Agents of S.H.I.E.L.D.
Season 1
Im Gegensatz zu Marvels fulminantem Filmuniversum ist ihr erstes Serien-Spin-Off
Agents of S.H.I.E.L.D. leider kein Selbstläufer. Die ersten paar Folgen sind, um es mal ganz drastisch zu formulieren: Belanglos, weichgespült, albern und kindisch. Ja, sie wirken fast so wie ein Freizeitprojekt einiger Marvel-Fans. Doch dann macht die Serie plötzlich einen Sprung, meiner Meinung nach sogar deutlich früher als von den meisten Kritikern behauptet, und
S.H.I.E.L.D. entwickelt sich zum kurzweiligen Fanservice, um im Finale sogar zum hochspannenden Verschwörungs-Sci-Fi-Thriller zu mutieren.
Nach dem eher mauen, weil sehr rund gelutschten und B-haften Einstieg, stellt man in Folge fünf oder sechs nämlich auf einmal fest, dass die Charaktere vielleicht doch nicht so langweilig und klischeehaft sind. In der Staffelmitte tun sich daraufhin Handlungspfade auf, die voller Geheimnisse stecken und Lust auf mehr machen (Das offensichtlichste Beispiel: Wieso lebt Coulson noch?). Und im bombastischen Finale, das ungefähr mit Episode 18 beginnt, wird schlussendlich sogar die Genialität der Filme entfacht, indem die Geschichte einige Haken schlägt, der Ton ernster wird und die Figuren beweisen, dass sie deutlich mehr Dimensionen besitzen als zunächst angenommen.
Auch wenn einige Startschwierigkeiten bestanden, fand ich das Gesamtbild von Beginn an gelungen.
S.H.I.E.L.D. ist reinster Fanservice, der reichlich interessantes Hintergrundwissen zu den Kinofilmen liefert, ihre Geschichten clever verstrickt und sich erzählerisch hervorragend in das bestehende Universum eingliedert. So dürfen Coulson und sein Team etwa in London hinter Thor aufräumen (nachdem er sich dort in
Thor 2 einen Kampf mit den Dunkelelfen geliefert hat) oder geraten zwischen die Fronten der
Captain America 2-Parteien. Das ist toll, vor allem für einen Fan der Filme. Dazu kommt noch, dass Agent Phil Son of Coul einfach ein unheimlich sympathischer Kerl ist, dem man gerne bei seiner verspielten Agenten-Arbeit über die Schulter schaut.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass ich
S.H.I.E.L.D. bei weitem nicht so schlecht fand wie die meisten anderen Zuschauer bzw. Kritiker. Im Gegenteil. Es ist ein humorvolles, sehr kurzweiliges und sich toll im Marvel-Universum zurechtfindendes Spin-Off. In seinen Ausmaßen natürlich kaum mit den Filmproduktionen vergleichbar, aber ein leckeres Sahnehäubchen für den hungrigen Marvel-Fan, der gerne mehr über die erzählten Geschichten erfahren würde und sich nichts aus locker-leichter, manchmal durchaus etwas sinnbefreiter Sci-Fi-Agenten-Stories macht. Simple, aber effektive Handlung, charmante, wenn auch klischeebeladene Charaktere, erstaunlich ansehnliche Effektarbeit und viele liebevolle Marvel-Details. Nicht unbedingt der neue Stern am Serienhimmel, aber solide Marvel-Bespaßung mit einigen Highlights (Coulsons Storystrang, die Verknüpfung mit den Filmen, jeder Auftritt eines bekannten Gesichts) und reichlich Potential. Hat mir, allein auf den Unterhaltungswert bezogen, sogar besser gefallen als
Arrow. Bin eben ein Marvel-Jünger.
7/10 Night-Night Guns