Na, das war doch mal ein unterhaltsames Actionspektakel. Nach den reichlich vorhandenen Unkenrufen und dem peinlichen Vorgänger, war meine Erwartungshaltung ziemlich gering. So gering, dass ich mir den Kinobesuch damals gespart und sogar noch ein paar Monate länger auf die 3D Blu-ray gewartet habe. Glücklicherweise macht
Transformers 3 nahezu alles richtig und merzt die meisten Kritikpunkte der ersten Filme, insbersonders des zweiten Teils, aus.
Das beginnt schon bei der Handlung. Ja,
Transformers war noch nie ein Shakespeare und auch der neuste Ableger besticht nicht gerade durch großes Storytelling. Die Geschichte entfernt sich jedoch vom zusammenhangslosen und kindischen Storygerüst, wie es noch in Transformers 2 vorzufinden war, und verfrachtet die sprechende Roboter und ihr menschliches Gefolge diesmal in eine solide, eher erwachsene Sci-Fi-Handlung. Der Einstieg ist dabei übrigens mein Highlight des Films. Spitzenmäßig gefilmt, spannend erzählt und unheimlich atmosphärisch. Das hätte auch ein J.J. Abrams nicht besser hinbekommen. Leider legt sich die Euphorie ab der Arsch-wackel-Szene wieder. Dennoch die definitiv stärkste Einleitung der Film-Reihe.
Auch wenn die Story immernoch auf eine Briefmarke passt und teilweise merkwürdig sprunghaft erzählt wird (Gerade befinden wir uns noch im sonnigen Chicago - Schitt - und auf einmal rennen die Protagonisten durch eine düstere, zerbombte Metropole, die der Zukunft des
Terminator-Universums sehr ähnlich sieht - Was da in der Zwischenzeit passiert ist, wissen wohl nur die Drehbuchautoren.), weist sie doch sehr viel mehr Struktur und Ernsthaftigkeit auf, als noch in den Vorgängern. So verschwinden auch die beschämend-peinlichen Dialoge (vorwiegend zwischen Sam und seiner Mutter) nahezu vollständig und machen Platz für, inhaltlich freichlich genau so sinnfreies, aber immerhin etwas lässigeres,
"Sam ist endlich erwachsen geworden und muss die Welt retten!"-Gelaber.
Stichwort "verschwinden": Megan Fox ist nicht mehr dabei. Wollte es nur nochmal erwähnt haben, da man es leicht übersehen kann. Im Grunde genommen wurde hier eine austauschbare Darstellerin durch eine mindestens genau so austauschbare ersetzt. Bis auf die Haarfarbe und Breite der Nase unterscheiden sich die beiden Damen nämlich kaum. Putzig ist übrigens wie Michael Bay mit dem "Verlust" von Megan Fox umgeht und sie im Film mit den sinngemäßen Worten
"... deine alte [Freundin] war nervig, Sam." abserviert.
Neben Rosie, die in meinen Augen einen durchaus brachbaren Eyecandy-Ersatz abgibt, sind jedoch auch noch einige andere Neuzugänge dabei. So hat beispielsweise Ken Jeong (Hangover) einen ulkigen Gastauftritt, Patrick Dempsey darf seinen OP endlich mal verlassen und das menschliche Gegenstück zu Megatron mimen und sogar Großmeister John Malkovich ist am Start. Mein Newcomer-Favorit ist aber Alan Tudyk, der seit
Firefly zu meinen Lieblingsschauspielern gehört, und auch hier eine kleine, aber feine Show abliefert.
So, nun aber zum Wichtigsten in einem Michael Bay Film: Der Action. Die kann sich auch in
Transformers 3 wieder sehen lassen und sorgt dafür, dass es im Heimkino ordentlich kracht. Wer bei Optimus Primes finalem Auftritt keine ausgebäulte Hose hatte, sollte sich besser sofort um eine Mitgliedschaft beim 1. FC Arte kümmern.

Bay lässt hier, ganz im Sinne der
Modern Warfare 3-Generation, kein Stein auf dem anderen und reißt nicht nur unzähligen Decepticons die Wirbelsäulen raus, sondern gleich komplette Straßenzüge ein. Auch wenn die physikalischen Gesetze dabei häufig außer acht gelassen werden und nicht jede Aktion glaubwürdig bzw. sinnvoll erscheint, es kracht, es rummst, es scheppert. Und das, allein im Finale, stolze 45 Minuten lang. Sehr unterhaltsam und, vor allem in 3D, ein audiovisueller Hochgenuss. Einen entscheidenden Vorteil hat die 3D-Technik übrigens noch: Mal davon abgesehen, dass sie für ein wunderbares Mitten-drin-Gefühl sorgt, muss Michael Bay die Kamera stillhalten, um einen vernünftigen 3D-Effekt hinzubekommen. Jaha, die Zeiten der Bay'schen Handkamera-wackel-Optik sind vorbei. Dank 3D gibt es diesmal ruhige, lange und imposante Einstellungen zu bestaunen, welche die Roboteraction noch besser zur Geltung bringen. Dass die Animationsarbeit von Industrial Light & Magic dabei wieder über alle Zweifel erhaben ist, muss ich wohl nicht erwähnen.
Insgesamt bin ich von
Transformers 3 überaus positiv überrascht. Story, Charaktere, Action und Humor wurden mit dem dritten Teil der Spielzeugverfilmung doch tatsächlich noch erwachsen. Nicht unebdingt intelligenter, aber sehr viel düsterer und atmosphärischer, als noch in den pubertären Vorgängern. Was ich diesbezüglich jedoch nicht verstehen kann, sind die überwiegend negativen Meinungen der Internetgemeinschaft. Wie kommts? Ok, die Leute, die noch nie etwas mit den sprechenden Riesenrobotern anfangen konnten, sind natürlich entschuldigt. Aber was ist mit der
Transformers-Fangemeinde? Beim Stöbern in verschiedenen Foren (auch hier), bekomme ich den Eindruck, dass
Transformers 3 der - mit Abstand - schlechteste Teil ist. Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Wie gesagt, mich hat dieser Film in nahezu jeder Beziehung positiv überrascht und ist vielleicht sogar der beste Teil der Reihe, da hier bekannte Schwachpunkte umgangen, alte Tugenden gekonnt beibehalten und durch eine insgesamt merklich erwachsenere Umsetzung sogar noch aufgewertet wurden.
Transformers 3 ist Bombast-Kino par excellence. Anspruchslos, vorhersehbar, kurzweilig und ungemein unterhaltsam. Wenn die Entwicklung so weitergeht, sitze ich für
Transformers 4 auch wieder im Kino. Versprochen.
