Scarface
Tony Montana (Al Pacino) ist ein kubanischer Flüchtling, der zusammen mit seinem Freund Manny (Steve Bauer) in ein Lager für Emigranten gesteckt wird. Um diesem trüben Alltag zu entfliehen, schrecken die beiden auch nicht vor einem Auftragsmord zurück. Nun versuchen sie sich in Miami durchzuschlagen, schnell ist der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Drogenkurier geschafft. Frank Lopez (Robert Loggia) nimmt Tony unter seine Fittiche, doch dieser gibt sich nicht mit seiner Rolle als kleiner Fisch zufrieden.
Tonys direkte Art die Dinge zu handhaben, lassen ihn bald zu Franks Nummer 2 aufsteigen. Nebenbei hat er auch noch ein Auge auf Franks Geliebte Elvira (Michelle Pfeiffer) geworfen, die scheint vom machogehabe des Kubaners aber wenig beeindruckt, lässt sich aber doch auf ein Techtelmechtel ein. Tony schadet es jedenfalls nicht. Er steigt zum Drogenbaron von Florida auf, Luxus, Kokain und seine von unbändigem Ehrgeiz zerfressene Psyche bringen ihn aber bald in arge Schwierigkeiten.
Ich habe Scarface am Wochenende zum ersten Mal gesehen. Dieser Kultfilm ging etwas an mir vorbei. Zum Glück wurde er am Samstag auf SRF ausgestrahlt. Ich habe letzte Woche in einer Zeitung einen Bericht über den kolumbianischen Koksdealer
Pablo Escobar gelesen (unvorstellbar was damals so alles passierte!) und war umso mehr interessiert. DePalmas Film kam anfangs der 1980er Jahre raus. Zu einer Zeit, als in Florida gerade die Kolumbianer, die Kubaner im Drogengeschäft am Verdrängen waren.
Jetzt aber zum Film selber: Scarface wurde, als der Film in die Kinos kam, von den Kritikern nicht gerade mit Lob überhäuft. Die Gewaltexzesse und die brachiale Gossensprache kam weder bei den Kritikern noch bei der FSK (gab es die damals schon?) gut an. Der Film war ja auch eine Zeit lang in Deutschland indiziert gewesen. Heutzutage bekäme ein Film mit solchen Gewaltszenen wohl schon eine Freigabe ab 12 Jahren. Die Drogen sind natürlich ein anderes Thema…
Der Film lebt von Al Pacino. Ähnlich wie Clint Eastwood, sieht der auch in einem über 30 Jahre alten Film schon „betagt“ aus… Und bis auf eine Szene in New York, ist er einfach nur ein unsympathischer und zu jeder Tat bereiten Krimineller, der die Sympathien nie auf seiner Seite hat. Auch das weitere Cast macht Spass. Steve Bauer ist Tony Montanas rechte Hand und ist sowas wie das ruhige Gewissen der Organisation (nicht nur optisch ein Sonnenschein), nicht zu vergessen natürlich der schmierig hinterhältige Frank, wunderbar verkörpert von Robert Loggia sowie F. Murray Abraham als dessen Gehilfe. Michelle Pfeiffer ihrerseits wurde mit Scarface erstmals einem grösseren Publikum ein Begriff.
Der Filmtechnisch ist er aber einfach nur klasse. Mit den ausgeklügelten Kamerabewegungen, dem prächtigen Dekor und den technisch geschickten Gewaltdarstellungen (die Kettensäge-Szene!) gibt DePalma der Gangsterstory aus der Feder von Oliver Stone einen würdigen Rahmen. Dazu gibt es einen tollen Soundtrack (wer GTA 3 oder VC mal gespielt hat, wird sich wie zu Hause fühlen).
Der Film ist intensiv, kann aber nicht überall Überzeugen. So gibt es immer wieder Längen im Film und einige Dinge werden zu oberflächlich behandelt. So würden Montanas Avancen zur Frau seines Bosses sicher nicht so locker goutiert werden und auch sein Aufstieg verläuft etwas gar problemlos.
Alles in allem ist es ein absolut sehenswerter Film, der aber keinesfalls überragend ist. Hätte ich den Film zum ersten Mal in den 80er oder 90er gesehen, wäre die Wertung wohl noch etwas höher ausgefallen.
7/10
P.S. Durch den Film habe ich irgendwie auf das
Videospiel Bock (Xbox) bekommen. Kann das jemand empfehlen (bekam damals noch gute Wertungen) oder ist es heutzutage unspielbar?