Lone Ranger
Das
Fluch der Karibik-Dreamteam ist wieder vereint: Jerry Bruckheimer produziert, Gore Verbinski führt Regie und Johnny Depp spielt die bzw. eine der beiden Hauptrollen. Kann doch eigentlich nur gut werden, oder? Das Ergebnis ist leider nicht so eindeutig ausgefallen, sondern schwankt ein wenig zwischen seelenlosem Hirn-aus-Blockbuster und charmant-witzigem Western-Abenteuer.
Im Grunde ist
Lone Ranger Fluch der Karibik im Wilden Westen. Der Aufbau der Handlung, die comichaft überzeichneten Charaktere, die Klischees und nicht zuletzt die hübsche Bombastoptik, all das erinnert ohne Zweifel an Disney's Piraten-Zugpferd. Und das meine ich zunächst sehr positiv, hat mich der schrullige Pirat in der Vergangenheit doch immer bestens unterhalten. So sorgt auch
Lone Ranger für relativ lange, zwischendurch auch etwas langatmige, aber glücklicherweise nie wirklich langweilige Bespaßung. Leider ist die Indianer-Eisenbahnbau-Verschwörungsstory bei weitem nicht so packend wie Captain Jack Sparrows Seefahrergeschichten. Dafür fehlt es der staubigen Prärie und deren Bewohner an Seele, Wiedererkennungswert und übernatürlichen Kniffen.
Der Lone Ranger ist, auf die Umsetzung der Handlung bezogen, nämlich ein eher unaufregender Vertreter. Hat man alles schon mal irgendwo so ähnlich gesehen und wird demnach auch niemanden aus den Socken hauen. Die einen mögen das "klassisch", die anderen "langweilig" nennen. Gefälliger sind da schon die Actionszenen. Ohne Rücksicht auf (Realitäts)Verluste, werden hier Eisenbahnen zum entgleisen gebracht, selbige mit Pferden beritten und Leitern als Beförderungsmittel missbraucht. Das spottet jedem physikalischen Naturgesetz, bewegt sich zeitweise nah am Facepalm, sorgt aber für den benötigten Schwung im ansonsten vorhersehbaren Handlungsverlauf. So gehört das effektreichte, 10-minütige Finale mit zum Unterhaltsamsten, das ich in der letzten Zeit in diesem Genre sehen durfte. Sicherlich auch wegen des grandiosen Einsatzes der Wilhelm Tell Ouvertüre, vor der sich Hans Zimmer hier gekonnt verbeugt und zusammen mit Verbinskis tadelloser Action-Regie ein rasantes Action-Ballett auf den Schirm zaubert. Überhaupt hat mir der gesamte Schlussakt hervorragend gefallen.
Zwischen der Action geht dem Ganzen aber immer wieder die Luft aus. Ja, der Humor ist überwiegend brauchbar, die Wild-West-Atmosphäre ist gelungen und die Schauspieler spielen gewohnt gut. Aber da haben wir auch schon das Problem: Das Wörtchen "gewohnt". Johnny Depp ist Johnny Depp bzw. Jack Sparrow. Heißt: Schrullig, bescheuert, außergewöhnlich und witzig. Kennt man aber leider schon aus ... nahezu jedem Johnny Depp-Film. Armie Hammer ist viel zu glatt als Held, was sicherlich dem Drehbuch und der Vorlage geschuldet ist, das Endergebnis aber auch nicht charismatischer macht. Lediglich William Fichtner kann als Bösewicht ein wenig aufspielen, wird von Over-the-Top-Depp aber regelmäßig in Grund und Boden geblödelt. Der restliche Cast ist nicht der (übermäßig positiven) Rede wert. Das selbe gilt für die Präsentation: Stimmig, weitläufige Panoramaaufnahmen und fetzige Action. Aber alles schon mal gesehen. Und der Humor? Joa, die meisten Gags zünden, drohen aber nicht selten in peinliche Lächerlichkeiten abzudriften. War mir zwischendurch tatsächlich schon fast zu selbstironisch. Da gibt sich ein Jack Sparrow jedenfalls sehr viel pointierter.
Insgesamt wurde ich gut unterhalten.
Lone Ranger ist nämlich ein temporeiches, audiovisuell einwandfreies Action-Abenteuer. Trotzdem wollte der letzte Funke nicht so recht überspringen. Das besondere Etwas hat einfach gefehlt, das mich nach dem Abspann gleich
"Nochmal! Nochmal!" schreien lässt. Es handelt sich bei
Lone Ranger eben nur um eine staubige "Kopie" von
Fluch der Karibik. Das ist nicht unbedingt schlecht, funktioniert über weite Strecken auch, lässt den Film aber auch "altbekannt" erscheinen. Von daher konnte ich mich zweieinhalb Stunden wirklich gut amüsieren, hatte das Meiste aber bereits zehn Minuten später wieder komplett vergessen. Besser als sein vernichtender Ruf und an für sich ein absolut gelungener Sommer- oder zur Zeit eher Winterblockbuster, aber eben auch keine filmische Glanzleitung. 'Ne Fortsetzung hätte ich dennoch gerne gesehen. Vor allem wo die Story-Weichen nun gestellt sind. Schade drum.
7/10 ungekühlte Gurken