Wochenende, schlechtes Wetter, Hausarbeit erledigt: also in den letzten Stunden einige Discs aus dem Filmregal gefingert, die ich entweder noch nie oder mindestens 20+ Jahre nicht mehr gesehen habe. Das Ergebnis war leider ernüchternd. Gemessen an meinen (anscheinend teils getrübten) Erinnerungen und Erwartungen ein Tag der Enttäuschungen. Gehen wir sie also mal schnell durch:
The Running Man [UHD Blu-ray]
(zu Streamen: noch nirgends, nur digital käuflich)
(Neu)Verfilmung der Stephen King Geschichte mit modernen technischen Mitteln (also nicht so wie im Arnie-Film), Edgar Wright übernimmt Drehbuch und Regie und Glen Powell die Hauptrolle? Das kann nur gut werden! Mhm, joa, geht so.
Ich sage mal so, die dystopische Sci-Fi Geschichte über einen Familienvater (gewohnt charmant, aber auch gewohnt austauschbar: Glen Powell), der in einer abartigen, weil tödlichen, Fernsehshow mitmacht, um Geld für die Behandlung seiner kranken Tochter zu erspielen, wird hier nicht völlig verkehrt verfilmt, aber sie hätte auch so viel mehr sein können. Irgendwie ist alles zu glatt, zu charming und irgendwie nicht böse genug. Da hatte ich von Wright - und zwar in allen Belangen, Drehbuch und Inszenierung - tatsächlich mehr erwartet.
So ist es ein ansehnlicher Sci-Fi Film, dem ich seinen Unterhaltungswert nicht absprechen möchte, der aber hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. An Glen Powell erkennt man halt auch ein großes Problem, dass Hollywood aktuell hat: es gibt wenig guten, männlichen Nachwuchs. Klar, die alten De Niros sind noch da, die Generation von Bale und DiCaprio erreicht jetzt erst ihren Zenit, aber danach kommt nicht mehr viel. Ich mag Powell, sympathischer Dude, den ich gerne sehe, aber wie auch ein Chris Pratt oder Tom Holland, sind sie in dieser lockeren Action-Typ Schublade gefangen. Die kannste untereinander austauschen und es würde niemanden stören. Gibt momentan kaum einen jüngeren Schauspieler (also so im namhaften Kinoblockbusterbereich, gibt sicherlich talentierte B-Darsteller), dem ich zutrauen würde, der nächste Bruce Willis, Tom Cruise oder gar jemand wie Al Pacino oder Robert De Niro zu werden. Bei den Frauen sieht es da meiner Meinung nach deutlich besser aus.
Naja, aber zurück zu The Running Man. Sieht ganz schick aus, macht auch Laune, bleibt aber wie gesagt erstaunlich austauschbar und ist mit 130 Minuten auch ein Stück weit zu lang. Wieso nicht einen knackigen, schmutzigen 90-Minüter draus machen? Das geht heute anscheinend nicht mehr.
6/10 Tage
George - der aus dem Dschungel kam [DVD]
(zu streamen: Disney+)
Der alberne, etwas vulgäre Tarzan, in dem der junge George (ein wunderschöner Mensch: Brendan Fraser) im Dschungel von einem sprechenden Gorilla (süffisant vertont von John Cleese) großgezogen wird, bevor er einer vornehmen, sich auf Safari befindenden Amerikanerin (ein ebenfalls wunderschöner Mensch: Leslie Mann) das Leben rettet und sich in sie verliebt.
Was habe ich diesen Film als Kind geliebt. Und wahrscheinlich würde ich das als Kind auch heute noch tun. Aber ich war überrascht wie seicht und albern dieser Slapstick-Tarzan doch ist. So albern, dass ich tatsächlich kaum mehr darüber lachen konnte. Ha ha, er schwingt mit dem Kopf vor 'nen Baum, ha ha ... Trotzdem bleibt die Geschichte charmant-naiv, Fraser liefert eine für ihn einzigartig abgedrehte One-Man-Show ab und der Film hat uns ein von mir sehr geschätztes gif geschenkt:
5/10 Brille tragende Gorillas
Monkeybone (DVD)
(zu streamen: nirgends, nur digital käuflich)
Noch mal Brendan Fraser und noch mal eine Enttäuschung. Nach einem Unfall landet Comiczeichner Stu im Koma und dadurch in einer abgedrehten Traumwelt, in der er unter anderem seine eigene, zum Leben erweckte Comicfigur, den Affen Monkeybone, trifft.
Stilistisch teilweise gar nicht so übel, Tim Burton-esque, was nicht verwunderlich ist, denn Henry Selick hat hier Regie geführt, der das beispielsweise auch bei Burton's Nightmare Before Christmas oder Coraline getan hat. So erscheint der Film manchmal wie ein grotesker Live Action Stop-Motion Burton Streifen. Erzählerisch ist er aber echt anstrengend und wirr. Ich weiß auch nicht für welche Zielgruppe der Film überhaupt gedacht ist. Für Kinder ist er zu abstrakt, für ihre Eltern zu albern und überdreht. Vielleicht "klickt" der Film bei anderen mehr, ich fand ihn nur ... seltsam. Womöglich hätte er mir als Animationsfilm besser gefallen. Punkte gibt es für die kreativen Set- und Kostümdesigns und Rose McGowan als sexy Miss Kitty.
