber er braucht sich auch keineswegs zu verstecken. Ist auf jeden Fall mal was anderes und sehr unterhaltsam.
8/10