Lucy
Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Kritiker einen Film nur anhand des Trailers bewerten. In nahezu jeder Kritik zu
Lucy - und demnach auch groß und dick auf dem Cover - steht nämlich so etwas wie
"Der Actionkracher des Jahres!". Blödsinn.
Lucy ist nämlich alles, nur kein Actionfilm. Daher auch gleich die Warnung an diejenigen, die hier einen geradlinigen Action-Thriller im Stil von
Salt oder
Colombiana erwarten: Ihr werdet maßlos enttäuscht werden. Seid ihr jedoch offen für philosophische Storyideen, teils unglaubwürdige, aber dafür unterhaltsame Gedankenspiele und eine hübsche Visualisierung, dann könnt ihr
Lucy eine Chance geben.
Luc Besson nimmt sich die simple, aber effektive Frage
"Was wäre, wenn ein Mensch 100% seines Hirns nutzen würde?" und strickt daraus einen ansehnlich durchdesignten Sci-Fi-Film mit philosophischem Unterbau. Wobei der Leitgedanke hier eindeutig die Fiction und nicht die Science war und die philosophischen Fragen nur oberflächlich angerissen werden. Demnach kann man sich auf einige interessante Ansätze einstellen, die bei weitem nicht der Realität, sondern eher der nicht zu Ende gedachten Sci-Fi-Logik entsprechen, aber trotzdem mehr Einfallsreichtum bieten als der übliche Blockbuster und zudem noch mit einer sauberen Präsentation einhergehen. Letztere ist auch eindeutig das Highlight des Films, da Luc Besson es versteht, seine Produktionen angenehm multikulturell und irgendwie eigentümlich wirken zu lassen, ihnen aber dennoch so viel Hollywood-Glanz verpasst, um auch den vom amerikanischen Hochglanzkino geprägten Zuschauer unterhalten zu können. Nur Action darf man eben nicht erwarten. Jedenfalls keine bodenständige Klopperei, sondern wenn, dann vielmehr übernatürlich angehauchte Umweltbeeinflussungen ohne Körperkontakt.
Weniger gefallen hat mir hingegen Scarlett Johansson. Ich kann nicht dafür, aber ich nehme ihr derartige Rollen einfach nicht ab. Sie gehört für mich schlicht und ergreifend in die Kategorie "überbewertet". Und zwar in jeder Beziehung. Auch hier tritt sie wieder absolut austauschbar und unspektakulär auf. Das hätte jede andere Darstellerin genau so, wenn nicht sogar besser machen können. Sie darf gerne weiter zwischen den Avengers herumturnen oder andere Nebenrollen annehmen, aber eine One-Woman-Show funktioniert einfach nicht. Jetzt stehe ich der
Ghost in the Shell Realverfilmung mit ihr gleich noch skeptischer gegenüber.
Ansonsten aber ein solider Film. Mit einer guten, sowie kurzweiligen Idee und brauchbaren Aufnahmen. Schade nur, dass
Lucy ein wenig zwischen den Stühlen sitzt und nie so recht weiß, ob er nun eine philosophische Suche nach dem Sinn des Lebens oder doch nur ein kerniger Sci-Fi-Actioner sein möchte. Die eigentlich vielversprechenden Sinnfragen der Story bleiben somit nämlich nur oberflächliche Andeutungen und die Action wie erwähnt nahezu unsichtbar. Einige Schritte mehr in die jeweilige Richtung und
Lucy hätte verdammt gut werden können - eben entweder ein intelligenter Sci-Fi-Thriller oder aber ein fetziger Actionkracher. So bleibt ein gut gemeintes und weitgehend auch gut umgesetztes Gedankenspiel, das angenehm zu schauen ist, aber nur kurz nachhallt. Da ist
Ohne Limit, der ja die selbe Prämisse (mit kompletter Hirnauslastung kommt Wissen, Verantwortung, Irrsinn, etc.) verfolgt, einfach besser.
6/10 allwissende USB-Sticks