3/10 Goldene Tickets
Bowfingers Große Nummer [Blu-ray]
(zu streamen: nirgends, nur digital käuflich)
Der erfolglose Regisseur Bobby Bowfinger (Steve Martin) will einen Film drehen. Bekommt ihn aber nur finanziert, wenn er auch den aktuell größten Filmstar Kit Ramsey (Eddie Murphy) für die Hauptrolle verpflichten kann. Nachdem dieser das Rollenangebot ablehnt, bleibt Bowfinger nur eins übrig: er dreht den Film trotzdem - und zwar mit versteckter Kamera, ohne das Ramsey es überhaupt mitbekommt.
Bowfinger war eine angenehme Ausnahme an diesem enttäuschenden Filmtag. Den fand ich super. Alleine die Prämisse: er dreht einen Film, bei dem der Hauptdarsteller gar nicht weiß, dass er mitspielt, ist genial. Wenn er seine Schauspieler beispielsweise in ein Cafe schickt, wo der unwissende Kit Ramsey gerade privat sitzt, sie dort vor ihm ihr Drehbuch runterspielen, er natürlich absolut gar nichts rafft, sie alles versteckt filmen und im nachhinein irgendwie zusammenschneiden - das ist fantastisch, lustig und clever. Aber es sind nicht nur diese offensichtlichen Comedy-Momente, sondern auch der satirische Unterbau, wo jeder versucht jeden zu manipulieren, um sein Ziel in der Filmbranche zu erreichen, die hier funktionieren.
Die Schauspieler (von Steve Martin und Eddie Murphy über Heather Graham bis hin zu Robert Downey Jr.) sind allesamt super aufgelegt, der Plot ist kreativ und das Erzähltempo angenehm. Trotzdem hatte ich hinten raus das Gefühl, dass man noch etwas mehr aus der Ausgangssituation hätte machen können. Manche Gags fallen flach und die Story verläuft dann doch erstaunlich vorhersehbar, aber ich hatte dennoch eine sehr gute Zeit damit.
7/10 Außerirdische
Twins - Zwillinge [Blu-ray]
(zu streamen: Netflix)
Moment, auch Twins eine Enttäuschung? Das dürfte den meisten Arnie-Fans hier wohl am meisten ausstoßen, aber ja, ich bin ehrlich: ich fand Twins echt nicht sonderlich gut. Hatte den schon immer als eher mittelmäßig abgespeichert und das hat sich heute auch wieder bestätigt.
Julius (Arnold Schwarzenegger) ist ein genetisches Experiment, aufgewachsen auf einer von der Außenwelt abgeschotteten Insel: ein perfekter Mensch, groß, sportlich, intelligent und kreativ. Vincent (Danny DeVito) ist sein Zwillingsbruder, der leider nur die schlechten Gene abbekommen hat, nach der Geburt von Julius getrennt wurde und alleine im Waisenhaus zu einem kleinen, unsportlichen Schwerenöter und Ganoven herangewachsen ist.
In Twins treffen die ungleichen Zwillinge nun das erste mal aufeinander. Und das ist witzig. Aber leider nur für kurze Zeit. Der Gag war nämlich schneller aus erzählt als mir lieb war, was für mich auch der größte Kritikpunkt am Film ist. Ja, Arnie als der, der er körperlich ist, nur diesmal deutlich naiver und DeVito als sein frecher, kleingewachsener Bruder-Gegenpart sind perfekt gecastet und tragen den Film auch zu einem Großteil. Aber der Witz daran, der Gegensatz, funktioniert eben auch nur ein mal. Ha, groß und klein, lustig. Da lache ich zwanzig, vielleicht auch dreißig Minuten in unterschiedlichen Situationen drüber, aber danach war es das. Auch sonst verläuft der Film ziemlich gleichförmig. Die Romanze mit den Mädels ist harmlos. Dieser Krimi-Subplot fühlt sich total fehl am Platz an und auch sonst gab es weder viel zu lachen, noch Action oder sonst was, wofür ich eigentlich einen Schwarzenegger-Film schaue.
Plätschert alles so vor sich hin. Macht nichts wirklich falsch, ist nett, aber hat mich jetzt auch nicht wirklich gekitzelt. Muss mir demnächst noch mal die andere Reitman-DeVito-Schwarzenegger Komödie Junior geben. Den hab ich nämlich als noch schlechter in Erinnerung und möchte nun wissen, ob ich das heute immer noch so einordnen würde. Nichts geht über Der Kindergarten Cop und Last Action Hero, wenn es um Arnie-Comedy geht.
6/10 Millionen Dollar